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Sonstiges

Nachhaltiger Konsum


Individuelle Konsumentscheidungen sind für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Mit jedem Kauf eines Produktes oder einer Dienstleistung entscheidet der Konsument, in welchem Maße Stoffströme und Energie für die Befriedigung seines Konsumwunsches benötigt werden. Eine Nachhaltige Entwicklung erfordert einen drastischen Rückgang der Stoffströme und des Energieverbrauchs beim Konsum in den Industrieländern.

"Nachhaltige Entwicklung – das ist inzwischen Konsens – bedeutet für uns als reiches Land auch die Änderung von Lebens- und Konsumstilen. Denn der jetzige ist mit seinem hohen Ressourcenverbrauch weder zukunftsfähig was die Verantwortung für künftige Generationen angeht, noch im Hinblick auf eine gerechte globale Verteilung der natürlichen Ressourcen. Doch in kaum einem anderen Bereich der Nachhaltigkeit ist es so schwer, die notwendigen Schritte der Veränderung zu gehen, wie beim privaten Konsum. Kein Wunder: Kein anderes Thema ist derart komplex, kein anderes Thema bringt derart viele Akteure aufs Spielfeld, kein anderes Thema ist auch so stark mit individuellen Werthaltungen und psychologischen Verhaltensmustern besetzt wie dieses." Dokumentation der Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation mit dem Umweltbundesamt im April 2000, an deren Ende die Tutzinger Erklärung aufgesetzt wurde.

Entstehung des Begriffs "Nachhaltiger Konsum"
Eingeführt wurde der Begriff des Nachhaltigen Konsums (englisch: “sustainable consumption”) in der Agenda 21, die auf dem Weltgipfel von Rio 1992 verabschiedet wurde. Das Kapitel vier der Agenda 21 befasst sich mit den Änderungen der Konsumgewohnheiten (Consumption Patterns), die für eine nachhaltige Entwicklung unabdingbar sind. Auf dem Weltgipfel 2002 in Johannesburg wurde ein 10-Jahres Programm zur Stärkung des nachhaltigen Konsums beschlossen, dessen Konkretisierung im sogenannten Marrakesch-Prozess erreicht werden soll. Ziel ist, dass sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über Ziele und innovative Ansätze für einen nachhaltigen Konsum, mit denen die Potenziale von Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Akteuren mobilisiert werden können, verständigen.

Allgmein versteht man unter dem Begriff "Konsum" den Gebrauch und Verbrauch von Gütern. Dieser Konsum kann in verschiedene Bedürfnisfelder unterteilt werden:
  • Ernährung
  • Wohnen
  • Mobilität
  • Tourismus
  • Textilien
Diese Bedürfnisfelder können je nach Konsum
  • besonders energie- und materialeffizient sein (Effizienz),
  • einen genügsamen Lebensstil (Suffizienz) darstellen, oder
  • nicht nachhaltig sein.
Nachhaltiger Konsum in diesen Bedürfnisfeldern muss eine Mischung aus Suffizienz und Effizienz haben. Ein effizienter Konsum alleine reduziert nicht zwangsläufig den Energie- oder Materialverbrauch. Dafür sorgt der Rebound- oder Bumerang-Effekt. Er besagt, dass alle Einsparungen von Energie und Material letztlich durch einen quantitativ höheren Konsum überkompensiert wurden. Durch Effizienzverbesserungen können Produkte und Dienstleistungen zu einem günstigeren Preis angeboten werden, so dass sich alleine schon daraus eine Steigerung des Konsums ergibt und eine Konsumspirale in Gang gesetzt werden kann. Die entscheidende Herausforderung für einen nachhaltigen Konsum ist somit eher die Suffizienz und damit die Frage, welches Maß an Konsum ausreichend oder genügend ist. Dieser verbleibende Konsum sollte dann so effizient wie möglich realisiert werden. Weitere Informationen können Sie in den "Wuppertal Papers" mit dem Thema "Von nichts zu viel. Suffizienz gehört zur Zukunftsfähigkeit", des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie GmbH nachlesen.

Das Bayrische Landesamt für Umwelt hat einige Leitlinien zum nachhaltigen Konsum herausgegeben. Demnach kann Konsum nachhaltig sein, wenn verschiedene Aspekte beachtet werden. Hier die konkreten Handlungsandweisungen des Bayrischen LfU:
  • "Umweltfreundlich: Energie- und Ökobilanzen der Produkte beachten, schadstoffarme Produkte wählen, Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft bevorzugen.
  • Regional: Produkte aus der Region kaufen, Aufträge an ortsansässige Handwerker vergeben, saisonale Lebensmittel kaufen.
  • Fair: Produkte aus fairem Handel mit Entwicklungsländern und aus benachteiligten Regionen den Vorzug geben.
  • Einkauf: Nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren.
  • Planung: Nur wirklich benötigte Produkte anschaffen. Lebensmittel nicht verderben lassen, da dann der Energie- und Ressourcenverbrauch zur Herstellung umsonst war."
Nachhaltiger Konsum in der Praxis
Konkrete Unterstützung, sowie Informationen bieten verschiedene Internetseiten. Hier im Lexikon finden Sie eine kommentierte Ratgeberliste zu diesem Thema:
  • Wichtig für den Bereich des Konsums ist auch der jeweilige CO2-Verbrauch, der für die Produktion von Gütern und Dienstleitungen entsteht. Verschiedene Rechnungsmodelle stellen Informationen für die individuelle Berechnungen des CO2-Verbrauchs zusammen und vermitteln so, wie nachhaltig das eigene Verhalten ist.
  • Das individuelle Konsumniveau hat nicht zwangsläufig mit der Lebensqualität oder der individuellen Zufriedenheit zu tun. Mit der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Konsum und Glück bzw. Lebensqualität ist derzeit insbesondere das Sustainable Europe Research Institute befasst. Individuelles Glück oder Lebensqualität versucht der Happy Planet Index messbar zu machen, der von der New Economics Foundation herausgebracht und von Friends of The Earth unterstützt wurde.
  • Die "UN-Dekade für Bildung für Nachhaltige Entwicklung" setzt bei der Bildung der Schüler und Schülerinnen (zu den Themen Kulturelle Vielfalt, Wasser, Energie, Geld, Stadt, Ernährung, Mobilität) für eine nachhaltige Zukunft und Entwicklung an. Dies ermöglicht eine Verfestigung des Themas Nachhaltiger Konsum von Kindesbeinen an und hat so eine hohe Wirkungsmöglichkeit.
  • Im Jahr 1987 wurde vom Öko-Institut e.V. die Produktlinienanalyse konzipiert, als Methode zur integrierten Analyse ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte entlang der Produktlinie (Öko-Institut 1997): PROSA (Product Sustainability Assessment oder auf deutsch: Produkt-Nachhaltigkeits-Analyse)
  • Die Abteilung für Technik, Industrie und Ökonomie des Umweltprogramms UNEP hat eine umfangreiche Webseite mit ihren Projekten zur Nachhaltigkeit von Konsum und Produktion, u.a.:
Kritik
So wichtig nachhaltiger Konsum auch ist, Kritiker warnen vor Handlungsanweisungen, die zwar nachhaltig scheinen, aber wichtige Aspekte in diesem komlexen Gefüge unberücksichtigt lassen. Folgende Beispiele sollen verdeutlichen, dass Anweisungen häufig nur Teilaspekte fokussieren:
  • Regionale Ware ist nicht immer nachhaltiger als Importware. Denn die einfache Handlungsanweisung: "Kaufe nur regionale Produkte", missachtet, dass regionale Äpfel, die im Herbst geerntet wurden, im Kühlhaus bei +1 C° gelagert werden müssen, damit sie Monate später noch knackfrisch verkauft werden können.
  • Digitale Musik ist nicht unbedingt nachhaltiger als CD's. Denn die Überlegung, dass digitale Musik im Gegensatz zur CD kein CO2 erzeugt, da sie nicht produziert und transportiert wird, übersieht, dass CD's zwar hergestellt werden müssen, die Lebedauer aber auch deutlich länger ist. Außerdem muss die digitale Musikdatei zwar nicht materiell hergestellt werden, aber der Computer auf dem die Musik gespeichert und abgespielt wird. Hier müsste die sehr kurze Lebensdauer von Festplatten und die aufwändige Herstellung gegengerechnet werden.
  • Bahn fahren ist nicht unbedingt nachhaltiger als Auto fahren. Denn wenn das Auto mit fünf Personen vollbesetzt ist, der Zug aber nur chronisch unterbesetzt, ist die Zugfahrt nicht unbedingt nachhaltiger.
Dokumente
Befragung des IÖW: "Unternehmen spüren steigendes Verbraucherinteresse an Nachhaltigkeit"

Interne Links
Externe Links
Forschungsgruppe des Wuppertal Instituts zum Thema "Nachhaltig produzieren und konsumieren"
Öko-Institut e.V., Institut für angewandte Ökologie
Umweltbundesamt mit einer Kinderseite
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mit einer Kinderseite
Informationsseite: mehr wissen mehr tun
Dialogprozess zur Förderung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster
Seiten den BUND

 

 

Schlagworte

Abfall, CO2, Ernährung, Konsum, Naturverbrauch, Strategien

Letzte Aktualisierung

16.11.2011 09:41