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Schmidt-Bleek: MIPS-Konzept, 1998



Der Begriff „ökologischer Rucksack“ wurde 1994 von Schmidt-Bleek entwickelt, um sein MIPS (= Material-Input pro Einheit Service) - Konzept zu erläutern. MIPS liegt der Gedanke zu Grunde, dass Güter meistens für Dienstleistungen eingesetzt werden. Daher muss der "Rucksack" auch für diese Dienstleistungen berechnet werden. So weisen bestimmte Stoffe wie Metalle oder auch Energie einen "Rucksack" auf. Jede Tonne Steinkohle, die wir verfeuern, trägt einen Rucksack von 5 Tonnen Abraum und Wasser. Dazu kommen ca. 3,3 Tonnen Kohlendioxidemissionen, die im Verbrennungsprozess entstehen. Der ökologische Rucksack von Steinkohle ist also knapp 8,5-mal, der von Braunkohle sogar insgesamt zehnmal so schwer die Kohle selbst. MIPS ist - so Schmidt-Bleek - das bisher einzige Maß dafür, wie viel Nutzen aus einer bestimmten Menge Ressourcen gezogen wird.

Nach Schmidt-Bleek schleppt jedes Kilogramm Industrieprodukte bei uns im Durchschnitt etwa 30 Kilogramm Natur mit. Das bedeutet, dass heute weniger als zehn Prozent der in der Natur bewegten Materialien letztlich in nutzbringende Industrieprodukte verwandelt werden.

Als Lösung fordert Schmidt-Bleek eine Dematerialisierung der Wirtschaft. Unter "radikaler" Dematerialisierung versteht er, den Materialverbrauch weltweit auf ein Maß zu reduzieren, das zukunftsfähig ist, dass also mit großer Wahrscheinlichkeit die Ökosphäre nicht langfristig schädigt, und das in einem Zeitraum von einigen Jahrzehnten. Derzeit ist das nicht der Fall; (...) "Radikale" Dematerialisierung hieße zum Beispiel, weltweit den Ressourcenverbrauch zu halbieren. (...) Schmidt-Bleek hat untersucht, ob eine Vervierfachung der Stoffproduktivität, wie von den Autoren von Faktor 4 gefordert, ausreicht, um wieder zu ökologisch einigermaßen nachhaltigen Verhältnissen zu gelangen. Seine Antwort ist ein klares Nein. Er hält in den hochentwickelten Industrieländern einen Faktor 10 für das Minimum. Andernfalls würde den Entwicklungsländern nicht mehr genug Spielraum für eine nachhaltige Entwicklung verbleiben.

Seit Anfang der neunziger Jahre fordert Schmidt-Bleek daher, die Wirtschaftssysteme der alten Industriestaaten im Verlauf der nächsten Jahrzehnte um einen Faktor 10 zu dematerialisieren. Zur Unterstützung dieser Forderung hat Schmidt-Bleek einen sogenannten "Faktor 10-Club" zusammengerufen. Clubmitglieder sind ausnahmslos namhafte Umweltschützer oder Wissenschaftler. Die Prinzipien des Clubs wurden in der Carnoules Deklaration im Oktober 1994 niedergelegt. Darin verlangen die Autoren eine Effizienzrevolution, die Streichung aller Subventionen für den Ressourcenverbrauch und eine neue Auffassung und Definition von Wohlstand.

„Eine soziale Zukunftssicherung wird es ohne Beachtung der ökologischen Leitplanken nicht geben können. Der materiellen Wachstumswirtschaft sind natürliche Grenzen gesetzt. Mehr Arbeit für Menschen als heute kann im Rahmen einer Systemerhaltungsgesellschaft geschaffen werden, nicht aber in einer ressourcenverzehrenden Produktionswirtschaft. Zu viele und immer neue Produktschwemmen helfen weder dem Wohlbefinden der Menschen, noch sind sie ökologisch verkraftbar.

(...) ist die Forderung, aus den der Umwelt entnommenen Ressourcen so lange und so viel wie möglich Nutzen zu ziehen. Jeder Material-, jeder Energie- und jeder Flächeneinsatz sollte technisch so gestaltet sein, dass mit möglichst wenig Natur ein Maximum an Dienstleistungen erbracht und damit Wohlstand erzeugt wird. (...)

Unsere Produkte müssen ihre ökologischen Rucksäcke loswerden, sie müssen intelligenter werden. Hier liegen die Weltmärkte von morgen!“

Schmidt-Bleek hat u.a. eine Checkliste für Produkthersteller vorgeschlagen für die Planung eines neuen oder Verbesserung eines bestehenden Produktes. Mehr dazu hier.

1997 hat der internationale Faktor 10-Club einen dringenden Appell an Führungspersönlichkeiten in allen Ländern erlassen. Diese Erklärung wird seither von führenden Persönlichkeiten der Weltpolitik und Weltwirtschaft zur Lektüre empfohlen und liegt bei allen Weltkonferenzen vor. Den Text des Appells (in Auszügen) finden Sie hier.

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