BMVBW: URBAN 21, Berliner Erklärung zur Zukunft der Städte (Archiv)

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Die komplette Berliner Erklärung zur Zukunft der Städte kann als PDF ( 45.99 KB ) heruntergeladen werden. Hier ein Auszug:

"Wir, Bürger und Repräsentanten aus 1000 Städten und Vertreter von Regierungen, Organisationen der Zivilgesellschaft aus über 100 Ländern der Welt, kamen vom 4. - 6. Juli 2000 in Berlin zur Weltkonferenz über die Zukunft der Städte (URBAN 21) zusammen. Wir übergeben der Öffentlichkeit diese Erklärung - gleichzeitig als Beitrag zur Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (Istanbul+5).

(...)

Wir gingen von folgender Wirklichkeit aus:

(...)


  • Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wird die Mehrheit der sechs Milliarden Menschen dieser Welt in Städten leben.
  • Die Welt erlebt eine Bevölkerungsexplosion in den Städten, vor allem jenen in den Entwicklungsländern.
  • In vielen Ländern verschlechtern sich die sozialen Bedingungen. Gesundheit und Wohlergehen von Bewohnern der Städte wird durch die HIV-Epidemie und wieder auftretende Infektionskrankheiten bedroht.
  • Die Armut in den Städten, von der vor allem Frauen und Kinder betroffen sind, nimmt ständig zu, wobei jeder vierte Bürger der Welt unterhalb der Armutsgrenze lebt.
  • Wir leben in einer Welt, die von einer großen Vielfalt geprägt ist, in der es keine einfachen Antworten und keine eindimensionalen Lösung für die Probleme und die Herausforderungen gibt, mit denen unsere Städte konfrontiert sind.
  • Viele Städte, die mit Hyperwachstum zu kämpfen haben, sind nicht in der Lage, die Herausforderungen vor denen sie stehen zu bewältigen und Arbeit zu schaffen, ausreichenden Wohnraum bereitzustellen und Grundbedürfnisse ihrer Bürger zu befriedigen.
  • (...)
  • Keine Stadt der Welt ist frei von Problemen, insbesondere die Herausforderungen einer echten Nachhaltigkeit sind nicht bewältigt.
(...)

Folgende Entwicklungstendenzen haben wir in vollem Bewusstsein ihrer positiven und negativen Konsequenzen berücksichtigt:


  • Die Globalisierung und die Revolution der Informationstechnologie werden eine Welt entstehen lassen, in der staatliche Grenzen zunehmend an Bedeutung verlieren und Städte neuen Aufgaben gerecht werden müssen.
  • (...)
  • Die Steuerung der Städte wird zunehmend demokratischer.
  • Die Rechte der Frauen, die Unteilbarkeit der Menschenrechte und die Bürgerbeteiligung sowie verantwortliches Handeln gegenüber der Umwelt, finden immer mehr Beachtung.
  • Zwischen der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft entstehen neue Partnerschaften.
(...)

Wir bekräftigen folgende Prinzipien:


  • das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung
  • das Prinzip der Freiheit von Diskriminierung und der Gleichberechtigung der Geschlechter
  • das Prinzip kultureller und religiöser Toleranz
  • das Prinzip einer verantwortungsbewussten Steuerung der Kommunen
  • (...)
  • das Prinzip der menschlichen Solidarität.
Wir empfehlen daher, dass vordringlich folgende Maßnahmen ergriffen werden:


  • Die Städte und anderen Gebietskörperschaften sollten effektive Stadtpolitiken und Planungsprozesse verfolgen und darin soziale, wirtschaftliche, ökologische und räumliche Gesichtspunkte einbeziehen, wobei sie auch die Verflechtung zwischen Städten und Regionen sowie zwischen städtischen, ländlichen und Naturgebieten berücksichtigen.
  • Die Städte sollten dafür kämpfen, die Armut zu verringern und die Grundbedürfnisse der Bürger zu erfüllen, indem sie ihre wirtschaftliche Entfaltung fördern und Raum geben für gemeinschaftliche Aktionen.
  • Die Städte sollten Politiken starten, die geeignet sind, Gewalt und Verbrechen zu verringern.
  • Städte sollten die Chancen der Informations- und Kommunikationstechnologie nutzen und allen Bürgern die Möglichkeiten des lebenslangen Lernens eröffnen, sich zu lernenden Städten entwickeln, um eine globale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.
  • Städte sollten den Einsatz umweltfreundlicher Technologien und Materialien fördern, einschließlich erneuerbarer Energien und eines höheren Wirkungsgrades bei der Nutzung natürlicher Ressourcen.
  • Städte sollten die Förderung der lokalen Wirtschaftsentwicklung und dabei die Rolle der informellen Wirtschaft anerkennen und sie in die formelle Wirtschaft integrieren.
  • Städte sollten zusammen mit anderen Verwaltungsebenen Anreize, Regelungen und Benchmarks schaffen, um die Privatwirtschaft anzuregen, global zu denken, lokal zu handeln und dabei die Armen ohne Diskriminierung einzubeziehen.
  • Wo immer möglich, sollten Städte informelle Siedlungen akzeptieren und in die bestehende Stadtstruktur und das soziale Leben integrieren.
  • Städte sollten ihr historisches Erbe bewahren und sich bemühen Orte der Schönheit zu werden, wo Kunst, Kultur, Architektur und Landschaft den Bürgern Freude und Inspiration bringen.
  • Städte sollten die Flächennutzung angemessen planen und implementieren, mit dem Ziel, eine vitale Wirtschaft, funktionierende Bodenmärkte, bezahlbare Wohnungen und eine funktionsfähige Infrastruktur zu fördern.
  • Städte sollten ein gutes integriertes Nahverkehrssystem aufbauen, das schnell, sicher, leicht zugänglich und erschwinglich ist; ferner sollten sie die Nutzung des Autos besser steuern und die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel vorantreiben.
  • Städte sollten versuche_1508n, ein Gleichgewicht zwischen der natürlichen Umwelt und der gebauten Umwelt herbeizuführen und Maßnahmen ergreifen, um die Verschmutzung von Wasser, Luft, Boden sowie Lärmbelastungen zu verringern und dadurch die Lebensqualität der Bürger erhöhen.
  • Städte sollten sich diskriminierungsfrei und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Demokratie und des verantwortungsbewussten Stadtmanagements selbst verwalten und ihre Beziehungen zu all ihren Bürgern entsprechend gestalten, wobei Frauen, Jugendliche und Minderheiten besonders angesprochen werden.
  • (...)
  • Die Weltbank, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und das Zentrum der Vereinten Nationen für menschliches Siedlungswesen, andere internationale Organisationen und bilaterale Geber sollten ihre Zusammenarbeit mit den Städten, den nicht staatlichen Organisationen und Bürgergruppen auf dem Gebiet des Wohnungswesens, der Stadtentwicklung und der Armutsbekämpfung intensivieren.

Schlagworte

Erklärungen

Letzte Aktualisierung

20.12.2012 10:34

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