Nordrhein-Westfalen (NRW)

Historie

Im Nachgang der Rio-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (in Engl. United Nations Conference on Environment and Development (kurz UNCED) im Jahr 1992 in Rio de Janeiro gab es in Nordrhein-Westfalen ab den 90er Jahren erste Nachhaltigkeitsinitiativen, insbesondere auf kommunaler Ebene. Wichtigste Bezugspunkte waren die in Rio verabschiedeten Dokumente: Die Agenda 21, die darin enthaltene Lokale Agenda 21 und die Klimarahmenkonvention . Zur Unterstützung dieser Nachhaltigkeitsinitiativen (häufig Lokale Agenda 21 genannt) entstand in Nordrhein-Westfalen u.a. die Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. (LAG 21 NRW e.V.), die 2011 gegründet wurde. Die LAG 21 NRW unterstützt lokale und regionale Nachhaltigkeitsprozesse im Bereich strategische Beratung und Kampagnen.

Parallel gab es ab dem Jahr 2000 auch einen Prozess einer sogenannten Agenda 21 NRW, der in einem Kabinettbeschluss im Frühjahr 2005 endete. Dieser sollte die Grundlage für die Erarbeitung einer NRW-Nachhaltigkeitsstrategie legen. Es kam anschließend Mitte 2005 zu einem Regierungswechsel. Die neue Landesregierung verfolgte den Prozess nicht weiter.

Im Koalitionsvertrag der folgenden Regierungen (ab 2010 und 2012) war der Auftrag für die Erarbeitung einer NRW-Nachhaltigkeitsstrategie enthalten. Die Arbeiten daran im Austausch mit Zivilgesellschaft, Kommunen, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft begannen 2012 parallel zum Rio+20-Gipfel. Auch die im September 2015 verabschiedete Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und deren 17 Nachhaltigkeitsziele (in Engl. Sustainable Development Goals (SDGs)) wurden dabei berücksichtigt.

Nachhaltigkeitsstrategie NRW

Die Landesregierung verabschiedete im September 2015 zunächst einen Strategieentwurf, der in eine öffentliche Diskussion gegeben wurde. Die erste NRW-Nachhaltigkeitsstrategie wurde dann am 14. Juni 2016 unter dem Leitspruch „Heute handeln. Gemeinsam für nachhaltige Entwicklung in NRW“ verabschiedet. Bei der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie handelt es sich um eine Zukunftsstrategie des Landes, durch welche die „Enkelfähigkeit“ landespolitischer Entscheidungen gesichert werden soll. Demnach dient sie als politisches Orientierungsmuster und Leitprinzip der Landespolitik. Die Strategie basiert derzeit auf einem Ziel- und Indikatorensystem für 19 zentrale Handlungsfelder, die die gesamte Breite der Landespolitik umfassen. Zusätzlich beinhaltet die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie sieben Schwerpunktfelder, anhand derer die Entwicklungen themenbezogen strukturiert sind. Durch die ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeitsthematik übernimmt NRW im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie auch internationale Verantwortung im Sinne der SDGs. Parallel zur NRW-Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlichte das Statistische Landesamt (IT.NRW) im Jahr 2016 einen Nachhaltigkeitsindikatorenbericht, welcher den Fortschritt gegenüber dem Zielesystem der Nachhaltigkeitsstrategie zeigt und messbar macht. Die Indikatorenberichterstattung wird fortlaufend online aktualisiert.

Schwerpunktfelder

Zu den Schwerpunktfeldern der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie von 2016 zählen:

  • der Klimaschutzplan NRW (u.a. Verringerung der Treibhausgasemission bis 2020 um mindestens 25 Prozent, bis 2050 um 80 Prozent)
  • die Umweltwirtschaftsstrategie (z.B. Potenziale des Umweltschutzes für Wirtschaft und Beschäftigung in NRW nutzbar gemacht werden)
  • die Biodiversitätsstrategie (150 Maßnahmen für einen gezielten Artenschutz und den konsequenten Schutz wertvoller Lebensräume für Tiere und Pflanzen im nächsten Jahrzehnt)
  • die nachhaltige Finanzpolitik (Gleichklang von Sparen, Investieren und Einnahmensicherung)
  • die nachhaltige Stadt- und Quartiersentwicklung sowie Nahmobilität (Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Metropolregionen, städtischen Regionen sowie im ländlichen Raum)
  • der demografische Wandel sowie altengerechte Quartiere (Teilhabe und Selbstbestimmung älterer Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft, u.a. durch bessere Versorgungs- und Pflegemöglichkeiten)
  • die Landesinitiative „NRW hält zusammen ... für ein Leben ohne Armut und soziale Ausgrenzung“ (Armutsrisiken verringern und eine gerechte Einkommensverteilung fördern, z.B. über bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf)

Handlungsfelder

Die Strategie beinhaltet 19 Handlungsfelder zu allen Nachhaltigkeitsdimensionen (vom Klimaschutz/Energiewende über demografischen Wandel und nachhaltige Mobilität bis zur Eine-Welt-Politik).

Aktuell

Die Staatssekretärskonferenz des Landes NRW hat am 19. März 2018 die „Eckpunkte zur Weiterentwicklung der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie" beschlossen. Angestrebt ist eine Weiterentwicklung der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie bis Anfang 2019. In diesem Zusammenhang soll auch das Ineinandergreifen mit der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes aus dem Jahr 2017 optimiert werden. Inhaltlich wird u.a. geprüft, inwieweit die Themen Bildung und Mobilität gewichtiger in die Neuauflage der Strategie einfließen werden. Außerdem wird IT.NRW 2019 einen neuen Indikatorenbericht zur Strategie veröffentlichen.

Dokumente

Agenda 21
Agenda 2030
Nachhaltigkeitsstrategie NRW
Nachhaltigkeitsindikatorenbericht IT.NRW

Externe Links

Nachhaltigkeit in NRW
Nachhaltigkeitsindikatoren NRW
Nachhaltigkeitsstrategie NRW Broschüre
Schwerpunktfelder NRW-Nachhaltigkeitsstrategie
Handlungsfelder NRW-Nachhaltigkeitsstrategie
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW
Agenda 2030
IT.NRW
Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.
Sustainable Development Goals (SDGs)
United Nations Conference on Environment and Developmen Rio 1992

Verfasser

Dr. Marc-Oliver Pahl
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
Referat VIII-3 Nachhaltige Entwicklung, Koordination Nachhaltigkeitsstrategie NRW, Umwelttrends
Tel.-Nr.: 0211-4566-626
Fax-Nr.: 0211-4566-433
E-Mail: ,
Internet: www.nachhaltigkeit.nrw.de

Redaktion

Victoria Röttgen

Schlagworte

Nordrhein-Westfalen, Politik in Deutschland

Letzte Aktualisierung

30.05.2018 08:42

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