Parlament der Weltreligionen

Das Parlament der Weltreligionen (Parliament of the World's Religions) existiert seit 1893 und trat seitdem an verschiedenen Orten zusammen. Der erste Kongress fand auf der Kolumbianischen Weltausstellung statt. 1988 trafen sich Führer großer Religionen, um erstmals nach ca. 100 Jahren wieder ein Parlament der Weltreligionen zu planen. Das Parlament ist Mitorganisator des "Universal Forum of Cultures".

JahrTitelOrt, Land
1893World`s Congress of Religions at the World`s Columbian ExpositionChicago, USA
1988Formation of the Council for a Parliament of the World`s ReligionsChicago, USA
1993Parliament of the World`s ReligionsChicago, USA
1999Parliament of the World`s ReligionsKapstadt, Südafrika
2004Parliament of the World`s ReligionsBarcelona, Spanien
2007Universal Forum of CulturesMonterrey, Mexiko
2009Parliament of the World`s ReligionsMelbourne, Australien

Geschichtliche Übersicht zu den Parlamenten.

Das Parlament veranstaltet und unterstützt weltweit lokale Veranstaltungen um den Dialog zwischen den Religionen auch in den einzelnen Gemeinden fortzuführen. Informationen zu lokalen Veranstaltungen in diesem und den letzten Jahren finden Sie hier.


Erklärung zum Weltethos, Chicago, 1993
1993 tagte das Parlament in Chicago. Hier wurde zum ersten Mal in der Religionsgeschichte ein minimaler Basiskonsens der verschiedenen Religionen bezüglich Werten, Maßstäben und Verfahrensweisen formuliert. Die „ Erklärung zum Weltethos“ wurde am 4.9.1993 in Chicago verabschiedet und von führenden Kirchenführern unterschrieben.
Sie ist in 4 Kapitel unterteilt:

I. Keine neue Weltordnung ohne einen Weltethos

II. Grundforderung: Jeder Mensch muß menschlich behandelt werden

III. Vier unverrückbare Weisungen

Sie enthielt „Vier unverrückbare Weisungen“, die auch als Fundament einer nachhaltigen Entwicklung angesehen werden:

  1. Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben
  2. Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung
  3. Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit
  4. Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.
IV. Wandel des Bewußtseins
"Alle geschichtlichen Erfahrungen zeigen es: Unsere Erde kann nicht verändert werden, ohne daß ein Wandel des Bewußtseins beim Einzelnen und der Öffentlichkeit erreicht wird. Dies hat sich in Fragen wie Krieg und Frieden, Ökonomie oder Ökologie bereits gezeigt, wo in den letzten Jahrzehnten grundlegende Veränderungen erreicht wurden. Diese muß auch im Hinblick auf das Ethos erreicht werden! Jeder Einzelne hat nicht nur eine unverletzliche Würde und unveräußerliche Rechte; er hat auch eine unabweisbare Verantwortung für das, was er tut und nicht tut. Alle unsere Entscheidungen und Taten, auch unser Versagen und Scheitern haben Konsequenzen. Diese Verantwortung wachzuhalten, zu vertiefen und an künftige Generationen weiterzugeben ist die besondere Aufgabe der Religionen. Dabei bleiben wir realistisch in bezug auf das in diesem Konsens Erreichte und dringen darauf, das Folgende zu beachten: Ein universaler Konsens für viele umstrittene ethische Einzelfragen (von der Bio- und Sexualethik über die Medien- und Wissenschaftsethik bis zur Wirtschafts- und Staatsethik) ist schwierig. Doch im Geist der hier entwickelten gemeinsamen Grundsätze sollten sich auch für viele bisher umstrittene Fragen sachgerechte Lösungen finden lassen. (...)

Zum Schluss appellieren wir an alle Bewohner dieses Planeten: Unsere Erde kann nicht zum Besseren verändert werden, ohne daß das Bewußtsein des Einzelnen geändert wird. Wir plädieren für einen individuellen und kollektiven Bewußtseinswandel, für ein Erwecken unserer spirituellen Kräfte durch Reflexion, Meditation, Gebet und positives Denken, für eine Umkehr der Herzen. Gemeinsam können wir Berge versetzen! Ohne Risiko und Opferbereitschaft gibt es keine grundlegende Veränderung unserer Situation! Deshalb verpflichten wir uns auf ein gemeinsames Weltethos: auf ein besseres gegenseitiges Verstehen sowie auf sozialverträgliche, friedensfördernde und naturfreundliche Lebensformen.“

Es unterschrieben Vertreter folgender Religionen: Bahai, Brahma Kumaris, Buddhismus, Christentum (Anglikanisch, Orthodox, Protestantisch, Römisch-katholisch), Eingeborenen-Religionen, Hinduismus, Islam, Jainismus, Judentum, Neu-Heiden, Sikhs, Taoisten, Theosophen, Zoroastrier, Interreligiöse Organisation.

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Schlagworte

Ethik, Kirchen

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:18

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