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Parlament der Weltreligionen


1993 tagte das Parlament der Weltreligionen (Parliament of the World's Religions) in Chicago. Hier wurde zum ersten Mal in der Religionsgeschichte ein minimaler Basiskonsens der verschiedenen Religionen bezüglich Werten, Maßstäben und Verfahrensweisen formuliert. Die „Erklärung zum Weltethos d “ wurde am 4.9.1993 in Chicago verabschiedet und von führenden Kirchenführern unterschrieben.

Sie enthielt die „Vier unverrückbare Weisungen“, die auch als Fundament einer nachhaltigen Entwicklung angesehen werden:

„Vier unverrückbare Weisungen
  1. Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben
  2. Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung
  3. Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit
  4. Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.“


„IV. Wandel des Bewußtseins

Alle geschichtlichen Erfahrungen zeigen es: Unsere Erde kann nicht verändert werden, ohne daß ein Wandel des Bewußtseins beim Einzelnen und der Öffentlichkeit erreicht wird. Dies hat sich in Fragen wie Krieg und Frieden, Ökonomie oder Ökologie bereits gezeigt, wo in den letzten Jahrzehnten grundlegende Veränderungen erreicht wurden. Diese muß auch im Hinblick auf das Ethos erreicht werden! Jeder Einzelne hat nicht nur eine unverletzliche Würde und unveräußerliche Rechte; er hat auch eine unabweisbare Verantwortung für das, was er tut und nicht tut. Alle unsere Entscheidungen und Taten, auch unser Versagen und Scheitern haben Konsequenzen. Diese Verantwortung wachzuhalten, zu vertiefen und an künftige Generationen weiterzugeben ist die besondere Aufgabe der Religionen. Dabei bleiben wir realistisch in bezug auf das in diesem Konsens Erreichte und dringen darauf, das Folgende zu beachten: Ein universaler Konsens für viele umstrittene ethische Einzelfragen (von der Bio- und Sexualethik über die Medien- und Wissenschaftsethik bis zur Wirtschafts- und Staatsethik) ist schwierig. Doch im Geist der hier entwickelten gemeinsamen Grundsätze sollten sich auch für viele bisher umstrittene Fragen sachgerechte Lösungen finden lassen. (...)

Zum Schluss appellieren wir an alle Bewohner dieses Planeten: Unsere Erde kann nicht zum Besseren verändert werden, ohne daß das Bewußtsein des Einzelnen geändert wird. Wir plädieren für einen individuellen und kollektiven Bewußtseinswandel, für ein Erwecken unserer spirituellen Kräfte durch Reflexion, Meditation, Gebet und positives Denken, für eine Umkehr der Herzen. Gemeinsam können wir Berge versetzen! Ohne Risiko und Opferbereitschaft gibt es keine grundlegende Veränderung unserer Situation! Deshalb verpflichten wir uns auf ein gemeinsames Weltethos: auf ein besseres gegenseitiges Verstehen sowie auf sozialverträgliche, friedensfördernde und naturfreundliche Lebensformen.“

Es unterschrieben Vertreter folgender Religionen
  • Bahai
  • Brahma Kumaris
  • Buddhismus
  • Christentum (Anglikanisch, Orthodox, Protestantisch, Römisch-katholisch)
  • Eingeborenen-Religionen
  • Hinduismus
  • Islam
  • Jainismus
  • Judentum
  • Neu-Heiden
  • Sikhs
  • Taoisten
  • Theosophen
  • Zoroastrier
  • Interreligiöse Organisation


Basierend auf den Gedanken der "Erklärung zum Weltethos" wurde am 23. Oktober 1995 die Stiftung Weltethos d nach ihrer Gründung durch Graf K. K. von der Groeben und nach der Genehmigung durch das Regierungspräsidium Tübingen als "Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung" offiziell ins Leben gerufen. Die Aufgaben der Stiftung lassen sich gemäß der Satzung vom 18. September 1995 folgenden drei Bereichen zuordnen:
  • Durchführung und Förderung interkultureller und interreligiöser Forschung;
  • Anregung und Durchführung interkultureller und interreligiöser Bildungsarbeit;
  • Ermöglichung und Unterstützung der zur Forschungs- und Bildungsarbeit notwendigen interkulturellen und interreligiösen Begegnung.

[ Zuletzt geändert: 30.04.2008 16:51:42 ]