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Sonstiges

Rendite und Risiko


Wie steht es mit den Renditen nachhaltige Anlagen? Können sie mit denen herkömmlicher Anlagen mithalten? Haben sie ein höheres oder ein geringeres Risiko? Dies sind Kernfragen von Anlegern, von denen viele immer noch denken, ein eingeschränkter Anlagehorizont koste eher Rendite. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Erträge sind mit denen herkömmlicher Anlagen vergleichbar. „Nach 30jähriger Forschung wissen wir, dass nachhaltige Anlagen marktfähige Renditen erbringen und in Einzelfällen outperformen“, sagt Prof. Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Dies belegen mehrere Meta-Studien, die sämtliche vorhandene wissenschaftliche Forschungen auswerteten.

Diese Erkenntnisse bedeuten aber nicht, dass nachhaltige Geldanlagen keine Risiken bergen. Nachhaltige Investments sind keine homogene Anlageklasse, sondern eine Anlagephilosophie. Eine, die nicht für Beimischungen gedacht ist, sondern für die Ausrichtung kompletter Portfolien über sämtliche Anlageklassen hinweg. Im Zuge der starken Erweiterung der Produktpalette in den letzten Jahren ist dies laut Experten auch möglich.

Differenzierte Antworten für unterschiedliche Anlageklassen nötig

Die Fragen nach der Rendite sind folglich nicht pauschal zu beantworten, sondern hierfür sind Anlagekonzepte zu differenzieren und auch Phasen unterschiedlicher ökonomischer Rahmenbedingungen. Daraus können sich sehr unterschiedliche Antworten ergeben. Denn die durchschnittlichen Renditen, die Schwankungsbreite der Wertentwicklungen und die Risikosituationen sind je nach Anlageklassen sehr unterschiedlich. Zudem lassen sich weltweit ausgerichtete Fonds nicht mit regionalen vergleichen, Technik- oder Branchenfonds nicht mit branchenübergreifenden Konzepten. In jedem Bereich gibt es out- und underperformende Anlageprodukte. Was für den gesamten Kapitalmarkt gilt, gilt ebenso für das nachhaltige Segment.

So ist etwa bei der Durchschnittsrendite nachhaltiger Aktienfonds „zu berücksichtigen, dass sich die Aktienfonds sehr stark unterscheiden: Zu diesen Fonds gehören sowohl breit aufgestellte internationale Fonds als auch spezialisierte Fonds mit regionalem Fokus sowie Technologie- und Themenfonds“, warnt Paschen von Flotow, Direktor des Sustainable Business Institut in Oestrich-Winkel. Selbst Fonds, deren Namen das nicht erkennen lassen, sind teilweise stark techniklastig. Techniktitel aber leiden bei Börsenschwächen vielfach stark, was auf Fonds zurückschlägt.
Eine solide Kategorisierung von Aktienfonds unter diesen Gesichtspunkten und entsprechend getrennte Renditeberechnungen stehen noch aus – eine Aufgabe für die Wissenschaft.

Kurseinbrüche an den Börsen wie etwa die von 2008 oder 2011 bekamen aber auch breite Nachhaltigkeitsindizes und branchenübergreifende Nachhaltigkeitsfonds zu spüren. Will heißen: Auf kurzfristige Sicht können Anleger auch mit Nachhaltigkeitskonzepten daneben liegen. Nachhaltigkeit bietet nicht unbedingt absoluten Schutz gegen Wertverluste. Nachhaltige Anleger seien Turbulenzen auf den Kapitalmärkten nicht mehr und nicht weniger ausgesetzt als konventionelle Anleger, sagen Experten, aber man mache im Sturm vielleicht weniger Fehler durch hastiges Umschichten. Wichtig sei für nachhaltige Anleger, das Portfolio über alle Vermögensklassen so breit aufzustellen, dass man in Krisen nicht kurzfristig umschichten muss. Zusammen mit nachhaltigen Anlagekriterien mache das Portfolios resistenter gegen Schocks, berichten Vermögensverwalter und Großanleger.

Entscheidend sind ein diversifiziertes Portfolio und eine langfristige Sicht

Vor allem aber ist Nachhaltigkeit ein langfristiges Thema und für kurzfristige Anlagen oder gar Spekulationen völlig ungeeignet. Bei der Renditebetrachtung ist darum ein mittel- bis langfristiger Horizont unerlässlich. Denn nachhaltiges Wirtschaften stärkt selten kurzfristig den Firmenerfolg, sondern langfristig, da die Maßnahmen teils erst nach Jahren sichtbare Effekte erzielten. Darum ist wichtig, die Performance nachhaltiger Investments über längere Zeiträume zu betrachten. Das bestätigen breit investierende nachhaltige Anleger wie die Münchener Rück Stiftung. Sie handhabt eine grundsätzlich vorsichtige nachhaltige Asset Allokation mit einem Aktienanteil von um die 14 Prozent und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Darum waren wir in Bullenmärkten nie die Top-Performer, aber in schwierigen Jahren schneiden wir ausgezeichnet ab. Der langfristige Durchschnitt zählt“, betont Dirk Reinhard, stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung.

Wissenschaftliche Studien und Studien von Vermögensverwaltern haben 2011 erneut belegt, dass sich eine nachhaltige Ausrichtung auf mittlere bis längere Sicht lohnt, für Aktien wie für Anleihen.

Eine am 8. Dezember veröffentlichte Performance-Studie des Center for Corporate Responsibility and Sustainability (CCRS) an der Universität Zürich und der Zürcher Kantonalbank zeigt, dass Aktienportfolios mit nachhaltigen Unternehmen über ein gleich hohes Renditepotenzial wie traditionelle Anlagen verfügen. Aktienportfolios mit einer Selektion nach sehr strengen Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren hätten im Zeitraum 1998 bis 2009 keine systematische Performance-Einbuße gehabt, ergab das vom Schweizer Bund geförderte Forschungsprojekt. Bei klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen, die nach Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden, habe phasenweise sogar ein statistisch klar positiver Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und eine positiven Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt bestanden.

Besonders stark auf Nachhaltigkeit setzende Unternehmen können nach drei Jahren eine finanzielle Prämie erzielen, die im Laufe der Folgejahre ansteigt. Zu diesem Ergebnis kam im November 2011 eine Studie der renommierten Universitäten Harvard Business School und der London School of Business, die 18 Jahre erforschte. Investoren, die bei ihrer Aktienauswahl Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte berücksichtigen, können einen spürbaren Mehrwert erzielen, heißt es in der Studie namens „The Impact of a Corporate Culture of Sustainability on Corporate Behaviour and Performance“.

Die Wissenschaftler analysierten sowohl die betriebswirtschaftlichen Leistungen als auch die Börsenkursentwicklung über 18 Jahre. Anleger, die Anfang 1993 einen Dollar in ein Portfolio nachhaltig orientierter Unternehmen gesteckt hätten, hätten nach 18 Jahren zu Marktpreisen 22,6 Dollar heraus bekommen, in einem nicht-nachhaltigen Portfolio hingegen nur 15,4 Dollar – eine Differenz von gut sieben Prozentpunkten. Eine nachhaltige Unternehmenskultur, so die Wissenschaftler, schaffe einen Typus Unternehmen, das finanziell als auch gesellschaftlich bessere Leistungen erbringe.

Die Wissenschaftler sondierten 90 stark an Nachhaltigkeit orientierten US-Unternehmen: Sie hatten Ende der 2000er fast die Hälfte maßgeblicher ESG-Firmenpolitiken implementiert, messbar an Umwelt-, Sozial und gesellschaftlichen Kriterien. Diesen stellten sie 90 vergleichbaren US-Firmen derselben Branchen gegenüber, die erst zehn Prozent entsprechender Politiken angenommen hatten. Die Outperformance der Nachhaltigkeitsgruppe an der Börse resultiere auch aus der Entwicklung von Eigenkapitalrendite und Gesamtkapitalrentabilität.

Diese Unternehmen tendierten stärker dazu, sich langfristig zuorientieren, Vorstandsvergütungen auch von ESG-Kriterien abhängig zu machen sowie stärker mit Kunden und Anspruchsgruppen zu kommunizieren. Insbesondere hätten sie mehr langfristig-orientierte Investoren und legten Analysten mehr langfristige Informationen offen. „Wir belegen, dass dieser Typ unternehmerischen Verhaltens in einer signifikanten Änderung der unternehmerischen Leistungen resultiert“, so einer der Autoren.
Eine Einschränkung ist allerdings zu machen: Verglichen wurden nur US-Unternehmen. In anderen Ländern mit völlig anderen Rahmenbedingungen könnte eine solche Studie zu anderen Ergebnissen kommen. Das räumen auch die Autoren ein.

Allerdings sind niederländische Forscher zu Ergebnisse gekommen, die in dieselbe Richtung weisen. Aktive Umweltpraktiken bewirken demnach niedrigere Fremdfinanzierungskosten, Firmen mit schlechten Umweltleistungen haben höhere Kosten und niedrigere Kreditratings. Für diese Forschungsergebnisse auf Basis zehnjähriger Daten von 582 Aktiengesellschaften erhielten Rob Bauer, Professor an der Maastricht University School of Business and Economics, sowie der Student Daniel Hann Ende 2010 den begehrten Moskowitz-Preis. Für Anleihe-Investoren wachse die Relevanz dieser Zusammenhänge, zeigt ihre Forschung.

Einige Vermögensverwalter prüfen längerfristige Performance

Einige andere Studien von 2011 sind zwar von Investmenthäusern und nicht von unabhängigen Wissenschaftlern, doch gleichwohl aufschlussreich.

Aktien von Unternehmen, die stark auf hohe ökologische, soziale und ethische Standards setzen, seien mittelfristig deutlich im Vorteil gegenüber denen von Firmen, die darauf weniger Wert legten, heißt es im Jahresbericht zu verantwortlichem Investieren der britischen First State Investment. Sie bezieht sich auf Studien zu weltweit anlegenden Portfolios, wonach Aktien mit dem höchsten Nachhaltigkeitswert über drei Jahre mehr als 20 Prozent besser abschnitten als niedrig bewertete Aktien.

Eine Studie der britischen RCM belegt: Investoren hätten über fast fünf Jahre ihre Renditen um jährlich 1,6 Prozent erhöhen können, hätten sie in Firmen mit überdurchschnittlichen Umwelt-, Sozial- und Governance-Ratings investiert. Selbst in extremen Marktsituationen hätten ESG-Vorgaben die Performance nicht beeinträchtigt. Die Outperformance gelte über Branchen und Regionen hinweg. Investmentfonds, die eine Analyse zu Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten integrieren, schneiden über ein und drei Jahre besser ab als traditionelle Fonds. Dies ergab eine Ende 2010 auch Studie der Researchagentur Trucost und des Vermögensverwalters RLP Capital. Sie verglich Performance, Risikoeigenschaften und CO2-Fußabdruck der acht größten traditionellen mit denen der acht größten verantwortlichen Fonds in verschiedenen Assetklassen.

Auch Anleihen von Staaten, die mit Ressourcen besonders sorgsam umgehen, weisen seit Ende 2005 eine jährliche Überrendite von 2,4 Prozent auf, gemessen am WGBI (World Government Bond Index), ergab eine Studie der Schweizer Bank Sarasin. Das gelte für Industrie- und stärker noch für Schwellenländer. Traditionelle Kreditratings, die Ressourceneffizienz und soziale Aspekte vernachlässigten, gäben keine Indikation für die Zukunft, warnen die Analysten.

Aspekte für den Einzelfall

Im Einzelfall kommt es auf die Kriterien an, die je nach Anlagekonzept und Ausgestaltung verschieden wirken können. Meist wird bei nachhaltigen Anlagen nur an Aktien gedacht, warnen Fachleute. Es gelte, sämtliche Anlageklassen im Blick zu haben, insbesondere auch festverzinsliche Papiere.

In der Erkenntnis von 2011, dass lange als stabile Anlagen geltende Papiere wie Staatsanleihen keine absolut sicheren Häfen sind, gilt es, sich andere Vermögensklassen zu öffnen, wie Immobilien, Green Bonds der Weltbank oder Wald – sie sind zwar weniger liquide, ermöglichen aber eine breitere Aufstellung des Portfolios.

Viele nachhaltige Fonds sind stark auf Umwelttechnik fokussiert. Selbst Fonds, deren Namen das nicht erkennen lassen, sind teilweise stark techniklastig. Techniktitel aber leiden bei Börsenschwächen vielfach stark, was auf die Fonds zurückschlägt. Experten raten darum, Themen- und Umwelttechnikfonds einem nachhaltigen Portfolios gemäß der eigenen Risikobereitschaft nur beizumischen. Zu beachten ist überdies, dass viele Umwelttechnikfonds keine Nachhaltigkeitskriterien haben. Darum unterscheidet das Forum Nachhaltige Geldanlagen zwischen Umweltfonds und Nachhaltigkeitsthemenfonds.

Oft legen nachhaltige Anleger den Anlageschwerpunkt auf kleinen und mittleren Firmen (KMU), die ebenfalls unter Börsenkrisen besonders leiden. Bei einer breiten Portfolioaufstellung und ordentlichen Fundamentaldaten müsse das nicht tragisch sein, sagen Fachleute. Denn KMU hätten einen starken realwirtschaftlichen Bezug und ihre langfristige Performance sei nicht schlechter als die großer Unternehmen.

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Letzte Aktualisierung

22.12.2011 14:31