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Aktives Aktionärstum: Engagement international stark verbreitet
a. Begriffserklärung
b. Engagement international stark verbreitet
c. Erste Engagement-Ansätze in Deutschland
b. Engagement international stark verbreitet
In den angelsächsischen Ländern, Skandinavien, den Niederlanden, Belgien oder Frankreich ist Engagement sehr stark verbreitet. Insbesondere Pensionsfonds oder Universitätsstiftungen sind die Vorreiter. Sie machen ihre Engagement-Aktivitäten teilweise auch öffentlich. Manche verkaufen ihre Aktienanteile, falls mehrjähriger Dialog aus ihrer Sicht nicht fruchtete.In den USA liegt der Schwerpunkt auf einer besseren Unternehmensführung (Corporate Governance) und sozialen Fragen. Experten erklären dies damit, dass die Sozialsysteme anders als in Europa nicht sehr ausgeprägt sind. Besonders öffentlichkeitswirksam tritt der kalifornische Pensionsfonds Calpers auf. So warnte er mit anderen Großanlegern die Autobauer General Motors (GM) und Ford 2005, Kapitalanteile zu entziehen, falls sie nicht Treibhausgasemissionen und Klimastrategien offen legten. Ford gab die Informationen prompt.
Pionier in Europa ist der Staatliche Norwegische Pensionsfonds
Konzentration auf wichtige Themen
Für das Engagement konzentriert sich der Norwegische Pensionsfonds neben vier klassischen Themen wie Aktionärseinfluss und Informationsrecht auf drei öko-soziale Themen: Klimaschutz, Rechte von Kindern und Wasser. Einerseits nutzt er aktiv seine Stimmrechte bei Hauptversammlungen (HV). Andererseits geht das CSR-Team seit 2007 direkt auf einzelne Unternehmen zu, es spricht diejenigen an, die „mit leeren Händen dastehen“, also keine entsprechenden Firmenpolitiken und –aktivitäten haben. Für jedes direkte Gespräch mit Unternehmen bereiten sich die Mitarbeiter sehr gut vor, wissen viel über die Branche, das Unternehmen und die jeweiligen „heißen“ Themen. Sie erklären den Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen, vor allem in den USA, ihr Interesse als langfristiger Investor. Der Fonds fordert die Firmenlenker beispielsweise von Energie- und Transportkonzernen auf, Klimaschutz beim Management und ihrer Lobby-Arbeit zu aktuellen Umweltgesetzesvorhaben im US-Kongress zu berücksichtigen. Ein wichtiger Aspekt, denn diese wehren sich häufig gegen staatliche Regeln. Dem Klimawandel aber müsse durch ein globales System und einen globalen Preis für Emissionen begegnet werden, heißt es in Oslo. Der Pensionsfonds macht Firmen klar, dass ihr Lobbing gegen die Interessen der Investoren verstößt, wenn es eine globale Kontrolle von Treibhausgasemissionen blockiert.
Die Norweger stoßen angesichts ihres Einflusses auf offene Ohren und können, wie es heißt, jeden Konzernchef sprechen, den sie wollen. Sie bringen eigene Fachleute mit und manch Vorstandsvorsitzender kommt von sich aus zu einem weiteren Gespräch nach Oslo. Das sei der Beginn einer meist mehrjährigen Überzeugungs-, Informations- und Managementarbeit. Es seien nicht unbedingt sehr schnelle Ergebnisse zu erwarten, weil teils grundlegende Änderungen bei Strategie und Management nötig seien. Teils aber ernten die Norweger rasche Erfolge: Eine Bergbaugesellschaft unterzeichnete 2007 laut NBIM aufgrund des Dialogs die UN-Initiative Global Compact. Und der Vorstandschef eines großen US-Energieproduzenten hat das NBIM-Team aus eigenem Antrieb in Oslo besucht, um die Klimaschutzgesetzgebung seines Landes zu diskutieren. Namen der Unternehmen darf das NBIM nicht nennen. Das A und O direkter Dialoge ist Vertraulichkeit.
Auf die Frage, ob Großinvestoren die wichtigsten Treiber sind, um Unternehmen und Wirtschaft nachhaltiger zu machen, antworten Mitarbeiter des NBIM spontan mit „Nein.“ Gesetzliche Rahmenbedingungen seien die Triebkraft. Durch die ethischen Leitlinien hätte der Pensionsfonds allerdings die Verantwortung, die Wirtschaft in die richtige Richtung zu bewegen. Und Investoren könnten mit ihrem Geld hierzu etwas beisteuern.
Schweizer Pensionskassen längst aktiv
Darum befassen sich seit wenigen Jahren auch einzelne Stiftungen, einige kirchliche Organisationen und Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum mit Engagement. Am weitesten ist hier die Schweiz. Schon 1997 haben zwei Genfer Pensionskassen die Stiftung Ethos
Weltweite Engagement-Initiativen
Immer häufiger bündeln Großaktionäre ihre Kräfte, um auf speziellen Themengebieten von Unternehmen Informationsklarheit zu erlangen und Risiken zu minimieren. Beispiele dafür sind:
- das „Carbon Disclosure Project“ (CDP) mit 551 Institutionellen, die sagenhafte 71 Billionen Dollar verwalteten (Dez. 2011) und jährlich von den 2400 weltgrößten Konzernen fordern, dass sie ihre Klimarisiken offen legen und Emissionen senken. Die Institutionellen wollen ihre Anlagerisiken und Chancen besser erkennen und prangern Konzerne an, die nicht antworten oder untätig sind. Top-Firmen kommen in den „Climate Leadership Index“.
- Im CDP Water Disclosure Program haben sich 137 institutionelle CDP-Teilnehmer mit einem addierten verwalteten Vermögen von 16 Billionen Dollar vereint und befragen seit 2010 die weltgrößten wassersensiblen Unternehmen zu ihren Risiken und wie sie sie managen.
- In der 2008 gegründeten Initiative Forest Footprint Disclosure (FFD) haben sich bisher 64 Investoren zusammengeschlossen, die insgesamt mehr als sechs Billionen Dollar (August 2011) verwalten. Sie stellen Unternehmen vieler Branchen zur Rede, um zu identifizieren, inwieweit sie und ihre Zulieferer zur Entwaldung beitragen und was das für ihre Investments bedeutet. Im Juni 2011 forderten sie die 360 größten Unternehmen der Welt auf, offen zu legen, wie sie das Problem managen.
- Die „UN Principles for Responsible Investment“, die „Prinzipien für Verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen“, (UN PRI) sind eine Investoreninitiative in Partnerschaft mit der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms (UNEP FI) und dem UN Global Compact. Inzwischen haben sich mehr als 900 Großinvestoren, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister aus allen Kontinenten mit einem Gesamtkapital von mehr als 30 Billionen US-Dollar (Mitte September 2011) dazu verpflichtet, ESG-Aspekte in ihre Analysen und Portfoliomanagement integrieren und von Unternehmen in direktem Dialog (Engagement) den Schutz der Umwelt, die Einhaltung sozialer Standards und gute Unternehmensführung verlangen.
- Unter dem Dach der UN PRI hat sich die Sudan Engagement Group (SEG)
gebildet, eine Gruppe von 22 Großinvestoren mit geschätzt 2,1 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen. Sie führt seit 2008 aktive Dialoge mit im Sudan tätigen Unternehmen, um sie zu verantwortlicherem Verhalten zu bewegen.







