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UNPRI: Prinzipien für verantwortliches Investieren


Die „UN Principles for Responsible Investment“, die „Prinzipien für Verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen“, (UN PRI) sind eine Investoreninitiative in Partnerschaft mit der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms UNEP und dem UN Global Compact. Sie entstand 2005/2006 in Kooperation mit 22 institutionellen Investoren. Inzwischen haben sich mehr als 900 Großinvestoren, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister aus allen Kontinenten mit einem Gesamtkapital von mehr als 30 Billionen US-Dollar (Mitte September 2011) zu den sechs Prinzipien verpflichtet. Sie müssen vor allem ESG-Aspekte in ihre Analysen und Portfoliomanagement integrieren und von Unternehmen in direktem Dialog (Engagement) den Schutz der Umwelt, die Einhaltung sozialer Standards und gute Unternehmensführung verlangen.

Unter dem Dach der UN PRI bilden sich darüber hinaus thematisch orientierte Investoreninitiativen, beispielsweise die Sudan Engagement Group (SEG), die Investoren-Prinzipien zur Einbeziehung von Kunden oder die Sustainable Stock Exchanges.

Sechs Prinzipien als Pflichtprogramm

Insbesondere die ersten drei Prinzipien beeinflussen die Art, Geschäfte zu machen - das ist eine große Herausforderung, sagen institutionelle Investoren. Die Mitglieder hängen sich kein grünes Mäntelchen um, sondern müssen aktiv und nachweislich ESG-Aspekte bei Anlageentscheidungen beachten. Nicht irgendwie, sondern systematisch. Auch müssen sie von Unternehmen verantwortliches Handeln und von Banken und Brokern eine ganzheitliche Finanzanalyse verlangen.

Diese Dekade werde für die Finanzmärkte zum Zeitalter der Verantwortung, so die UN PRI in London. Sie will glaubwürdig sein und verhindern, was anderen Initiativen oft passiert: für Greenwashing missbraucht zu werden. Darum gilt: Wer nicht transparent ist, fliegt raus. Seit 2009 wurden zahlreiche Unterzeichner ausgeschlossen, die nicht berichteten, was sie taten, um die Leitlinien in der Praxis zu leben. Der 2011 angetretene Chairman Wolfgang Engshuber warnte in New York erneut, Unterzeichner, die die PRI nur als Marketing betrachteten, würden ausgeschlossen. Dies passierte prompt erneut im Spätsommer 2011. Zählte die Webseite Ende August noch fast 950 Unterzeichner waren es Mitte September nur noch 905 Mitglieder. Gleichwohl stieg das Volumen seit April 2011 von 25 auf 30 Billionen Dollar, weil sich zwischenzeitlich viele kapitalkräftige Großinvestoren angeschlossen haben.

Der aktuelle Jahresbericht informiert über alle Aktivitäten und gibt einen Rückblick auf fünf Jahre PRI. Seit Anfang 2011 ist von den Mitgliedern nicht nur der jährliche Fragebogen zu beantworten, sondern ein Teil der nicht-wettbewerbsrelevanten Informationen wird automatisch auf der PRI-Webseite veröffentlicht. Vergangenes Jahr hat die Organisation begonnen, die Umsetzung zu überprüfen, jedes Mitglied soll im dreijährigen Turnus an die Reihe kommen. Fast die Hälfte der Unterzeichner hat den Angaben zufolge inzwischen Managementsysteme etabliert, um ESG bei der Kapitalanlage zu berücksichtigen. Der Anteil derer mit Kontrollmechanismen dafür habe sich mehr als verdoppelt. Die Mehrheit aller Kapitaleigner hat ESG-Kriterien in Verträge mit Vermögensverwaltern aufgenommen.

Die PRI hat in den letzten Monaten viele Mitarbeiter angeheuert, denn ein ständig wachsendes Team soll die Mitglieder bei der konkreten Umsetzung der Leitlinien in sämtliche Portfolios und Vermögensklassen unterstützen. Außerdem will sie alle großen Märkte abdecken, viel mehr Mitglieder in Asien, Südamerika und auch in Deutschland gewinnen. Dort gibt es nur 19 Unterzeichner. Für den Exportweltmeister ist das mager: Allein Frankreich, die Niederlande und die Schweiz stellen 72, 55 und 48 Unterzeichner, aus Großbritannien kommen123 Mitglieder. In Südafrika bekennen sich 33 zu ihrer Verantwortung, in Brasilien 46 (Anfang September 2011).

Warum ist Deutschland so weit abgeschlagen? „Ein Mysterium“, antworten ausländische Institutionelle daraufhin befragt. Diesem Mysterium kam eine exklusive Umfrage des „Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments“ im August 2011 unter den 20 größten deutschen Vermögensverwaltern etwas auf die Spur. Nur drei sind PRI-Mitglieder: Deutsche AM, Union Investment und WestLB Mellon AM. Sieben der Top-Institute erwägen, die Prinzipien für verantwortliches Investieren zu unterzeichnen. Bayern Invest und Dekabank prüfen das ebenso wie Allianz Global Investors (AGI). Bei sieben weiteren sind bereits in- oder ausländische Muttergesellschaften beigetreten. So sind die Meag über die Munich Re und die LBBW Asset Management über die Landesbank zu den sechs Prinzipien verpflichtet. Generali trat im Mai 2011 bei, die Mütter von Axa IM, Blackrock Deutschland, HSBC Trinkaus und Pioneer schon vor Jahren.

Folglich ist verantwortliches Investieren in Deutschland viel stärker anzuwenden, als die Unterzeichnerliste der PRI vermuten lässt, auch bei nicht explizit nachhaltig ausgerichteten Fonds und Mandaten – das gilt zumindest für die 20 größten Asset Manager. Es erklärt noch nicht, warum die vielen anderen deutschen Vermögensverwalter sowie die Kapitaleigner in Deutschland so zögerlich sind. Vielen ist die Initiative noch gar nicht bekannt, wie sie auf Anfrage einräumen. Um verantwortliche Geldanlagen voran zu treiben und mehr deutsche Vermögensverwalter zu erreichen, entstand im Mai 2011 auf Initiative der KfW Bank ein deutsches PRI-Netzwerk. Es soll Mitgliedern und potenziellen Unterzeichnern den Austausch von Informationen und praktischen Erfahrungen erleichtern und Möglichkeiten transparent machen, wie die UN PRI mit Leben zu füllen sind und Vorteile für Kapitaleigner und Vermögensverwalter bringen können.

Bei Vermögensverwaltern, deren Muttergesellschaften schon vor längerem unterzeichneten, sollten inzwischen ESG-Prozesse fest und konzernweit in der kompletten Analyse und dem Portfoliomanagement etabliert sein. Merkwürdig ist allerdings, dass einige nicht beantworteten, ob ESG-Analysen fest und konzernweit für sämtliche Vermögensanlagen etabliert sind. So ist unklar, ob die PRI uneingeschränkt für deutsche Töchtergesellschaften gelten und ob alle Portfolio Manager verpflichtet sind, die vom Research ermittelten ESG-Scores systematisch bei sämtlichen Anlageentscheidungen in allen Portfolien und Produkten zu berücksichtigen - also auch in Fonds, die keine Nachhaltigkeitsfonds sind. Auf den jeweiligen Webseiten findet man dazu nichts. Die Frage, ob die Anleger nicht explizit nachhaltiger Produkte darüber informiert werden, dass ESG-Kriterien einfließen, blieb ebenfalls unbeantwortet.

Das sind keine Einzelfälle. Zudem steigt die Vielfalt an unterzeichnenden Organisationen und immer mehr Asset Klassen werden einbezogen. Darum sollen ab 2013 strengere Rahmenbedingungen für ein besseres Reporting und eine bessere Kontrolle und Analyse der Leistungen sorgen - die PRI pocht auf Glaubwürdigkeit. Mitte Juni hat sie einen Entwurf lanciert, der bis Ende Oktober 2011 zur Diskussion steht. Nächstes Jahr wird das Rahmenwerk getestet, die Teilnahme ist freiwillig. Dieses Jahr haben mehr als 500 Investoren aus 33 Ländern den jährlichen Fragebogen ausgefüllt, 44 Prozent waren einverstanden, die Antworten online zu veröffentlichen. Letzteres wird 2013 zur Pflicht.

Dynamisches Wachstum der UN PRI-Initiative


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„UN Principles for Responsible Investment“
Sechs Prinzipien als Pflichtprogramm
„Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments“
Sechs Prinzipien als Pflichtprogramm

 

 

Schlagworte

Börse, Nachhaltige Anlagekonzepte, UN PRI, Verantwortung

Letzte Aktualisierung

16.01.2012 13:02