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Nachhaltigkeitsberichterstattung & Finanzmarkt


Finanzprofis beurteilen ökologisch und sozial verantwortliches Wirtschaften als derart wichtig für Firmenerfolg und Unternehmensbewertung, dass manche eine Berichtspflicht verlangen. „Es ist eine gesetzliche Verpflichtung zu Nachhaltigkeitsberichten erforderlich“, sagte Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Managment (DVFA), dem Handelsblatt 2009. Denn: „Derzeit entsprechen CSR- und Nachhaltigkeitsberichte weder der Form noch dem Inhalt nach den Bedürfnissen von Investoren und Kreditgebern.“

Die Forderung konventioneller Finanzexperten zeigt den Bedeutungszuwachs der Corporate Social Responsibility (CSR) oder unternehmerischen Verantwortung im Kerngeschäft. Auch Eurosif, das europäische Netzwerk von Großanlegern, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen, plädiert für eine Verpflichtung der Konzerne zur systematischen Offenlegung von Nachhaltigkeitsleistungen. „Ohne umfassende Informationen kann kein institutioneller Anleger die volle Verantwortung für seine Investitionen übernehmen“, erklären Vermögensverwalter. Eine Gruppe institutioneller Investoren, Unterzeichner der UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (UN PRI), verlangte ebenfalls 2009 eine fundierte Berichterstattung zur unternehmerischen Verantwortung.

Immerhin veröffentlichen inzwischen fast alle Dax-30-Konzerne Nachhaltigkeits- oder CSR-Berichte. Qualität und Umfang der Berichte variieren jedoch extrem. Manche sind nach Ansicht von Experten pure PR. Einige legen den Fokus auf gute Taten statt auf ihr Kerngeschäft. In aufwändigen Magazinen berichten sich nur über Projekte und nicht über ihre Leistungsbilanzen. Andere dagegen informieren klar und anhand messbarer Kriterien über Strategien, Management, Produkte, Wertschöpfungskette, Ziele und Leistungen. Nur wenige tun das auch selbstkritisch und trauen sich, heikle Aspekte anzusprechen. Vielfach aber lässt die Glaubwürdigkeit nicht nur mangels Daten, sondern auch mangels Kontrolle zu wünschen übrig. Nur sieben von 27 Berichten waren 2009 von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften testiert.

Auch die Lageberichte der meisten Unternehmen geben laut Finanzexperten und Analysten kaum aussagekräftige Informationen zu öko-sozialen Risiken oder Chancen, die mit ihrer Geschäftstätigkeit verbunden sind. Die Mini-Berichtspflicht von 2005 seien unwirksam, kritisieren Beobachter. Ungeprüft sei, ob Unternehmen sich daran hielten, sagen selbst Wirtschaftsprüfer. Die Firmenberichterstattung werde wohl um Schlüsselkriterien für Nachhaltigkeit ergänzt werden müssen.

Eine Berichtspflicht sei aber nur sinnvoll, wenn sie Erfordernisse von Kapitalgebern, Finanzanalysten und Ratingagenturen beachte, betont die DVFA. Transparenz heiße nicht, viele Daten, sondern die entscheidenden und quantifizierbare offen zu legen. Das erfordere eine Standardisierung. Die Standards der Global Reporting Initiative (GRI) sei ein erster Schritt, sagen Vermögensverwalter, doch die Datenmenge sei noch zu groß.

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Schlagworte

Corporate Social Responsibility (CSR), Finanzen, Finanzmärkte, Nachhaltigkeitsberichtserstattung, Wirtschaft

Letzte Aktualisierung

22.08.2011 12:09