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Drei Säulen Modell


Grundlage des Konzepts der Corporate Social Responsibility (CSR) ist das insbesondere von Wirtschaft und Finanzwelt verfochtene „Drei-Säulen-Modell“(model of three columns). Danach sind Wirtschaft, Ökologie und Soziales gleichrangig und gleichgewichtig, und zwar sowohl auf gesamtwirtschaftlicher und politischer Ebene als auch auf globaler und unternehmerischer Ebene. Während der ersten UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wurde insbesondere die Agenda 21 beschlossen, ein Aktionsprogramm für eine weltweite nachhaltige Entwicklung. Dadurch wurde das Konzept der Nachhaltigkeit formal zum Leitprinzip der Politik, fußend auf der Erkenntnis, dass globaler Umweltschutz nur möglich ist, wenn die Politik zugleich ökonomische und soziale Aspekte beachtet.

Die EU formulierte 1997 mit ihrem Vertrag von Amsterdam explizit drei Säulen der Nachhaltigkeit. Danach umfasst Nachhaltigkeit nicht nur das Naturerbe, sondern auch wirtschaftliche Errungenschaften und soziale und gesellschaftliche Leistungen, beispielsweise die demokratische Strukturen und eine gerechte Einkommensverteilung.

Drei Säulen Modell
Quelle: Spindler, Geschichte der Nachhaltigkeit

Das Drei-Säulen-Modell ist – nicht nur aus unternehmerischer Sicht - ein theoretisches Modell, das motivieren soll, einen Ausgleich zwischen den Interessen zu schaffen und das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Brundtland-Definition zu erreichen. Manche Fachleute setzten das Drei-Säulen-Modell mit dem Triple Bottom Line-Ansatz gleich, der jedoch weniger in der Politik, sondern vorrangig in Unternehmen und Finanzwelt verwendet wird.

In der Praxis ist schwer zu definieren, was „gleichrangig“ und „gleichgewichtig“ bedeutet. Gewichtungen erweisen sich als schwierig aufgrund unterschiedlicher Motive und Bedürfnisse der unterschiedlichen Akteure und Interessengruppen sowie äußerst verschiedener kultureller, sozialer, gesetzlicher, politischer und religiöser Rahmenbedingungen in den unterschiedlichen Ländern und Regionen der Welt. Zudem ändern sich diese durch gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben Einfluss auf Bewertungen. Die Gewichtung wird dadurch erschwert, dass es an allgemeingültigen Indikatoren mangelt.

Infolgedessen stehen Unternehmen – aber auch Regierungen, Finanzakteure und Nichtregierungsorganisationen - bei strategischen Entscheidungen sowie im Tagesgeschäft häufig vor Zielkonflikten. Maßgabe nachhaltige orientierter Akteure ist es, Lösungen zu finden, die trotzdem einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen gewährleisten.

Gewichtetes Säulenmodell
In aktuellen Diskussionen wird die Gleichsetzung der drei Säulen kritisiert, wie sie durch das Drei-Säulen-Modell dargestellt wird. Die Rolle der Ökologie wird demnach in dem Modell als zu gering gewichtet. Um ein Drei-Säulen-Modell für "starke Nachhaltigkeit" zu erstellen, müsste eine Gewichtung hin zur Ökologie erfolgen, da diese von vielen Experten als die maßgebliche Säule bzw. als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung angesehen wird. Die aktuelle Darstellung entspricht eher dem Konzept der "schwachen Nachhaltigkeit", nach welcher natürliche Ressourcen durch Human- oder Sachkapital ersetzt werden können.

Um die besondere Rolle der Ökologie in dem Modell der Nachhaltigkeit besser darstellen zu können, wurde das Drei-Säulen-Modell zu einem gewichteten Säulenmodell erweitert (nach Prof. Stahlmann). Hier sind die drei Säulen nicht mehr die Ökologie, Ökonomie und Soziales. Die Säule der Ökologie wird durch die der Kultur ersetzt. Diese drei Säulen (Ökonomie, Kultur, Soziales) stehen nun auf dem Fundament Natürliche Ressourcen/Klima. Diese Gewichtung des Modells hin zur Ökologie, bzw den natürlichen Ressourcen soll die Wichtigkeit dieses Themas hervorheben. Die drei Themenfelder der Ökonomie, Kultur und Soziales bauen auf der Ökologie auf, denn sie sind direkt von natürlichen Ressourcen und dem Klima abhängig.

Eine ähnliche Philosophie vertritt das Modell der "Zauberscheiben der Nachhaltigkeit", das dem Förderprojekt "Angewandte Ökologie" der Landesanstalt für Umweltschutz in Baden- Württemberg unter der Leitung von Professor Hans Diefenbacher aus dem Jahre 1997 entstammt.

gewichtetes Drei Säulen Modell
Quelle: Spindler, Geschichte der Nachhaltigkeit

In aktuellen Diskussionen die vor allem als Ergänzung im Blick auf das Thema der CSR (Corporate Social Responsibilty) dienen soll, wird auch eine weitere, vierte Säule gefordert. Diese soll das Modell um eine politisch-institutionelle Dimension erweitern. Weitere Modellerweiterungen bzw. -spezialisierungen existieren auch für andere Themengebiete, z.B. Thema Nachhaltige Ernährung mit einer vierten Säule "Gesundheit" oder zum Thema Nachhaltiger Tourismus mit einer Säule "Erholung".

Wie eng Wirtschaft, Umwelt und Soziales in der globalisierten Welt ineinandergreifen und welche Zielkonflikte und Probleme entstehen, zeigte beispielhaft die durch die Biosprit-Förderung entstandene sogenannte „Tortilla-Krise“ in Mexiko. Was in den USA als Durchbruch in der Umwelttechnik gefeiert wurde, führte zu einer Ernährungskrise in Mexiko und bedrohte die Ernährungssicherheit und den sozialen Frieden auch in anderen Staaten. Deutsche Banken finanzierten die Biosprit-Produktion in den USA mit, so dass sie direkt von diesem Problem betroffen waren, einige zogen sich nach eigenen Angaben aus dem Geschäft zurück, andere begannen aus diesem Grunde gar nicht erst damit.

Mexiko deckte bis 1994 seinen Bedarf an Mais – dem Hauptnahrungsmittel - selbst. Als das Land eine Freihandelszone mit den USA einging, brach die heimische Maisproduktion zusammen, weil die subventionierten US-Bauern viel billigeren Mais anbieten konnten. Seit Anfang 2007 aber verkauften die US-Bauern den Mais nicht mehr an Mexiko, sondern über den Weltmarkt an Hersteller von Biosprit. Deren Nachfrage war enorm gestiegen, unter anderem weil sich die US-Regierung den erneuerbaren Energien zuwandte. Die Weltmarktpreise für Mais und andere Getreide explodierten, so dass dies für die US-Bauern ein viel attraktiverer Markt war. Das führte zu einer Ernährungskrise in Mexiko, da landwirtschaftliche Flächen nicht von heute auf morgen aktivierbar sind und mexikanische Bauern die Anbaugebiete auf der Suche nach Arbeitsplätzen verlassen hatten.



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Goethe-Institut: "Nachhaltigkeit-vom Leitbild zur Umsetzung"Kaputter Link
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Baden-WürttembergKaputter Link

 

 

Schlagworte

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Letzte Aktualisierung

02.05.2013 12:47