Firmenwerte in Gefahr

Unternehmen, deren Kerngeschäft die Umwelt belastet oder zu sozialen Missständen beiträgt, setzen ihre Reputation, ihr Geschäftsergebnis und ihre Börsenkurse aufs Spiel. Umwelt und Soziales sind für viele Investoren und Analysten inzwischen bedeutsame „extra-finanzielle“ Aspekte mit Einfluss auf den Firmenwert. Das ergaben inzwischen verschiedene Studien. Der Dialog mit Investoren zur Erreichung oder Verbesserung von Nachhaltigkeitsleistungen sei ein zunehmend wichtiger Faktor, der den Zugang zu Kapital und die Kapitalkosten beeinflussen kann, resümieren die Autoren der 2011 im Finanzbuch Verlag erschienenen Studie „Responsible Investing – Verantwortlich investieren“. Die Transparenz zu Nachhaltigkeitsfaktoren stelle sich immer stärker als Erfolgsfaktor der Unternehmensfinanzierung heraus.

Bei der Deutschen Börse heißt es: „Schon heute machen nichtfinanzielle Aspekte, d.h. ökologische und soziale Informationen sowie Aspekte der Unternehmensführung, einen beträchtlichen Teil des Unternehmenswertes aus.“ Und weiter: „Damit ist Nachhaltigkeit ein Investment-Thema, das klare Verantwortlichkeiten und Ziele braucht, strategisch gelebt und systematisch berichtet werden sollte.“ Aus diesem Grund stellte die Deutsche Börse am 2. September 2013 in Frankfurt sieben
Empfehlungen für eine ganzheitliche Kapitalmarktkommunikation zu Nachhaltigkeit vor. Diese werden mit getragen vom Deutschen Fondsverband BVI, dem Deutschen Aktieninstitut, dem DIRK - Deutscher Investor Relations Verband und der DVFA - Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management. Dies ergänzt die Forderungen verschiedener Initiativen nach einer soliden Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Nicht-nachhaltiges Wirtschaften bewirkt unter anderem eine ungünstigere Risiko-Chance-Konstellation. Das konstatierten schon 2007 die meisten von 98 befragten größten Fondsgesellschaften im deutschsprachigen Raum in einer Umfrage der Agenturen Cat und Wolff & Häcker (WHF). Aber das ist nicht alles. Die Art des Wirtschaftens hat Auswirkungen auf die „Licence-to-operate“, die gesellschaftliche Akzeptanz, die es Firmen überhaupt erst ermöglicht, ihre Geschäfte auf Dauer zu betreiben und dabei profitabel zu sein. Hierfür sind nicht nur rechtliche Vorgaben relevant, sondern insbesondere auch gesellschaftliche Erwartungen und Ansprüche verschiedener Interessengruppen (Stakeholder). Es gilt sie zu berücksichtigen und möglichst zu erfüllen, also „compliant“ (Compliance) zu sein. Dabei sind Unternehmen nicht nur verantwortliche für die in den eigenen vier Wänden realisierte Produktion, sondern auch für die Wertschöpfungskette, durch die ihre Produkte entstehen, das heißt für die Produktionsumstände bei Zuliefern und in der Grundstoffgewinnung, sowie für die Wirkungen der Produkte selber.

Die finanziellen Risiken nicht-nachhaltigen Wirtschaftens sind vielfältig und bedrohen im Extremfall sogar die Existenz von Unternehmen. Dies machen mehrere Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen deutlich:

  1. Auf verantwortungsloses Handeln folgen Imageverluste und Aktieneinbrüche
  2. Ausbeutung oder soziale Versäumnisse kratzen nicht nur am Image
  3. Ökologische und soziale Probleme sind oft verwoben und rufen Gerichte auf dem Plan
  4. Die meisten Unternehmen haben unnötig hohe Kapitalkosten
  5. Extremfälle haben globale Bedeutung
  6. Klima-Regulierungen und gesellschaftliche Akzeptanz sind kritische Faktoren
  7. Schadensersatzforderungen und Ressourcenknappheit bringen hohe Kosten und Versorgungsrisiken
  8. Umweltschäden lassen sich berechnen und können auf Unternehmen zurückschlagen

Schlagworte

Firmenwerte, Gefahr, Nachhaltiges Wirtschaften, Unternehmen, Unternehmenspolitik, Wirtschaft

Letzte Aktualisierung

10.08.2015 12:47

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