Umweltschäden lassen sich berechnen und können auf Unternehmen zurückschlagen.

Der durch Menschen verursachte Verlust der Vielfalt an Arten, Genen und Biotopen kostet bereits heute pro Jahr 6,6 Billionen Dollar – das sind mehr als 11 Prozent des globalen BIP. Das ergab eine breit angelegte Studie im Auftrag der Finanzinitiative der Vereinten Nationen (UNEP FI) und der UN-Initiative für Verantwortliches Investieren (UN PRI) im Oktober 2010. Allein die 3000 größten Konzerne der Welt waren 2008 verantwortlich für 2,15 Billionen Dollar an Umweltschäden. durch Verschmutzung und Vernichtung von Trinkwasser, Fischgründen und fruchtbaren Böden sowie durch CO2-Emissionen. Das seien sechs bis sieben Prozent des Gesamtumsatzes der Konzerne, hieß es. Diese 3000 Top-Unternehmen würden im Schnitt ein Drittel ihrer Gewinne verlieren, wären sie gezwungen, für diese Schäden zu zahlen. Die externalisierten Kosten der Umweltzerstörung liegen in einem hypothetischen Portfolio auf Basis des MSCI All Country World Index bei 50 Prozent der erwirtschafteten Erträge (Ebitda) der 2439 enthaltenen Unternehmen.

Die Bedeutung dessen verdeutlicht auch die so genannte TEEB-Studie vom Herbst 2010: Der Marktwert der Biodiversität ist höher als der der weltweiten Industrieproduktion, so Studie namens „The Economic of Ecosystems and Biodiversity“, kurz TEEB, zur Ökonomie der Ökosysteme und Biodiversität. Ab 2008 leitete der einstigen Deutsche-Bank-Ökonom Pavan Sukhdev im Auftrag der der UNEP FI, der EU-Kommission und Deutschland diese globale Studie, an der 500 Experten mitarbeiteten. Allein Naturschutzgebiete kommen auf jährlich fünf Billionen US-Dollar an Leistung – mehr als der addierte Umsatz der drei Leitindustrien Automobil, IT und Stahl. Die monetäre Bewertung beinhaltet etwa Gewinne aus der Bewirtschaftung von Ökosystemen, indirekte Vorteile wie Grundwasserneubildung oder Schadensfolgekosten durch Zerstörungen.

Im Auftrag von TEEB berechnete 2013 die unabhängige Londoner Researchfirma Trucost den Schaden, den die Rohstoffbranche und Grundstoff verarbeitende Industrie verursacht: Die nicht in der Wirtschaft eingepreisten externen Kosten belaufen sich demnach weltweit auf 7,3 Billionen US-Dollar – das wären 13 Prozent der globalen Wirtschaftsproduktion, heißt es im Bericht „Natural Capital at Risk: The Top 100 Externalities of Business“ von April 2013.

Um ein verständliches Umweltberichterstattungssystem zu entwickeln, das sämtliche Effekte darstellt, wurde im November 2012 die Multi-Stakeholde-Plattform TEEB for Business Coalition gegründet. Sie wird von vielen internationalen Organisationen und Initiativen unterstützt. Sukhdev leitet inzwischen die von ihm gegründete Firma Gist Advisory, die Regierungen und Unternehmen hilft, ihre Auswirkungen auf Umwelt und Menschen zu messen, zu bewerten und zu managen. „Das Kernproblem der Umweltzerstörung ist unsere Unfähigkeit, den ökonomischen Wert natürlicher Ressourcen zu erkennen, wenn wir im Namen von ‚Entwicklung’ oder ‚Wachstum’ sogenannte wirtschaftliche Tauschgeschäfte machen“, sagte Sukhdev im Januar 2013 im Interview mit dem Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments. „Sie resultieren meist in unökonomischen Entscheidungen, weil die ökonomische Bedeutung natürlicher Dienstleistungen unsichtbar ist. Wohlstand beruht aber nicht nur auf Finanzkapital, sondern auch auf dem menschlichem und dem Naturkapital.“ Der Versuch, diese Werte durch eine ökonomische Linse zu betrachten, könne ein komplexer Prozess sein, weil er mit Perspektiven von außerhalb der traditionellen Ökonomie verschlungen sei.“ „Aber sobald er verstanden und integriert ist, kann sich ein als akzeptabel erscheinender Deal als untragbar erweisen.“

Sukhdev hat in der TTEB-Studie auch Vorschläge unterbreitet, wie solche immensen ökologischen Schäden zu verhindern sind. Es gilt als wahrscheinlich, dass Regierung infolgedessen milliardenschwere Subventionen streichen, die Umwelt schädigende Industrien bisher erhalten. Subventionskürzungen oder schärfere Regulationen „können über Gewinn oder Verlust entscheiden“, warnte Sukhdev vorab. Sie werden auch Investoren treffen, wenn sie sich nicht zeitig darauf einstellen. Die von der unabhängigen Londoner Researchagentur Trucost für die UN PRI gemachten Berechnungen soll, Unternehmen ermutigen, ihre Umwelteinflüsse zu senken, bevor besorgte Regierungen sie durch Vorschriften, Steuern oder Abgaben dazu zwingen.

Dokumente
TEEB-Studie

Interne Links zum Thema Firmenwerte in Gefahr
Externe Links
UN-Initiative für Verantwortliches Investieren (UN PRI)

Schlagworte

Firmenwerte, Umwelt, Umweltschutz

Letzte Aktualisierung

10.08.2015 12:46

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