Die meisten Unternehmen haben unnötig hohe Kapitalkosten

Nicht nur die externen, zu Lasten der Gesellschaft gehenden Kosten sind hoch. Auch hausgemachte Kosten nicht-nachhaltigen Wirtschaftens innerhalb der Unternehmen sind beträchtlich. In 12 von 16 Branchen, von der Automobilindustrie über Elektronik bis zur Tabakherstellung,seien die durchschnittlichen Kapitalkosten nicht-nachhaltig ausgerichteter Unternehmen wegen ineffizienten Ressourceneinsatzes deutlich höher als die der nachhaltigen Konkurrenz, berechnete die Top-Managementberatung A.T.Kearney Ende 2009 in der Studie „Green Winners: WACC and stock price of sustainable companies“. Der Kostenvorsprung nachhaltig orientierter Wettbewerber betrage bis zu 2,9 Prozentpunkte.

Unternehmen mit guter Nachhaltigkeitsperformance haben geringere Kapitalkosten und stellen für Investoren ein niedrigeres Risiko dar, ergab im Sommer 2013 der Report „Sustainable Investing: Establishing Long-Term Value and Performance“ der Deutschen Bank. Dazu hat die Climate Change Investment Research Group des Instituts über 100 Studien zu nachhaltigem Investment analysiert. 89 Prozent dieser Studien zeigen, dass Unternehmen, die hinsichtlich Umwelt-, sozial- und Unternehmensführungsaspekten (so genannten ESG-Faktoren (Environmental, Social, Corporate Governance) gut abschneiden, auch marktwirtschaftlich eine Outperformance aufweisen. Daraus folgern die Experten, eine ESG-Analyse solle in die Investmentstrategie eines jeden Investors und in die Strategie von Unternehmen integriert werden, die den Shareholder Value wichtig nehmen.

„Die Reduzierung von CR-Risiken führt zu geringen Kapitalkosten“ und fehlende unternehmerische Verantwortung (CR) setze Unternehmen einem unnötig hohen Risiko aus, zeigte schon 2006 eine empirische Studie der Universität Hamburg. Umgekehrt erzielten nachhaltig wirtschaftende Unternehmen die höchsten Umsatzrenditen, ergänzte Anfang 2008 eine Untersuchung unter 200 großen Unternehmen durch die WHU Otto Beisheim School of Management (Vallendar/Rhein) ergab.

Die 15 größten nicht-nachhaltigen Unternehmen der zwölf Branchen haben laut A.T. Kearney summa summarum 33 Mrd. Euro höhere Kapitalkosten als ihre nachhaltigen Wettbewerber. Das wirkt sich auch in den Aktienkursen aus: Als die Börsen im Spätsommer 2008 kollabierten, büßten die nicht-nachhaltiger Firmen fast die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung ein, die Vergleichsgruppe verlor „nur“ 43 Prozent. Von Juni 2008 bis Juni 2009 lagen die nicht-nachhaltigen Unternehmen in Summe durchgängig um sieben Prozentpunkte zurück.

Der Einfluss ökosozialer Kriterien auf Aktienbewertungen liege bei zehn Prozent, lautet das Resümee aus mehreren sogenannten „Materiality“-Studien der UN-Finanzinitiative UNEP FI von 2004 und 2006 und 2009. Beträchtlich gefährdet sind auch Kreditwürdigkeit und Profitabilität, wie die Ratingagentur Standard & Poors 2007 beispielhaft für die Autobranche berechnete. Autobauer riskierten zudem Strafzahlungen oder Wettbewerbsnachteile durch Regulierung und geändertes Verbraucherverhalten, wenn ihr Flottenangebot sehr CO2-intensiv sei, sagen Analysten. Bei Porsche etwa grassiere die Angst, den US-Markt wegen neuer Regulierungen zu verlieren.

Im Umkehrschluss heißt das: Unternehmen aller Branchen können durch nachhaltiges Wirtschaften wachsen, profitabler werden sowie CO2 und Abfall einsparen. So lautete Ende 2012 das Fazit einer groß angelegten Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Untersucht wurden Unternehmen in den Branchen Einzelhandel, computerintegrierte Produktion, Energie, Abfallwirtschaft sowie Transport und Logistik. Insgesamt könnten die Unternehmen durch nachhaltiges Wirtschaften einen profitablen Mehrumsatz von mehr als 500 Milliarden Euro und Einsparungen von drei bis fünf Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr erzielen. wird Nachhaltigkeit werde, so die Studie, zu einem strategischen Muss, das Firmen ökonomisch sowie ökologisch konsequent nutzen sollten.

Dokumente
Studie „Green Winners: WACC and stock price of sustainable companies“
„Materiality“-Studien der UN-Finanzinitiative UNEP FI von 2004 und 2006

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Schlagworte

Firmenwerte, Kapital, Kapitalkosten, Unternehmen

Letzte Aktualisierung

10.08.2015 12:47

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