Unternehmensinitiativen und ihre Bedeutung

Einleitung
Viele Branchen stehen vor der Mammutaufgabe gemeinsame, weltweite Systeme zur Überwachung und Einhaltung nachprüfbarer sozialer und ökologischer Standards zu etablieren. Das wird erschwert durch komplizierte Sachverhalte, lange Beschaffungsketten und Zielkonflikte. Initiativen brauchen darum Zeit. Für ihre Glaubwürdigkeit entscheidend ist, messbare Ziele, Verbesserungen und Nicht-Erreichtes zu veröffentlichen. Nachfolgend einige Beispiel für internationale Initiativen von Unternehmen.

CSR Europe
CSR Europe wurde 1995 gegründet und ist das führende europäische Unternehmensnetzwerk, das sich mit Corporate Social Responsibility (CSR) auseinandersetzt. Insgesamt zählt das Netzwerk rund 70 multinationale Mitgliedsunternehmen sowie 37 Partnerorganisationen in Europa, wodurch 5000 europäische Unternehmen erreicht werden. Ziel ist es, Unternehmen eine Plattform zum Austausch und zur Kooperation zu bieten, um die Position der teilnehmenden Unternehmen und die Europas in Fragen der CSR zu stärken. Schwerpunkt ist das Angebot von Werkzeugen und Informationen zur praktischen Umsetzung von CSR und der Berichterstattung darüber (Business Tools and practices) Deutscher Netzwerk-Partner ist das Forum econsense. Außerdem hat CSR Europe globale Dialoge gestartet.

Equator Principles
Die Equator Principles (Äquator-Prinzipien) sind ein internationales Rahmenwerk zur Erfassung und Verringerung von Kreditrisiken, dem sich Banken freiwillig unterziehen können. Es setzt Umwelt- und Sozialstandards für Projektfinanzierungen, die auf den Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsstandards der Weltbank sowie den nachhaltigen Leistungsstandards der International Finance Corporation (IFC) basieren. Angeregt wurde dieses Regelwerk 2003 durch Nichtregierungsorganisationen. Mit der IFC wurden zehn Prinzipien formuliert und zehn global tätige Banken unterzeichneten sie. Die Richtlinien wurden 2006, 2007 und 2012 überarbeitet. Aus dem kleinen Kreis der Equator Principles-Banken wurde in den vergangenen Jahren eine weltweite Initiative mit aktuell 79 Projektfinanzierern, Versicherungen und Exportkreditagenturen aus 35 Ländern, die die zehn Prinzipien unterzeichneten. Die Equator Principles haben in der Finanzwelt inzwischen eine große Bedeutung.
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UN Global Compact
Der Global Compact der Vereinten Nationen (UN) ist ein freiwilliges Übereinkommen zwischen den UN sowie Tausenden von Unternehmen und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen. In dem Pakt verpflichten sich die Mitglieder zu zehn Prinzipien, darunter zur Einhaltung der Menschenrechte und bestimmter Arbeitsnormen, zum Umweltschutz und zur Korruptionsbekämpfung. Dem Netzwerk gehören mehr als 10.000 meist multinational agierende Unternehmen aus mehr als 130 Staaten an, darunter 7000 Unternehmen. Ziel sind 20.000 Mitstreiter bis 2020. Es gilt als weltweit größte Initiative für soziale Verantwortung von Unternehmen. Der UN Global Compact bietet einen Rahmen für die Entwicklung, Impementierung und die Bekanntgabe von Nachhaltigkeitsstrategien und -praktiken. Insgesamt soll der UN Global Compact den Privatsektor darin unterstützen, die - ausgelöst durch die Globalisierung - immer komplexer werdenden Risiken und Möglichkeiten in ökologischen, sozialen und politischen Bereichen zu erkennen und durchzusetzen.
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World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)
Dem Unternehmensnetzwerk „World Business Council for Sustainable Development“ (WBCSD) haben sich mehr als 200 international tätige Konzerne angeschlossen. Sie repräsentieren alle Wirtschaftsbranchen, Kontinente und haben einen addierten Gesamtumsatz von mehr als sieben Billionen US-Dollar. Es hat unter anderem im Frühjahr 2010 eine langfristige Nachhaltigkeitsvision für die Wirtschaft vorgelegt und darin jenen Unternehmen gute Zukunftschancen attestiert, die Lösungen für den Klima- und Ressourcenschutz oder die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit zum Kerngeschäft machen. Diese Unternehmen, so das WBCSD, könnten das Rennen um Marktanteile in der wachsenden „grünen“ Wirtschaft für sich entscheiden. Sie müssten sich dafür aber vom isolierten „Silodenken“ verabschieden und neue Formen der Zusammenarbeit mit Politik, Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft erproben. Der WBCSD hat auch eine neue Wirtschaftsinitiative für Nachhaltigkeit mitinitiiert, die sich im Oktober 2010 vorstellte. Außerdem hat er in den nachfolgenden Jahren Werkzeuge entwickelt, mit denen Unternehmen ihre ökologischen Fußabdruck messen können. Beispielsweise hat er im Juli 2013 ein solches „Wasser-Tool“ für Indien lanciert und gemeinsam mit einem Beirat ein im September 2013 vorgestelltes „Business Ecosystems Training“ entwickelt, das Experten unterstützten soll, Unternehmen den Zusammenhang zwischen Ökosystemen und Wirtschaft darzulegen.
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Business Social Compliance Initiative (BSCI)
Die „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI) ist eine nicht gewinnorientierte Organisation mit Sitz in Brüssel. Sie wurde 2002 auf Initiative der deutschen Außenhandelsvereinigung AVE gegründet, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den globalen Wertschöpfungsketten der Unternehmen zu verbessern. Die BSCI bietet Unternehmen eine Plattform zur Kommunikation und zum Austausch und legte den Grundstock für ein gemeinsames Kontrollsystem, das die Einhaltung dieser sozialen Verantwortung überwacht und mittlerweile vollständig eingeführt wurde. Die Initiative hat das Ziel eine sozial verantwortungsbewusste globale Wertschöpfungskette zu erreichen.

Weltweit haben sich seit 2003 mehr als 1000 Einzelhandels-, Import- und Markenunternehmen (Stand Juli 2013) verpflichtet, die auf internationalen Konventionen basierende Sozialstandards in ihren Lieferketten zu beachten. Der rasante Mitgliederzuwachs folgte auf zahlreiche Skandale. Kunden boykottierten wegen schlechter Arbeitsbedingungen etwa Textildiscounter, Drogerieketten und Billigsupermarktbetreiber. Das zwang sie zum Handeln.

Im Jahr 2013 ist der Code of Conduct erweitert worden, unter anderem um das Prinzip fairer Löhne und eine stärkere Berücksichtigung des Umweltschutzes. Die Konsultationen mit externen Anspruchsgruppen endeten Mitte September. Das Jahr 2014 gilt als Übergangsperiode, damit sich die Unternehmen auf die neuen Verhaltensleitlinien einstellen müssen, wonach sie zehn Prinzipien über die gesamte Beschaffungskette einhalten müssen. Ab 2015 ist der BSCI-Code of Conduct definitiv anzuwenden.
Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens hat die Organisation im August 2013 einen „BSCI Footprint“ veröffentlicht. Dass ist keine echter „sozialer Fußabdruck“, stellt aber wichtige Themen rund um Arbeit und Beschäftigung dar, informiert über die Arbeit zur Erneuerung des Verhaltensregeln und illustriert, wie Hürden genommen werden können. Mehr als 20.000 Audits seien gemacht worden, heißt es einer Leistungsstudie der Universität St. Gallen über 10 Jahr BSCI.

Gleichwohl herrschen bei Zulieferern vieler Mitglieder keine menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, wie die SupermarktInitiative und andere Nichtregierungsorganisationen immer wieder dokumentieren. Besonders extrem zeigte sich das 2012, als viele Hunderte Menschen infolge von Bränden in Zuliefererbetrieben in Pakistan und Bangladesh starben und am Jahresende 2012 das übermäßig hoch gebaut Fabrikgebäude „Rana Plaza“ in Bangladesh einstürzte und 1129 Todesopfer forderte. Das passierte trotz der Audits und Beobachter vor Ort berichten, dass so etwas täglich wieder geschehen könne.

Ausländische und deutsche Einzelhandelsunternehmen seien für die weltweite Schwächung von Sozialstandards mitverantwortlich und „Die BSCI-Mitgliedschaft ist Greenwashing“, heißt es in dem Netzwerk seit Jahren. Löhne unter dem Existenzminimum, Unterdrückung von Gewerkschaften und krank machende Überstunden seien Alltag in Fabriken und auf Plantagen. „In kommerziellen Audits wird häufig nur mit ausgewählten Mitarbeitern oder dem Management gesprochen oder einfach nach Aktenlage geprüft“, kritisierte Frauke Banse vom internationalen Netzwerk „Kampagne für saubere Kleidung“ in einem Bericht des Handelsblatts am 1.7.2013. Gewerkschaften oder Nichtregierungsorganisationen seien nicht gleichberechtigt einbezogen und damit sei die öffentliche Kontrolle faktisch nicht gegeben.

„Die BSCI hat – genau wie jedes anders System – keinen Anspruch auf Perfektion“, entgegnete BSCI-Chef Lorenz Berzau im Handelsblatt. Die Audits seien aber eine wichtige Momentaufnahme auf dem Weg zur Verbesserung.

„Die NGO-Kampagnen haben völlig Recht, dass es noch offene Probleme und Verstöße bei der weltweiten Durchsetzung von Sozialstandards gibt. Das ist aber kein Grund, den systematischen Durchbruch, der mit der BSCI erreicht wurde, für belanglos zu erklären“, kontert Professor Albert Löhr auf Anfrage damals, Vorstandschef des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik (DNWE). Er betonte, die Initiative habe erstmals im Handel Standards und Auditings harmonisiert. Sie "arbeitet so wirksam, dass selbst Unternehmen wie Lidl und Aldi unter moralischen Druck geraten, eine nachprüfbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette in Gang zu bringen“, schilderte Löhr. „Für uns ist das Glas schon halbvoll, für die Kritiker noch halbleer.“ Was die BSCI und andere derartige Initiativen bewirken, ist laut anderen Experten erst bruchstückhaft zu beurteilen, es mangele an Transparenz.
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Business for Social Responsibility (BSR)
Dem US-amerikanischen CSR-Netzwerk BSR gehören mehr als 250 Unternehmen an. Über die Bereitstellung von Informationen, Instrumenten sowie Schulungs- und Beratungsangeboten will es seinen Mitgliedern helfen, CSR in die Unternehmensstrategie und alltägliche Geschäftspraktiken zu integrieren. Im April 2013 gründete BSR gemeinsam mit der Londoner Nachhaltigkeitsagentur Futerre die „Sustainable Lifestyles Frontier Group”, die die Bewegung hin zur Nachhaltigkeit beschleunigen will – die Mitglieder wollen voneinander lernen, wie sie nachhaltige Lebensstile über Branchen und den Globus hinweg ermöglichen können. Wirtschaftführer erwarten diesbezüglich ein exponentielles Wachstum des Verbraucherinteresses und der wirtschaftlichen Aktivitäten in den nächsten fünf Jahren, heißt es in einer gemeinsamen Studie, die im September 2013 erschien.
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Business in the Community
“Business in the community” (BITC) ist das führende CSR-Netzwerk in Großbritannien. Es ist eine unternehmensgeführte Organisation mit über 850 Mitgliedern von großen international agierenden bis zu kleinen, lokal agierenden Unternehmen, die ihre Aufgabe darin sieht, durch verantwortungsbewusstes Wirtschaften eine lebenswerte Zukunft zu erhalten. Dazu bietet sie den Mitgliedsunternehmen Beratung und Unterstützung und fordert sie auch zu weiterer Aktivität auf. Dafür hat sie fünf Handlungsfelder definiert: Bildung und Jugend, Unternehmen und Kultur, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Nachhaltigkeit auf Märkten (Nachhaltiges Wirtschaften), Arbeitsbedingungen und Beschäftigte.
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Biodiversity in Good Company
Die Mitglieder der branchenübergreifenden Initiative sind kleine, mittelständische und große Unternehmen. Mit der Unterzeichnung eines Mitgliedsantrages und einer „Leadership Erklärung“ hatten sich ursprünglich in dem staatlich geförderten Projekt mehr als 40 Unternehmen überwiegend aus Brasilien, Deutschland und Japan bereit erklärt, Biodiversität in das betriebliche Managementsystem zu integrieren. Die internationale Business and Biodiversity Initiative wurde im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der 9. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) 2008 gegründet. Ziel ist Unternehmen stärker an der Zielerreichung der CBD zu beteiligen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hatte die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) damit beauftragt, die internationale Initiative umzusetzen.
Seit August 2011 ist 'Biodiversity in Good Company' ein gemeinnütziger eingetragener Verein. Mit Ende der staatlichen Förderung entschlossen sich die Unternehmen von 'Biodiversity in Good Company' angesichts der Bedeutung des Themas dazu, die Initiative eigenständig als Mitglieder zu tragen. Heute sind es 23 Mitgliedsunternehmen (9/2013). Die Initiative treibt mit vielerlei Maßnahmen das Thema Wirtschaft und Biodiversität voran. Dazu zählt das „Handbuch Biodiversitätsmanagement – Ein Leitfaden für die betriebliche Praxis“, welches das Center for Sustainability Management der Leuphana Universität Lüneburg mit den Mitgliedsunternehmen erstellte. 'Biodiversity in Good Company' ist einer der Partner von „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“, und seit Sommer 2013 ist auch die Koordinierungsstelle dieser Plattform bei der Initiative angesiedelt. „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“ ist dies eine Dialog- und Aktionsplattform, in der sich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Wirtschaftsverbände und Naturschutzorganisationen für eine Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt engagieren.
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Voluntary Principles - Freiwillige Grundsätze zur Wahrung der Sicherheit und der Menschenrechte
Diese freiwilligen Grundsätze wurden 2000 von den Regierungen der USA, des Vereinigten Königreichs, Norwegen und der Niederlande entwickelt und haben zum Ziel, die Unternehmen bei der Aufrechterhaltung der Sicherung und der Sicherheit ihrer Tätigkeiten zur Respektierung der Menschenrechte zu unterstützen.


Dokumente
Interne Links
Externe Links
International Finance Corporation (IFC)
WBCSD: Wirtschaftsinitiative für Nachhaltigkeit
Deutsche Außenhandelsvereinigung (AVE)
Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE)

Schlagworte

Corporate Social Responsibility (CSR), Equator Principles, Initiative, Unternehmen, Unternehmenspolitik

Letzte Aktualisierung

07.10.2015 10:57

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