Equator Principles

Die Equator Principles (Äquator-Prinzipien) sind ein internationales Rahmenwerk zur Erfassung und Verringerung von Kreditrisiken, dem sich Banken freiwillig unterziehen können. Es setzt Umwelt- und Sozialstandards für Projektfinanzierungen, die auf den Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsstandards der Weltbank sowie den nachhaltigen Leistungsstandards der International Finance Corporation (IFC) basieren. Angeregt wurde dieses Regelwerk 2003 durch Nichtregierungsorganisationen. Mit der IFC wurden zehn Prinzipien formuliert. Seitdem wurden die Richtlinien 2006, 2007 und 2012/2013 überarbeitet. Sie gelten inzwischen auch für projektgebundene Unternehmenskredite und Zwischenfinanzierungen. Die Version vom Juni 2013 finden Sie hier.

Aus dem kleinen Kreis der Equator Principles-Banken wurde in den vergangenen Jahren eine weltweite Initiative mit 80 Projektfinanzierern, Versicherungen und Exportkreditagenturen aus 35 Ländern, die die zehn Prinzipien unterzeichneten (September 2015). Die Equator Principles haben in der Finanzwelt inzwischen eine große Bedeutung.

Lange galten Banken und Versicherer als „saubere“ Unternehmen, doch sie finanzieren die Wirtschaft und damit auch Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen. Um das einzudämmen, schuf eine Bankengruppe die „Equator Principles“, freiwillige Umwelt- und Sozialstandards. Hierdurch verlaufen inzwischen viele Projekte umwelt- und sozialverträglicher, urteilen Experten. Teilnehmende Banken lehnen die Finanzierung besonders heikler Großprojekte ab. Zwar gelten die Standards hauptsächlich für internationale Projektfinanzierungen, doch die ersten Banken wenden sie auch für Exportvorfinanzierungen und Unternehmenskredite an. Dies ist der Auftakt einer grundsätzlichen Umorientierung im Bankengeschäft zur Risikominimierung und zur Übernahme unternehmerischer Verantwortung für gesellschaftliche Effekte des Kerngeschäfts (Corporate Social Responsibility).

Laut Equator Principles sind Kinder- und Zwangarbeit verboten, Vereinigungsfreiheit und Tariflohnvereinbarungen zu respektieren sowie seit 2006 auch „indirekte“ Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit der lokalen Bevölkerung zu beachten. Denn selbst wenn der Bau etwa einer Ölpipeline sozialverträglich geschieht, ermöglicht dieses Rohr eventuell eine zerstörerische, gesundheitsschädliche und rücksichtslose Ölförderung. Unternehmen müssen derartige Umweltbelastungen vermeiden und klimaschädliche Emissionen beziffern. Die betroffene Bevölkerung muss bei kritischen Projekten so informiert werden, dass sie sie versteht. Und es müssen öffentliche Anhörungen und Beschwerdemechanismen eingerichtet und unabhängige Gutachter eingeschaltet werden. Um nichts dem Zufall zu überlassen, sind all diese Aspekte in Managementsysteme zu integrieren sowie während der gesamten Laufzeit zu prüfen.

Für die Banken bedeutet dies, aufwändige Prüfprozesse einzurichten. Darum betrafen die Prinzipien anfangs nur Projekte ab 50 Mill. Dollar. Seit 2006 sind sie ab 10 Mill. Dollar anzuwenden. Anders als die Weltbank verlangen die EP-Banken, dass externe Experten den Bau und Betrieb der Projekte prüften. Dies begrüßen die NGOs. Sie bemängeln aber, die Prüfungen seien oft unzureichend. Manche Banken räumen Verbesserungsbedarf ein.

Die Equator Principles gelten als international akzeptierter Standard. Drei Viertel aller internationalen Finanzierungen für Großprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern beachten die Standards, mittlerweile fänden in den Emerging Markets sogar 85 Prozent der länderübergreifenden Projektfinanzierungen unter Anwendung der EP statt, sagen teilnehmende Institute.

Doch trotz der genannten Volumina werden sie nicht stets vollständig berücksichtigt. De facto ist ihr Einfluss begrenzt, weil Banken meist erst spät eingeschaltet werden. Sie sollen Geld für Projekte geben, die schon von A bis Z geplant sind. Im Nachhinein Vorschriften für Umwelt- und Sozialaspekte zu machen, ist mühsam und darum werden die Standards oft nur ansatzweise umgesetzt. Wie wirksam die Standards insgesamt sind, ist mangels verlässlicher Informationen schwer abzuschätzen. Rund 40 Prozent der Institute missachteten die unterzeichneten Mindestanforderungen der Berichtspflicht, kritisierte das NGO-Netzwerk Banktrack im November 2007.


Dokumente
Center for Corporate Sustainability, Universität Zürich: „The Equator Principles – A step towards Sustainability?”

Interne Links zu internationalen Übereinkommen
Externe Links
Homepage Equator Principles
Handelsblatt-Artikel „Ökologie prägt Projektfinanzierung“
Tüv-Süd: Finanzierungsrisiken mit Equator Principles senken

Schlagworte

Equator Principles, Nachhaltiges Wirtschaften, Prinzip

Letzte Aktualisierung

18.11.2015 10:42

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