Postfossile Architektur

Schon lange ist absehbar, daß zur Wahrung des Lebensstandards in den Industriestaaten - bei gleichzeitigem Bestreben der Entwicklungs- und Schwellenländer aufzuholen - die fossilen Energieträger nicht mehr lange die nötigen Energiemengen liefern würden, um den damaligen oder erst recht den zukünftigen Verbrauch zu decken. Die fossile Zeit als kurze, beschleunigte Episode der Menschheitsgeschichte, auf welche die postfossile Epoche folgt.

"Keine Verbrennung mehr!"

Der Architekturprofessor Dirk Althaus stellt die Architektur als einen zentralen Einflußfaktor einer postfossilen Gesellschaft heraus, in der die fossilen Restbestände als Rohstoffe zu kostbar sind, um sie noch zu verbrennen.

Im veränderbaren Baubestand und der Gebäudeplanung sieht Althaus eines der wesentlichen Potentiale zur solaren Energiegewinnung. Seine Forderung an die Architektur und Stadtplanung lautet folgerichtig:
"Bauwerke werden in der postfossilen Gesellschaft Kraftwerke. Solare Energiefläche am Bauwerk ist eine der Grundlagen architektonischer Gestaltung, gleichwertig mit den klassischen Elementen der Baukörper und ihrer Fassaden. Die Ausrichtung nach der Solargeometrie im Rahmen städtebaulicher, künstlerischer, funktionaler und technischer Aspekte wird selbstverständlich: ein weiteres Architekturelement.
Waren bisher die unterirdischen Rechte der Fläche im öffentlichen Interesse gesichert, so muss sich nach Versiegen der Energieressourcen ein neues Recht für den oberirdischen Bereich der Erdoberfläche etablieren, um das öffentliche Interesse an der Energieversorgung zu sichern."

Bebauungspläne sollen dann neben der Grundflächenzahl (GRZ: wieviel Fläche eines Grundstückes darf versiegelt und bebaut werden) und der Geschossflächenzahl (GFZ: wieviele Geschosse dürfen hochgezogen werden) die Energieflächenzahl (EFZ) ausweisen: die jährlich abzugebende Energie in Megawattstunden. Der Bestand soll einem Konzept zur Gewinnung von Energie unterworfen werden, um die öffentlich geforderte EFZ zu erfüllen:

"Stadt wird Kraftwerk."

Damit fordert Althaus Architekten und Politik auf, die Konzepte von solaren Energieflächen (Photosynthese/Biomasse und Photovoltaik), Langzeitwärmespeichern und einem seriellen Bauen, das der Kreislaufwirtschaft enspricht, in ihrem Einflußbereich zu verankern.

Seit den 70er Jahren entwickelt Dirk Althaus Konzepte zum Ökologischen Bauen, heute publiziert er zum Entwurf der "Postfossilen Gesellschaft".

Faxtor-X-Siedlung
Die einseitige Fokussierung auf Energieeffizienz beim Bauen lässt außer Acht, dass die Reduktion des Ressourcenverbrauchs über den Lebenszyklus eines Gebäudes mindestens ebenso relevant ist. Am Standort Inden-Waagmühle soll in einem Modellvorhaben dokumentiert werden, wie eine derartige Optimierung des Ressourcenverbrauchs in der Praxis umgesetzt werden kann. Weitere Informationen dazu finden Sie auf den Internetseiten zur Faktor X Siedlung.

Externe Links
Bauen für die postfossile Gesellschaft, dbz, 2003, J. 51, N. 6, S. 30-34
Bauen heute - Bauen morgen. Architektur an der Schwelle zur postfossilen Zeit, 2005. Von Dirk Althaus.
Zeitenwende: Die postfossile Epoche, 2007. Althaus aktuelles Buch in Auszügen bei google.books
Webseite von Dirk Althaus

Schlagworte

Architektur, Bauen, Ökologische Modernisierung, Postfossil, Raumentwicklung

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:20

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