EcoDesign

Definitionen

Damit einem die vielfältigen Definitionen zu dem Begriff des "EcoDesigns" oder zu deutsch "Ökodesign" ersichtlicher werden, folgt hier eine kurze Definition des eigentlichen Designbegriffs. Der Professor für Design- und Kulturgeschichte Beat Schneider der Hochschule für Künste in Bern definiert den Designbegriff folgendermaßen:
„Design, so kann verallgemeinert werden, hat den Anspruch, die Welt zum Wohl der Menschen besser zu gestalten. Doch hinter dem Begriff verbirgt sich weit mehr als eine attraktive Objektwelt. Design gestaltet Kommunikation und schafft Identität. Es ist bewusstes Handeln zur Herstellung sinnvoller Ordnung und somit Teil unserer Kultur.“
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Somit kann man den Begriff "EcoDesign" als eine Erweiterung des Designbegriffs in dem Sinne verstehen, als dass Design auch den Anspruch erfüllen sollte, die Welt zum Wohle der Menschen mit Bedacht auf die Umwelt besser zu gestalten. Demzufolge beschreibt EcoDesign laut der Autoren Ursula Tischner, Eva Schmincke und Frieder Rubik "eine systematische Vorgehensweise, die zum Ziel hat, möglichst frühzeitig ökologische Aspekte in den Produktplanungs-, -entwicklungs- und -gestaltungsprozess einzubinden. (...) Kurz gesagt, führt EcoDesign zu Produkten, Systemen, Infrastrukturen und Dienstleistungen, die bei optimaler Erfüllung des gewünschten Nutzens eine minimale Menge an Ressourcen, Energie und Fläche benötigen, bei gleichzeitiger Minimierung des Schadstoffeinsatzes und -ausstoßes und der Abfälle – und das über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.“
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Das Umweltbundesamt versteht unter EcoDesign einen "(...) systematischen und umfassenden Betrachtungs- und Gestaltungsansatz für Produkte, welcher das Ziel verfolgt, die Umweltbelastungen über den gesamten Lebenszyklus durch verbessertes Produktdesign zu mindern. In der Produktplanungs- und -designphase können Produzenten Einfluss auf jede Phase der Wertschöpfung und des stofflichen Lebensweges nehmen und ökologische Innovationen voranbringen. Die umweltverträgliche Gestaltung von Produkten erfordert quantitative und qualitative Bewertungsmaßstäbe und unterstützende Instrumente. Hierfür stehen mittlerweile eine Reihe von Checklisten, Handbüchern bis hin zu Softwarelösungen basierend auf der methodischen Grundlage der Ökobilanzierung zur Verfügung. Es gelingt auch zunehmend Ökodesign-Grundsätze in Produktnormen zu verankern."

Die Ökodesign-Richtlinie

Die Ökodesign-Richtlinie ist eine Rahmenrichtlinie, die die rechtliche Umsetzung des Ökodesigns auf EU-Ebene reguliert. Zum ersten Mal wurde die Ökologische Richtlinie im Jahre 2005 unter dem Namen Ökodesign-Richtlinie 2005/32/EG verabschiedet, die inhaltlich zunächst verbindliche Mindestanforderungen festgelegte, die innerhalb der EU an energiebetriebene Produkte gestellt wurden. Im deutschen Recht trat sie durch das Energiebetriebene-Produkte-Gesetz (EBPG)am 7. März 2008 in Kraft. Mit der Verabschiedung der Ökodesign-Richtlinie 2009/125/ wurde der Geltungsbereich auf energieverbrauchsrelevante Produkte ausgeweitet. Zu den energieverbrauchsrelevanten Produkten zählen solche, die selbst keine Energie verbrauchen, sich jedoch auf den Verbrauch von Energie auswirken. Dies trifft beispielsweise bei Wärmeschutzfenstern auf. In Deutschland trat das Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG) am 25. November 2011 in Kraft, welches die Ökodesign-Richtlinie in deutsches Recht umwandelt.

Welche Anforderungen werden in der Ökodesign-Richtlinie festgelegt?
Das Ziel der Ökodesign-Richtlinie ist die Festlegung produktspezifischer Anforderungen von der EU-Kommission. Diese wird durch einen Regelungsausschuss unterstützt. Gemeinsam richten sie sogenannte Durchführungsmaßnahmen jeweils für einzelne Produktgruppen ein. Diese Durchführungsmaßnahmen werden dann in Form einer Verordnung erlassen und sind für die Hersteller und Importeure in allen EU-Mitgliedstaaten unmittelbar gültig und verbindlich.
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Die Ökorichtlinie als Bestandteil der Intergrierten Produktpolitik (IPP)
Die Integrierte Produktpolitik stellt der Europäischen Union stellt einen zentralen Bestandteil der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie dar. Ihr umweltpolitisches Ziel sieht sie in der Verbesserung der Umweltauswirkungen von Produkten während ihres gesamten Lebenszyklus. Bei der Bewertung der Umweltauswirkungen wird ein integrierter, d.h. ein ganzheitlicher Ansatz vertreten: Demnach wird das Augenmerk nicht nur auf einen Bereich gelegt, beispielsweise auf die Produktion oder den Konsum, sondern es wird der gesamte Produktlebenszyklus betrachtet. Mithilfe des Konzepts der Integration soll verhindert werden, dass Umweltverbesserungen an einer Stelle durch Verschlechterungen an anderen Stellen wieder aufgehoben werden. So werden die Auswirkungen auf sämtliche Umweltmedien (Boden, Wasser und Luft) betrachtet.
Andere Konzepte, die von der IPP unterstützt werden, sind die Kommunikation und Kooperation zwischen allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette wird angestrebt. Dies spielt vor allem im Bereich des Designs, als einer Querschnittsdisziplin, eine besondere Rolle. Dort arbeiten die Disziplinen nämlich interdisziplinär zusammen, d.h. in enger Kooperation mit allen anderen am Produktentwicklungs-, Herstellungs- und Vermarktungsprozess Beteiligten. Dabei wird ebenfalls der spätere Nutzungskontext eines Produktes im Designprozess antizipiert. Dies bedeutet, dass die Lebensstile, Bedürfnisse, Wünsche und Fähigkeiten potentieller Nutzerinnen und Nutzer berücksichtig werden.

Ein weiteres wichtiges Prinzip, das die IPP verfolgt ist das politikfeldübergreifende Handeln. Auf diese Weise werden neben der Umweltpolitik auch andere Politikfelder einbezogen, wie z. B. die Industriepolitik, der Gesundheits- und Verbraucherschutz, die Energie- und Verkehrspolitik oder der Arbeitsschutz.

Kriterienmatrix

Eine sogenannte Kriterienmatrix, erstellt von dem Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt und dem Internationalen Design Zentrum Berlin soll den Ecodesignern eine Orientierung bieten.
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Dadurch, dass beim Ecodesign der gesamte Lebenslauf eines Produktes betrachtet wird, wird die Matrix in vier Felder gemäß den Zyklen unterteilt: zum einen wären dort die Vorstufen der Produktion, die die Ideenfindung, Planung, Entwick­ lung, Wahl der Rohstoffe, Materialien und Fertigungs­techniken, Rohstoffgewinnung und ­-verarbeitung beinhaltet. Daraufhin folgen die Produktion, die Distribution, d.h. die Vermarktung, Verpackung und Vertrieb, die Nutzung und als letzten Schritt die Verwertung oder Entsorgung. Gemessen werden diese Zyklen anhand der Bereiche Energieverbrauch, dem wertvollen Umgang mit Ressourcen, das Nutzerverhalten, der Langlebigkeit und der Reparaturfähigkeit.

Anhand dieser Matrix erkennt man, dass neben den Kriterien der Ästhetik, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit, die Prinzipien der Nachhaltigkeit und Ökologie im Vordergrund stehen. Dabei handelt es sich bei dem Begriff EcoDesign nicht nur um materielle Güter, sondern es werden auch umweltverträgliche und nutzerfreundliche Konzeptionen von Dienstleistungen und Systemen entworfen. Aufgrund der Auffassung des Lebenszyklus eines Produktes, einer Dienstleistung oder eines Systems, ist es den EcoDesignern möglich, die negativen Auswirkungen auf die Umwelt in allen Lebenszyklen möglichst gering zu halten. Dies umfasst den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und die Vermeidung von Schadstoffen und Abfällen.

EcoDesign in der Praxis

Auf der Website "Österreichischer EcoDesign Infoknoten" von dem Institut für Konstruktionswissenschaften der TU Wien, können Beispiele zur Umsetzung recherchiert werden:
Hier findet ihr futuristische Designs des Jahres 2015: designmuseum.org

EcoDesignTool
Mit dem Eco Design Tool verfolgen die Designer sowie Autoren Malte Koslowski, Georg Dwalischwili und Dr. Nikolaus Marbach den Anspruch, Ingenieuren, Designern und Führungskräften eine gesamtheitliche Reflexionsebene anzubieten.

Das Eco Design Tool ist ein Werkzeug, das aus verschiedenen Karten besteht, die ausgebreitet einen Fächer abbilden und die das Thema der Ökologie inhaltlich übersichtlich strukturieren. Dabei bilden die Begriffe Nutzen, Material und Realisation die drei Kapitel des Tools. Eine Index-Karte, zu finden über den grauen Rand an der Oberseite, ist in jedem Kapitel erhalte. Die einzelnen Aspekte enthalten ökologisch relevante Aspekte, wie zum Beispiel in Nutzen die Nutzungsdauer, in Material die Lebensdauer und in Realisation die Trennbarkeit. Insgesamt gibt es 40 Aspekte, die jeweils eine Karte im Werkzeug belegen. Mithilfe von Verknüpfungen zwischen den Karten, werden inhaltliche Zusammenhänge visualisiert und eine mehrdimensionale Betrachtung ermöglicht.

Der Ring gestaltet den Fächer kompakt, handlich und mobil. Öffnet man den Ring, so erhält man die Möglichkeit um Einzelkarten Mappings an der Wand zu erstellen, Strukturen zu legen oder das Tool in die gewohnte Arbeitsweise zu integrieren.

Ausgezeichnet wurde das Eco Design Tool im Jahr 2015 durch das Qualitätssiegel Werkstatt N des Rates für Nachhaltige Entwicklung und 2013 als Projekt der UN Dekade 'Bildung für nachhaltige Entwicklung'.


Dokumente

Die Ökodesign-Richtlinie 2005/32/EG, (PDF)
Das Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG),(BMU), (PDF)
Die Kriterienmatrix

Interne Links

Externe Links

Bundespreis Ecodesign
Bundespreis EcoDesign 2013 (BUM)
Österreichischer Ecodesign Infoknoten
Informationen zur Ökodesign-Richtlinie
Akademie für nachhaltiges Design
European on Life Cycle Assessment
Definition des Bundesumweltamtes
Ökodesign-Richtlinie, (BMU)

Schlagworte

Design, Eco, Nachhaltigkeitsstrategie, Ökologie, Produktion

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:10

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