Nachhaltiger (sanfter) Tourismus

Der nachhaltige Tourismus (auch sanfter Tourismus) versucht die Bedürfnisse der Touristen bestmöglich zu befriedigt und dabei die Zukunftschancen des Reiseziels zu waren bzw. diese sogar zu erhöhen. Letzendes will diese Form des Tourismus die vorhandenen Ressourcen nachhaltig managen, sodass wirtschaftliche, soziale und ästhetische Erfordernisse erfüllt werden können während gleichzeitig kulturelle Integrität, grundlegende ökologische Prozesse, die biologische Vielfalt und die Lebensgrundlagen erhalten bleiben.

Zusammengefasst werden können die Ziele des nachhaltigen Tourismus ("sustainable tourism") wie folgt:

  • die möglichst geringe Beeinflussung der Natur im Urlaubsziel
  • dabei trotzdem die Natur bzw. den Urlaubsort intensiv erleben
  • die bestmögliche Anpassung an die Kultur des bereisten Landes


Ziele des Deutschen Tourismusverbands (DTV)
Der Deutsche Tourismusverband (DTV) bekennt sich ausdrücklich zu einer nachhaltig zukunftsorientierten touristischen Entwicklung in Deutschland. Dabei appelliert der DTV an alle Verantwortliche sowohl auf der Seite der öffentlichen Hand als auch in den Betrieben, die Vorgaben des nachhaltigen Tourismus konsequent zu verfolgen. In diesem Zusammenhang weist der Verband auch auf die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und ihre vier Hauptregeln bezüglich der Regeneration, Substitution, Anpassungsfähigkeit und Vermeidung nichtvertretbarer Risiken hin. Die Arbeit des DTV orientiert sich an einer nachhaltigen, zukunftsverträglichen Förderung des Deutschlandtourismus. In diesem Kontext spielen auch Zielvorstellungen des Tourismus zum Klimaschutz eine hervorgehobene Rolle. Dabei sind die ökonomischen, ökologischen und sozialen Entwicklungsziele sind gleichwertig und stehen untereinander in enger Beziehung. Insbesondere die Interessen der Touristen sind aus diesem Grunde jederzeit in die Zielsetzungen eingebunden.

Einem Positionspapier zur Folge sind die wichtigsten Ziele in Anlehnung an die Erklärung der World Tourism Organization sind aus Sicht des DTV folgende Punkte:

Ökologische Ziele
  • Intakte Umwelt und Natur – Erhalt und Verbesserung der gewachsenen Natur- und Kulturlandschaften, Schutz bzw. auch Förderung ihrer Einzigartigkeit bzw. Charakteristik, Entwicklung und Förderung regionaler Ansätze zu einem schnell greifenden, nachhaltigen Klimaschutz und Biodiversität.
  • Saubere Umwelt und Natur – Reduzierung der Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden sowie von Lärmemissionen und Abfallerzeugung durch touristische Unternehmen und Gäste, Förderung von Energieeffizienz.
  • Biologische Vielfalt – Respekt und Schutz von Naturräumen, von Pflanzen- und Tierwelt sowie die Vermeidung bzw. Minimierung schädlicher Einwirkungen auf diese.
  • Ressourceneffizienz – Minimierung des Einsatzes von knappen und nicht erneuerbaren Ressourcen bei Entwicklung und Betrieb touristischer Einrichtungen und Dienstleistungen.
  • Klimaschutzkonzepte – Klimaschutzkonzepte auf regionaler, kommunaler und betrieblicher Ebene, die sowohl regenerative Energien, als auch Energieeffizienz- sowie Wärmeschutzmaßnahmen gemeinsam mit den Anbietern umfassen, werden begrüßt. Gerade für die Küstenregionen bedeutet effektiver Klimaschutz auch einen wichtigen Beitrag zum hier teils existenziellen Küstenschutz.
Ökonomische Ziele
  • Anerkennung des Tourismus als eigenständiger Wirtschaftsfaktor, der auch in Planungsprozessen im Rahmen eines umfassenden Interessenausgleichs Berücksichtigung findet.
  • Ökonomische Realisierbarkeit – Sicherung der Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit touristischer Zielgebiete.
  • Lokaler Wohlstand – Sicherung bzw. Förderung des Beitrags des Tourismus zum wirtschaftlichen Wohlergehen in den touristischen Zielgebieten.
  • Sichere Arbeitsplätze und faire Arbeitsbedingungen – Sicherung bzw. auch Steigerung der Anzahl und Qualität der direkt und indirekt vom Tourismus abhängigen Arbeitsplätze in Handel, Handwerk und Dienstleistung. Hierzu gehören sowohl faire Löhne sowie konkrete Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Qualifizierungsangebote.
  • Soziale Gleichberechtigung – angestrebt wird eine möglichst breite und gerechte Teilhabe des ökologischen, ökonomischen und sozialen Nutzens aus dem Tourismus auf die Beteiligten in den Städten und Regionen.
Soziokulturelle Ziele
  • Berücksichtigung der Besucherwünsche im Sinne eines sicheren und erfüllenden regionaltypischen und nachhaltigen Urlaubserlebnisses für alle Besucher.
  • Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an Planungs- und Entscheidungsprozessen zur touristischen Gestaltung und Entwicklung in den Zielgebieten zumindest gemäß den jeweils aktuellen gesetzlichen Regelungen.
  • Erhalt und Förderung des Gemeinwohls – der Lebensqualität in den Zielgebieten bei Berücksichtigung der sozialen Strukturen sowie eine verantwortungsbewusste Nutzung der vorhandenen Ressourcen und Versorgungssysteme im Sinne der Verantwortung für kommende Generationen.
  • Kultureller Reichtum – Achtung und Förderung des historischen Erbes sowie der regionsspezifischen Kultur und Traditionen, damit auch Stärkung der regionalen Identität im ländlichen Raum."


Zahlen und Daten
Der herkömmliche Tourismus wird seit Anfang der 1980er Jahre von den Umwelt- und Naturschutzverbänden als Verursacher von Umweltbelastungen kritisiert. Besonders die vom Massentourismus ausgehende Bewegung ist die Quelle der Emissionen: Der Anteil des weltweiten Tourismus an den Treibhausgasemissionen beträgt ca. 9 Prozent. Es gibt aber auch Schätzungen, die von höheren Werten ausgehen. Eine aktuelle Studie der UNWTO unterscheidet stark zwischen internationalem Tourismus und Inlandstourismus in den verschiedenen Regionen der Welt. Im internationalen Tourismus beträgt der Anteil des Flugverkehrs an den Emissionen mehr als 80 Prozent, bei Inlandstourismus (Global betrachtet) dagegen liegt der touristische Autoverkehr mit mehr als 50 Prozent Emissionsanteil vorne. Beispielsweise kann hier der Inlandstourismus Österreichs genannt werden: Bei der Betrachtung des Tourismus in Österreich ist festzuhalten das der PKW mehr denn je den Verkehr bestimmt. Wie aus einem Bericht des Umweltbundesamts hervorgeht, betrug der Anteil der PKWs am Personenverkehr im Jahr 2006 69,9 Prozent. Der VCÖ hat berechnet, dass der PKW –Verkehr von 2006 bis 2020 um 26 Prozent steigen wird, insofern keine Trendwende eintritt. Auch im Flugverkehr ist ein weiteres Wachstum zu prognostizieren. Fehlende Besteuerung des Treibstoffs Kerosin, fehlender Emissionshandel im Flugverkehr und die Ausklammerung im Kyoto-Protokoll vermeiden das dieser Tendenz entgegengewirkt wird. Aufgrund dieser Zukunftsaussichten ist der nachhaltige Tourismus von weitreichender Bedeutung.

Probleme bei der Umsetzung
Das Konzept des sanften Tourismus bietet große Chancen für Veränderungen im Fremdenverkehr. Problematisch ist hierbei jedoch die Umsetzung des Konzepts. So kann der sanfte Tourismus nicht für alle Reisenden angeboten werden, da dies ab einer bestimmten Sättigungsgrenze zu einem umweltschädlichen Massentourismus führen würde. Zudem sind sanfte Reisen teilweise auch kostenintensiver als die Ferienangebote aus dem Katalog. In diesem Kontext wird befürchtet das die Verteuerung des Reisens dazu führt das Reisen zu einem Privileg kaufkräftiger Schichten wird.
Desweiteren stellen sanfte Reisen wie Radtouren, Wanderungen und Bahnreisen aufgrund gesundeitlicher Probleme für viele Urlauber gar keine Alternative dar. Dadurch bleibt die Zahl der sanften Touristen automatisch niedrig. Diese Argumente wirken sich in der Hinsicht aus, dass der potenzielle Markt für sanfte Reisen bereits begrenzt ist und das Konzept ein Nischenprodukt geblieben ist.
Teilweise wird mit dem Begriff "sanft" auch fälschlicherweise geworben, denn manchmal wird nur ein Element aus dem vielfältigen Konzept verwirklicht. Oft wird der Begriff auch nur aus Marketing gründen verwendet, um neue Kundengruppen zu gewinnen. Die Sorge um die Umwelt wird dabei ausser acht gelassen. Auch wird oftmals auf das Etikett "Sanfter Tourismus" verzichtet, weil Fremdenverkehrsstandorte durch die Zertifizierung einen wirtschaftlichen Rückgang befürchten. Andererseits hat das Konzept langjährige Diskussionen ausgelöst und durchaus ein Umdenken eingeleitet, sowohl bei Anbietern und Politikern als auch bei einigen Reisewilligen. Es wurden Belastungsgrenzen für sensible Landschaftszonen definiert um diese vor entsprechenden touristischen und freiwirtschaftlichen Übernutzungen zu schützen. Selbst der sanfte Tourismus kann nicht ganz ohne ökonomische Wirkungen existieren, denn wirtschaftliche Wertschöpfung ist z. B. für die Beseitigung von entstandenen Schäden notwendig. Wichtig für einen nachhaltigen und sanften Tourismus ist demnach der Maßstab des qualitativen Wachstums und kein weiteres quantitatives Wachstum ohne Rücksichtnahme auf die lokalen ökologischen und soziokulturellen Ressourcen.
Einen wirklich nachhaltigen Tourismus kann es zudem wohl nur nahe des eigenen Heimatortes geben, da allein der Flug in ein weiter entferntes Urlaubsland die eigene Lebensökobilanz negativ beeinflusst und der Umwelt schadet. Hinzu kommt, dass durch die Erschließung eines Tourismusortes in den meisten Fällen die Errichtung von Feriendomizilen einhergeht. Dieser Problematik könnte durch die Vermietung von Wohnraum zu Urlaubszwecken entgegengewirkt werden. Allerdings würden dadurch Positive Effekte für das Urlaubsziel, wie die Entstehung von Arbeitsplätzen, wegfallen.


Dokumente
Tourismus und nachhaltige Entwicklung in Deutschland
nachaltiger Tourismus
Zahlen, Daten, Fakten

Literaturhinweis
  • Jan Jenkins/Roland Schröder (Ed.): Sustainability in Tourism. A Multidisziplinary Approach. Springer Gabler: Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-8349-2806-1
Interne Links

Externe Links

DTV
nachhaltiger Tourismus
Grüner Tourismus in Thailand
sanfter Tourismus - Interview mit Heinz Fuchs

Schlagworte

Klimabilanz, Lebensstil, Ökotourismus, Sanfter Tourismus, Tourismus

Letzte Aktualisierung

26.08.2015 15:07

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