Faktor 10 Club: Appell von 1997

1997 hat der internationale Faktor 10 Club einen dringenden Appell an Führungspersönlichkeiten in allen Ländern erlassen. Diese Erklärung wird seither von führenden Persönlichkeiten der Weltpolitik und Weltwirtschaft zur Lektüre empfohlen und liegt bei allen Weltkonferenzen vor.

„Nationen können innerhalb einer Generation eine zehnfache Effizienzsteigerung beim Einsatz von Energie, Ressourcen und anderen Materialien meistern. Der Faktor-10-Club - eine ursprünglich aus dem Wuppertal Institut in Deutschland hervorgegangene internationale Gruppe hochrangiger Persönlichkeiten aus Regierung, Bürgervereinigungen, Industrie und Wissenschaft - glaubt, dass ein solches Ziel nunmehr technisch erreichbar ist und mit Hilfe entsprechender institutioneller und politischer Anpassungen auch in die Reichweite von Politik und Wirtschaft gebracht werden kann. Im Laufe dieses Prozesses sollte es gelingen, die Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben anhaltend zu verbessern, eine bessere Beschäftigungslage zu erreichen sowie mehr Reichtum zu schaffen und ihn gerechter zu verteilen.

Ein Sprung dieser Größenordnung in Energie- und Ressourcenproduktivität würde die Basis für das Zustandekommen sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Zukunftsfähigkeit stärken. Damit wäre auch die Chance gegeben, die gesamten Ressourcenflüsse aus der Umwelt zu verkleinern. (...)
Die Industrie hat sich seit langem gewünscht, den zunehmenden Belastungen durch End-of-pipe-Umweltschutz zu entgehen, und gewisse fortschrittliche Unternehmen waren dabei auch erfolgreich. Durch den Druck steigender Energie-, Material- und Kapitalkosten während der siebziger und achtziger Jahre wurden leichtere, dauerhaftere und in weniger material- und energieintensive Produkte eingeführt. Ferner wurden Produktionsprozesse so umgestaltet, dass weniger Kapital erforderlich war und Nebenprodukte im Produktionsprozess profitabel wieder oder weiter genutzt werden konnten. Durch systemweite Investitionen in Energie- und Ressourceneinsparung sowie Verbesserungen der Umwelteffizienz konnte gezeigt werden, dass sich ökointelligentes Design von Gütern und Dienstleistungen ausbezahlt und zu neuer Beschäftigung, neuen Märkten und zu neuen Profitbereichen führt. (...)
Leider blockieren althergebrachte und heute noch immer dominierende Formen der Umwelt-, Fiskal- und Ressourcenpolitik weiterhin die Entwicklung zu dieser neuen Energie- und Ressourceneffizienz und somit zur dematerialisierten Wirtschaft. Diese Situation muss sich unbedingt ändern! (...)
Die Zukunftsfähigkeit - Sustainability - erweist sich als Schlüsselkomponente jedes Paradigmenwechsels auf dem Weg ins nächste Jahrtausend. Zukunftsfähigkeit erfordert eine neue Wertschätzung der Natur und eine neuartige Bewertung der Inputmengen für wirtschaftliche Entwicklungen - insbesondere für Energie, Rohstoffe, Chemikalien und andere materielle Inputs. Sie erfordert, dass Umwelt und Entwicklung wechselseitig unterstützend gestaltet werden, und zwar bereits an der Eingangsseite der Wirtschaftszyklen, also eben nicht erst an der Schwanzspitze, wenn Gesellschaft und Wirtschaft bereits die Schadkosten für eine nicht zukunftsfähige Entwicklung verursacht haben. (...)
Zukunftsfähigkeit erfordert eine sorgfältige Balance zwischen lang- und kurzfristigen Zielen und eine Betonung auf Effizienz, Gleichheit und Lebensqualität.

Wird dieser Weg eingeschlagen, so können wir uns auch weiterhin eines hohen Lebensstandards erfreuen und diesen auch der sich entwickelnden Welt eröffnen. Wir können eine Wirtschaft schaffen, die sehr viel schonender mit der Ökosphäre umgeht. Und wir können eine Erde erhalten, auf der zu leben sich lohnt.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, rufen wir Regierungen, die Industrie sowie internationale und Nichtstaatlichen Organisationen auf, den Faktor 10 als strategisches Ziel für die Steigerung der Energie- und Ressourcenproduktivität zu übernehmen.“


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Faktor 10 Institut
Faktor 10 Club
Faktor X: Harry Lehmann
Plädoyer für eine ganzheitliche systemische Stoffstromtheorie
Interview: Faktor X - eine systemische Betrachtung
Faktor 10 Haus

Schlagworte

Faktor 10, Literatur, Nachwachsende Rohstoffe, Schmidt-Bleek

Letzte Aktualisierung

14.10.2015 11:40

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