Ist die WM 2014 nachhaltig ?

Das Gastgeberland Brasilien

Der Austragungsort, der diesjährigen Fußball Weltmeisterschaft ist Brasilien. Abgesehen von Chile und Ecuador grenzt das Land an alle übrigen Länder Südamerikas. Das herrschende Klima kann als tropisch und subtropisch bezeichnet werden. Brasilien verfügt über eine Fläche von 8,5 Mio. qkm und nimmt damit 47 % des südamerikanischen Kontinents ein. In der Hauptstadt Brasília leben 450.000 der 201 Mio. Einwohner.

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Brasilien und Deutschland konzentriert sich auf die gemeinsame Bearbeitung globaler Themen. Beide Länder sind internationale Verpflichtungen zum Klimaschutz und dem Erhalt der weltweiten Artenvielfalt eingegangen. Aufgrund seines Ressourcenreichtums und seines Wirtschaftswachstums birgt Brasilien großes Potenzial, einen entscheidenden Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Ergänzend dazu verfügt Deutschland über die notwendigen Technologien und Erfahrungen in der Projektarbeit. Auf dieser gegenseitigen Ergänzung basiert die enge Partnerschaft beider Länder. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind der
Schutz des Tropenwaldes
, die Förderung von erneuerbaren Energien und eine nachhaltige Entwicklung.

Als Vorreiter und Förderer der Energiewende verfügt Deutschland über umfassendes Know-how im Bereich erneuerbarer Energien. Gerade jetzt, wo in Brasilien Weichen für die künftige klimafreundliche Energieversorgung gestellt werden, ist dies besonders wichtig. Durch Beratung, Finanzierung und Pilotierung von Anlagen in Bereichen wie der Windkraft, Photovoltaik und Biogas trägt Deutschland dazu bei, diese Themen für den brasilianischen Kontext aufzubereiten und die Marktfähigkeit entsprechender Technologien in Brasilien zu fördern.

(Quelle: www.auswaertiges-amt.de)


Maßnahmen der FIFA zur Gestaltung einer nachhaltigen Fußball Weltmeisterschaft

Alle vier Jahre findet eines der größten sportlichen Ereignisse statt: die Fußball Weltmeisterschaft. Die ökologische Bedeutung und die gesellschaftlichen Auswirkungen eines solchen Events sind unumstritten. Bei Turnieren mit einer solchen globalen Tragweite ist es wichtig, alle Aspekte der Nachhaltigkeit abzuwägen. Denn nur auf diesem Wege kann sichergestellt werden, dass am Ende eine nachhaltige Veranstaltung steht, die allen Ansprüchen gerecht wird. Da die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft auf großes internationales Interesse stößt, ist die Austragung auch immer eine Chance positive Eindrücke des Gastgeberlandes zu verbreiten aber auch auf Missstände im Austragungsort hinzuweisen.

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat die FIFA einen Leitfaden mit strategischen Vorgaben zur Nachhaltigkeit veröffentlicht. Dieser soll den richtigen Weg zu einer nachhaltigen Veranstaltung weisen. Einige Schwerpunkte dieses Leitfadens sind:

Ökologisches Bauen: Wie bei zahlreichen vorangegangenen großen Sport-Events müssen die Sportstätten gegebenenfalls erst errichtet werden. So auch in Brasilien. Die meisten neu gebauten Stadien in Brasilien streben eine LEED Zertifizierung an. Um eine möglichst hohe Energieeffizienz zu erreichen, werden auf vielen Stadiondächern Solarzellen zur Produktion erneuerbarer Energie installiert.

Abfallmanagement: Ein zentrales Anliegen bei jedem großen auch nichtsportlichem Event ist das Abfallmanagement. Um die Abfallbewirtschaftung und -entsorgung zu optimieren, wurde eine neues Abfallgesetz in Brasilien verabschiedet. Zudem unterstützen die FIFA und das LOC das Abfallmanagement in den Stadien und an den anderen Austragungsorten, sodass eine Einhaltung der neuen gesetzlichen Vorschriften ermöglicht werden soll. Darüber hinaus soll in Kooperation mit lokalen Genossenschaften das Recycling gefördert werden.

Ausbildung von Freiwilligen: Neben der Aufwertung der Infrastruktur verspricht soll die WM auch der Arbeitslosenquote entgegenwirken, indem Freiwillige eine Ausbildung in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern erhalten. Die FIFA und das LOC wollen neben der Grundausbildung zusätzliche Schulungseinheiten durchführen, um damit die Aussichten der Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Kommunale Unterstützung: Durch die Fußball Weltmeisterschaft richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Nationen auf das Gastgeberland. Für viele Organisationen ist das die Chance auf sich aufmerksam zu machen und internationale Unterstützung zu erhalten. In Brasilien setzen sich viele Organisationen mithilfe des Fußballs für soziale Anliegen ein. Um dieses Organisationen zu unterstützen, hat die FIFA und das LOC die FIFA-Football-for-Hope-Initiative ins Leben gerufen. Diese fördert solche Organisationen mit finanziellen Mitteln und Know-how.

Klimaveränderung: Die globale Erwärmung ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Der Hauptgrund für den Temperaturanstieg ist die Emission von CO2, die primär durch das menschliche Handeln in die Atmosphäre gelangt. Um den Prozess des Klimawandels so gering wie möglich voranzutreiben bzw. diesem entgegenzuwirken, ermittelt die FIFA und das LOC den CO2-Fußabdruck des Turniers. Damit können anschließend entsprechende Maßnahmen zur Vermeidung, Reduktion und Kompensation der Emissionen Maßnahmen getroffen werden.

Aus- und Weiterbildung: Da die Austragung der Fußball Weltmeisterschaft durchaus auch Schattenseiten besitzt, werden über die Football-for-Hope-Initiative verschiedenste Foren für Gemeindeorganisationen inner- und außerhalb Brasiliens organisiert. Im Zentrum steht dabei der Meinungs- und Erfahrungsaustausch zur Austragung der WM und zur wirksamen Bekämpfung sozialer Probleme mithilfe des Fußballs.

Berichterstattung: Gemäß der Vorgaben der Global Reporting Initiative werden die FIFA und das LOC einen umfassenden Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen.

Kritik an der Fußball Weltmeisterschaft

Bereits am 12. Juni 2014 wurde die Fußball WM angepfiffen, doch die Freude über das sportliche Highlight ist gedämpft. Grund dafür sind zahlreiche Faktoren, die im Vorfeld der WM schief gelaufen sind. Viele der von der Regierung versprochenen und dringend benötigten Infrastrukturmaßnahmen konnten nicht rechtzeitig fertiggestellt werden, Gelder wurden veruntreut und es herrschen Proteste gegen die Regierung und die FIFA. Die Einwohner Brasilien leiden unter der allgegenwärtigen Korruption und fordern ein "sinnvolleres" Einsetzen der Gelder.

Im Vorfeld der WM tobten bereits Straßenschlachten in Rio de Janeiro aufgrund der erhöhten Autobustarife. Hinzu kommen Gewaltverbrechen während eines Streiks der Ordnungshüter in Salvador da Bahia. Die brasilianische Bevölkerung kritisiert vor allem den falschen Einsatz der Gelder in Sportstätten, die nach der Weltmeisterschaft nicht mehr benötigt werden. Anstelle der Investition in neue Stadien hätte das Geld in Bildung, Gesundheit oder Armutsbekämpfung gesteckt werden sollen, so der Tenor in der Bevölkerung. Darüber hinaus werden in Brasilien ganze Armenviertel geräumt, um die weltweite Wahrnehmung Brasiliens zu manipulieren und Notstände zu vertuschen. Der Regenwald wurde an manchen Stellen zum Stadiumbau großflächig gerodet. Auch die versprochenen Arbeitsplätze werden häufig durch ausländische "Billigarbeitskräfte" besetzt.

Die Weltmeisterschaft 2014 gilt bereits als teuerste in der Geschichte des Wettkampfes. Das Schwellenland Brasilien lässt sich das sportliche Ereignis mehr als acht Milliarden Euro kosten. Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hat die brasilianische Präsidentin Dilma Youssef jedoch die Kosten des Großereignisses verteidigt. Sie ist der Meinung, dass von den Investitionen in Stadien, Flughäfen und in andere Einrichtungen das Land langfristig profitiere. Auch weißt die Präsidentin darauf hin, dass Sie in ihrer Amtszeit die Ausgaben für Gesundheit und Bildung am stärksten gesteigert habe und die WM außerdem nicht nur Kosten, sondern auch Einnahmen bringe.

Wie die Situation nach der Fußball-WM aussieht lässt sich gegenwärtig nur vermuten. Zu hoffen ist jedoch das Brasilien die getätigten Investitionen sinnvoll zu nutzen weiß.

Nachhaltigkeit im Fußball

Auch im Fußball ist das Thema "Nachhaltigkeit" angekommen. Gegen Ende letzten Jahres veröffentlichte der "Deutsche Fußball Bund (DFB)" einen Nachhaltigkeitsbericht mit dem Slogan: Fußball ist Zukunft. Bei dem, während des 41. Bundestags in Nürnberg veröffentlichten Berichtes, handelt es sich um den ersten offiziellen DFB-Nachhaltigkeitsbericht. Der Bericht stellt eine erste Bestandsaufnahme der Situation im Fußball dar und dokumentiert das breite Engagement der Vereine, den Fußball nachhaltig zu gestalten. Der Bericht zeigt, wie im Spielbetrieb, bei der Wertevermittlung, bei der Unterstützung gesellschaftlicher Aufgaben und im karitativen Bereich verantwortlich gehandelt wird, aber auch, wo das Potenzial des Fußballs zukünftig noch besser genutzt werden kann.

Hier finden Sie den Link zum Nachhaltigkeitsbericht des DFB's.

Thematisch ähnlich geprägt ist die im Juni 2014 erschienene Ausgabe von "UmweltDialog". Inhaltlich geht es vor allem um das Thema Nachhaltigkeit im Fußball. Angesprochen werden dabei die dadurch entstehenden Berufsfelder sowie Wege zur Nachhaltigkeit. Auch die im Hintergrund agierenden Sponsoren werden näher beleuchtet.

Auf internationaler Ebene wiederum ist das Thema Nachhaltigkeit im Fußball scheinbar jedoch noch nicht vollends durchgedrungen. Noch bevor die diesjährige Fußball-WM in Brasilien überhaupt zu Ende geht, steht die WM 2022 in Katar in der Kritik. Auch hier werden erneut Korruptionsskandale, miserable Arbeitsbedingungen und Ausbeutung vermutet. Besonders erschreckend ist, dass in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrere Arbeiter verstorben seien, sollen. Die meisten kamen dabei aus Indien, Nepal, Pakistan, mit der Hoffnung, von dem Bauboom zu profitieren. Sogar FIFA-Präsident Sepp Blatter bezeichnete die WM-Vergabe an Katar kürzlich als „einen Fehler“.

Hier erhalten Sie mehr Informationen über die Situation in Katar.

Es bleibt also abzuwarten, wann und wie das Thema Nachhaltigkeit auch auf internationaler Ebene Bedeutung finden wird.

Dokumente

Fußball & Nachhaltigkeit
"FUSSBALL IST ZUKUNFT" - Der Nachhaltigkeitsbericht des Deutschen Fußball-Bundes
Sustainability Strategy Concept
Sportevents und Nachhaltigkeit

Interne Links

Externe Links

FIFA.com
GIZ - Nachhaltig auch bei der WM in Brasilien
Die WM 2014: Fußball, Samba, ... Nachhaltigkeit?
(E)Mission Fußballweltmeisterschaft 2014

Schlagworte

Fußball, Sport, Tourismus, WM

Letzte Aktualisierung

18.11.2015 10:35

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