Integrierte Berichterstattung

Ein Mechanismus, um nachhaltige Strategien zu entwickeln, ist eine stärker integrierte Berichterstattung. Sie sei „Schlüsselelement“ für die Lösung der vielen Krisen, schreiben die Autoren Robert G. Eccles und Michael P.Krzus in ihrem 2010 erschienenen Buch „One Report“ (Verlag John Wiley & Sons). Eine bessere Firmenberichterstattung sei angesichts der Finanz- und Klimakrise dringender als je zuvor. Die Autoren erläutern anhand vorbildhafter Unternehmen, wie nachhaltige Aspekte seriös in die Finanzberichterstattung integrierbar ist.

Zentrale Leistungsindikatoren, Schlüsselindiktoren für Nachhaltigkeit oder Key Performance Indicators (KPI), wie etwa Kundenzufriedenheitsfaktoren, spielten dabei sowohl für die Transparenz gegenüber Investoren als auch zur Unternehmenssteuerung eine wichtige Rolle. Integrierte Berichte seien sowohl ein Werkzeug als auch ein symbolisches Zeichen, wie ernsthaft sich Unternehmen zur Nachhaltigkeit bekennen. In dem Buch werden die Schlüsselindiktoren für Nachhaltigkeit der DVFA/EFFAS (KPIs for ESG) als Modell für die Einbettung nicht-finanzieller Leistungsindikatoren vorgestellt.

Die Integration von Nachhaltigkeit in den Geschäftsbericht sei sinnvoll, sagt Sabine Schneider, Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Blackpoint. „Denn Nachhaltigkeitsberichte sollen neben ökologischer und sozialer Dimension auch ökonomische Aspekte abdecken. Umgekehrt sind Geschäftsberichte laut Bilanzrechtsreformgesetz gefordert, nichtfinanzielle Leistungsindikatoren zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen anzuführen, soweit sie für den Geschäftsverlauf relevant sind.“ Erste Unternehmen veröffentlichen Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte mit, inhaltliche Verknüpfungen, verstärkt durch leserfreundliche Verweistechniken und Links.

Eine Integrierte Unternehmensberichterstattung („Integrated Reporting“) hat zum Ziel, die klassische Finanzberichterstattung und Berichte zu sogenannten „extra-finanziellen“ oder „nicht-finanziellen“ Aspekten miteinander zu integrieren. Zu letzteren gehören Angaben z.B. zur unternehmerischen Verantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR), nachhaltigem Wirtschaften, zu Umwelt- Sozial- und Governance-Aspekte (englisch: Environment, Social, Governance, kurz: ESG). Integrated Reporting soll besser die miteinander verbundenen Auswirkungen von finanziellen, ökologischen, sozialen und Governance-Faktoren auf den langfristigen Unternehmenserfolg und dessen Rahmenbedingungen reflektieren.

Bei dieser Integration spielen die Zusammenhänge zwischen den beiden Berichtsdomänen sowie Korrelationen und die Nachvollziehbarkeit (Plausibilität) eine wesentliche Rolle. Daneben geht es um eine sinnvollere Koppelung und Aufgabenteilung zwischen internetbasierter Berichterstattung (Website), digitalen Dokumenten und dem papierbasierten Berichtswesen. Die Verfechter des „Integrated Reporting“ argumentieren, nur so lasse sich der Dialog mit den verschiedenen Stakeholdergruppen effektiv und ökonomisch sinnvoll realisieren.

Zu diesem Zweck ist 2010 das International Integrated Reporting Committee (IIRC) Sein Ziel ist, den überfälligen Paradigmenwechsel in der unternehmerischen Berichterstattung voranzutreiben - von einer Vielzahl getrennter Berichte hin zu einem integrierten Bericht aller wesentlichen Leistungsindikatoren, von papierbasierter Kommunikation hin zu einem konvergenten und nutzerorientierten Berichtsansatz. Mit Experten aus aller Welt hat das aus verschiedenen Anspruchsgruppen bestehende IIRC seit 2011 ein Rahmenwerk für eine integrierte Berichterstattung diskutiert, überarbeitet und 2013 veröffentlicht. Zuvor waren in einer Pilotphase international praktische Ansätze getestet worden. In Deutschland haben sich bisher nur einzelne Unternehmen daran gemacht, die Nachhaltigkeit in den Geschäftsbericht zu integrieren, teils im Rahmen dieses Pilotprojekts. 2014 sind die ersten voll integrierten Berichte erschienen.

Die EU-Berichtspflicht zu CSR, zu der die europäischen Gremien 2014 und 2014 einen Kompromiss erarbeitet haben, sieht ebenfalls vor, dass Unternehmen zu ihrer unternehmerischen Verantwortung im Geschäftsbericht informieren; ein ergänzender CSR-Bericht ist erlaubt. Unternehmen sollen zu ihren Leistungen hinsichtlich Umwelt, Gesellschaft, Mitarbeitern, Menschenrechten, Korruptionsbekämpfung und Vielfalt in Führungsgremien (Diversity) berichten. Dafür wird ihnen kein spezielles Rahmenwerk vorgeschrieben, sondern sie können sich auf Schlüsselindikatoren konzentrieren, die sie für relevant und materiell wichtig halten. Statt detaillierter „Nachhaltigkeitsberichte“ sollen Unternehmen knappe Informationen offen legen, die nötig sind, um sich ein Bild von Entwicklung, Geschäftsergebnissen oder Lage einer Gesellschaft zu machen. Der politische Kompromiss sieht allerdings eine viel geringere Reichweite vor, als ihn die EU-Kommission 2013 angepeilt hatte. Es werden nur 6000 statt 18.000 große Unternehmen betroffen sein.

Weltweiter Vorreiter beim Integrated Reporting ist Südafrika: Seit dem 1. Juni 2010 müssen die mehr als 470 an der Johannesburger Börse gelisteten Unternehmen integrierte Unternehmensberichte erstellen anstelle ihrer bisher getrennten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte. Die integrierten Berichte sollen den Nutzern einen umfassenden Blick auf die Firmen geben, indem sie über soziale, ökologische und wirtschaftliche Leistungen ergänzend zu den finanziellen Leistungen informieren. Auch einer Arbeitsgruppe der US-Börsenaufsicht SEC denkt nach Angaben von Beobachtern daran, die vorhandenen Ansätze einer verpflichtenden Berichtserstattung zu ESG auszubauen.

Interne Links zum Thema Berichterstattung
Externe Links
The International Integrated Reporting Committee
DVFA Integrated Reporting Convention 2011
Integrierte Berichterstattung in Südafrika
Weiteres Beispiel integrierter Berichterstattung in Südafrika

Schlagworte

Berichte, Nachhaltigkeitsberichtserstattung

Letzte Aktualisierung

11.08.2015 10:04

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