Nachhaltigkeitslinie: ISO 26000

Eine Arbeitsgruppe der internationalen Normungsorganisation ISO hat 2010 nach fünfjähriger Arbeit die ISO 26000, einen Standard zur sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und Organisationen, verabschiedet. Seit der Zustimmung von zwei Dritteln der teilnehmenden 99 Staaten, ist er seit Anfang 2011 tonangebender Leitfaden für verantwortliches Wirtschaften. Das Dokument erfinde zwar nichts Neues, definiere aber sehr vollständig und systematisch, wie das Thema angegangen werden sollte, heißt es im Bundesarbeitsministerium.

Die ISO 26000 ist jedoch keine Managementsystem-Norm und anders als die Umweltmanagementnorm ISO 14001 weder für Zertifizierungen noch gesetzliche oder vertragliche Anwendung vorgesehen oder geeignet. Allerdings nennt die EU-Kommission die ISO 26000 als eines der Rahmenwerke, an denen sich Unternehmen orientieren können, um die von ihr angepeilte CSR-Berichtspflicht zu erfüllen. Hierzu hat sie im April 2013 einen Richtlinienentwurf vorgelegt.  

Kritiker halten sie für vage und kaum wirksam. Manche Nichtregierungsorganisation sagen dagegen, global gesehen seien viele der vereinbarten Prinzipien ein echter Fortschritt. Außerdem basiert die ISO 26000 auf der Arbeit der größten und gesellschaftlich am breitesten aufgestellten Gruppe, die je einen ISO-Standard entwickelt hat: Vertreten waren die Industrie, Regierungen, Gewerkschaftsvertreter, Verbraucherorganisationen, Nichtregierungsorganisationen, Dienstleistungsbranche, Forschungsinstitute und andere Akteure. Insgesamt nahmen 450 Experten und 210 Beobachter aus den 99 ISO-Mitgliedsländern teil und zusätzliche 42 Organisationen waren in die Arbeit eingebunden, damit die ISO 26000 ein Standard wird, der sich durchsetzt, auch wenn er nicht rechtlich bindend und zertifizierbar ist.

Manch eine Zertifizierungsorganisation wird von Nichtregierungsorganisationen kritisiert, eine Beratung zu der Norm in ihr Produktportfolio aufgenommen zu haben. Zahlreiche Berater und Zertifizierungsinstitute hätten bereits Organisationen nach ISO 26000 zertifiziert, beklagte im April 2011 ein Experte des United States Council for International Business und Vertreter der Stakeholdergruppe Wirtschaft im ISO-Prozess. Problematisch seien nicht nur diejenigen, die darin ein Geschäft sähen, sowie solche Unternehmen, die sich daraus einen Vorteil im Wettbewerb verschaffen wollen. Problematisch sei das auch für die ISO-Strukturen.
Die nationalen Normungsorganisationen sind an das ISO-Votum für „Nicht-Zertifizierbarkeit“ nicht gebunden, sondern können nationale Varianten der ISO 26000 entwickeln, um eine Zertifizierung zu ermöglichen. Das ist bereits in Dänemark mit dem dänischen Standard DS 26001 passiert, dessen Titel dem ISO-Vorbild zum verwechseln ähnelt. Nun werde es nicht nur Zertifizierungen geben, die es eigentlich nicht geben solle, sondern auch unterschiedliche nationale Standards, die von der ISO 26000 abweichen könnten, kritisieren Beobachter und Unternehmensberater. Die ISO hat offenbar keine Handhabe, um dieser Praxis Einhalt zu gebieten. Manche Fachleute erwarten darum weitere Konfusion.

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Schlagworte

ISO , Managementsysteme, Nachhaltigkeitsindex, Nachhaltigkeitsstandards für Unternehmen

Letzte Aktualisierung

18.11.2015 10:43

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