Ökoeffizienzanalyse

Ausgangsidee der Ökoeffizienzanalyse ist es, Produkte und Prozesse nicht nur nach ökonomischen, sondern auch nach ökologischen Kriterien zu beurteilen, den Lebenszyklus zu berücksichtigen und erst dann zu entscheiden, welche Inhaltsstoffe und Designs für Produkte verwendet werden. Seit 2012 gibt es erstmals klare, internationale Vorgaben für Ökoeffizienz-Analysen in der DIN EN ISO 14045 (Umweltmanagement / Ökoeffizienzbewertung von Produktsystemen – Prinzipien, Anforderungen und Leitlinien).

Als erster Konzern entwickelte laut Öko-Institut der Chemiekonzern BASF eine „Ökoeffizenz“-Analyse, die existierende Produkt- und Verfahrensalternativen vergleicht. Inzwischen existieren weit über 50 ähnliche Methoden, adaptiert an die Bedürfnisse der Branche und jeweiligen Unternehmen. Ziel ist, die wichtigsten Produkte und Prozesse auf möglichst wirtschaftliche Art möglichst umweltverträglich zu gestalten. Ökoeffizienzanalysen werden als Instrument für eine Integrierte Produktpolitik (IPP) gesehen, die zum Ziel, die Umweltauswirkungen eines Produktes oder einer Dienstleistung entlang des gesamten Lebensweges zu verbessern.

Wenn Unternehmen damit beginnen, ist das bei einer Vielzahl von Produkten nicht auf einen Schlag möglich. Firmen mit hunderten oder tausenden Produkten machen darum zentrale Vorgaben, bei denen zum Beispiel jeder Produktbereich alle vier Jahre eine mittelfristige Strategie und eine Ökoeffizienz-Analyse für eine wichtige Anwendung vorlegen muss. Der zweite Hebel sind Kriterien dafür, bei welchen Investitionsentscheidungen eine Ökoeffizienz-Analyse zu machen ist. Bei manchen Unternehmen ist sie Bedingung für alle neuen Produkte und Verfahren, für die es auf dem Markt Alternativen gibt. Die Hersteller wählen die jeweils ökoeffizienteste Lösung aus und orientieren daran Forschung, Entwicklung, Produkt- und Verfahrens-, Strategie- und Standortentscheidungen.

Die frühe Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit bringt Unternehmen zufolge wirtschaftliche Erfolge: So lassen sich Produkte mit ökologischem Mehrwert teils besser verkaufen. Durch die Analyse wisse man früher, wo der Trend hingehe und könne Marktanteile halten und ausbauen, heißt es beispielsweise. Oder die Herstellungskosten sinken - längerfristig seien umweltfreundliche Produkte preiswerter, so der Tenor. Oder es lassen sich ökologische, regulatorische oder Reputationsrisiken vermeiden (siehe Firmenwerte in Gefahr – Risiken nicht-nachhaltigen Handelns.)
Bei dem Verfahren werden Produkte oft nicht absolut, sondern bezüglich ihrer Anwendung beleuchtet. Beispielsweise wird ein Dämmstoff hinsichtlich seiner Anwendung im Dach geprüft, weil er dort gut, im Fußboden aber weniger gut wirkt. Dies Vorgehen hilft den Produktstrategen und dem Marketing, sich auf die ökologisch wie wirtschaftlich aussichtsreichen Anwendungen zu konzentrieren. Die Analysen führen oft dazu, dass Unternehmen aus nicht-umweltverträglichen Anwendungen aussteigen, die Herstellung bestimmter Produkte ganz beenden oder nicht in bestimmte Produktfelder oder Firmen einsteigen.

Manche Kritiker bemängeln, aus vorhandenen Alternativen eine zu wählen. Unternehmen sollten besser völlig Unschädliches entwickeln, meint der niedersächsische Chemieprofessor und Ökovisionär Michael Braungart. Weniger schädlich sei nicht umweltfreundlich. Effizienz ändere daran nichts. Der Forscher und Produktentwickler plädiert für „Effektivität“: ein Ziel gänzlich umweltfreundlich und abfallfrei zu erreichen (siehe Cradle-to-Cradle-Konzept).

Lange beschränkten sich die Ökoeffizenz-Analysen auf Umwelt und Ökonomie. Die soziale Dimension wird immer noch in den meisten Konzepten vernachlässigt, kritisiert das Öko-Institut. Es stellte im Herbst 2004 ein Verfahren für Produktinnovationen vor, das die drei Säulen der Nachhaltigkeit Ökonomie, Ökologie und Soziales gleichrangig berücksichtigt. BASF hat als eines der ersten Unternehmen messbare soziale Aspekte aufgegriffen und eine „SocialEcoEfficiency-Balance“-Analyse entwickelt.

Weitere etablierte Möglichkeiten, zusätzlich zu den wirtschaftlichen Aspekten auch eventuelle ökologische und / oder soziale und gesellschaftliche Auswirkungen von Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen zu erfassen und zu bewerten, sind die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für Großprojekte sowie die sogenannte Technikfolgenabschätzung (TFA) dar.


Interne Links zu Management-Werkzeugen
Externe Links
Praxishilfe zur Durchführung von Ökoeffizienzanalysen als Instrument einer Integrierten Produktpolitik
Ökoeffizienzanalyse von Reststoffströmen in der Papierindustrie
Ökoeffizienz im Rahmen von “Prosa“, der Produkt-Nachhaltigkeits-Analyse des Öko-Instituts
Methoden zur Produkt- und Prozessbewertung
Netzwerk der deutschsprachigen Technikfolgenabschätzungs-Community
Faktor X: BASF - Ökoeffizienzanalyse

Schlagworte

Effizienz, Ökoeffektivität, Ökoeffizienzanalyse

Letzte Aktualisierung

07.11.2016 12:42

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