Kuba (Archiv)

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Die über 1.200 km lange und zwischen 30 und 190 km breite Insel Kuba ist die größte unter den vier Hauptinseln der Großen Antillen - die anderen sind Jamaika, Hispaniola (mit den Staaten Haiti und Dominikanische Republik) und Puerto Rico -, die zusammen etwa 90 % der Fläche aller Karibischen Inseln ausmachen. Der Staat Kuba umfasst neben der Hauptinsel Kuba noch mehrere kleine Inseln im Norden und Süden und weist eine Fläche von insgesamt 111.000 km² und eine Bevölkerung von rund 11 Mio. Menschen auf.

Geschichte
Kuba stand lange Zeit unter spanischer Kolonialherrschaft. Der seit 1868 um Kuba geführte Unabhängigkeitskrieg endete 1989 mit der Besetzung Kubas durch die USA. 1901 erhielt Kuba seine erste Verfassung, jedoch mit US-Vorbehaltsrechten. Mit dem sog. Platt Amendment - einem Zusatz zum Armeehaushaltsgesetz - sicherte sich die US-Besatzungsmacht das Recht auf unbeschränkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten Kubas. Weiter erhielten die USA den Flottenstützpunkt Guantánamo, der heute vor allem dafür bekannt ist, dass die USA dort seit der Invasion in den Irak völkerrechtswidrig (Genfer Abkommen!) mehrere Hundert Menschen wegen Terrorverdachts ohne formelle Anklage, Gerichtsverfahren oder rechtlichen Beistand festhalten.

Auf die 1902 erreichte formelle Unabhängigkeit folgte eine wechselhafte innere Entwicklung, unter politischer und wirtschaftlicher Dominanz der USA. So traten US-amerikanische Unternehmer zunehmend an die Stelle der reichen Plantagenbesitzer, die wirtschaftlichen Strukturen blieben aber unangetastet. Die sozialen Unterschiede zwischen einer kapitalkräftigen Oberschicht, die vorwiegend in Havanna lebte, und einem Heer landloser Bauern wurde immer größer. Es kam zu Unruhen. Als es ab Beginn der 1920er Jahre zu einem Preisverfall des Zuckers auf dem Weltmarkt kam, konnte die herrschende Oligarchie der politischen Instabilität nur durch die Errichtung einer Diktatur Herr werden. General Gerardo Machado Morales gelangt 1925 mit tatkräftiger Unterstützung der amerikanischen Industriellen Rockefeller, Guggenheim und Morgan ins Präsidentenamt. Morales installierte eine extrem nationalistische Regierung und liess politische Gegner unterdrücken, verfolgen und ermorden. Auf ihn folgten mehrere von den USA unterstützten Diktatoren ("Präsidenten"); der letzte von ihnen war Fulgencio Batista, der von 1940 bis 1944 und nach einem erneuten Putsch von 1952 bis 1958 regierte. Das Interesse der USA war ökonomischer Art: Ende der 50er Jahre befand sich Kubas Wirtschaft - insbesondere der Bergbau, das Transportwesen und die Telekommunikation - zu fast 90 % in den Händen von US-Kapital.

Zu Beginn der Diktatur Batistas formierte sich Widerstand, der sich in zwei größeren Bewegungen organisierte: die von dem Rechtsanwalt Fidel Castro Ruz mit begründete Bewegung des 26. Juli (Movimiento 26 de Julio [=M-26-7]), bestehend aus Studenten, Freiberuflern und Mitgliedern der städtischen Mittelschichten und Teilen der bürgerlichen Opposition gegen Batista. Die M-26-7 forderte nationale Unabhängigkeit, Reformen in Wirtschaft und Sozialwesen sowie eine Landreform. Weitere bürgerliche Oppositionellen sammelte sich im Directorio Revolucionario (=DR). Der Schwerpunkt der M-26-7 lag auf dem Guerillakampf. Batista versuchte mit exzessiven Repressionen und offensiven Kämpfen Anfang 1958, gegen die Guerilla vorzugehen. Er verlor dadurch nicht nur die Unterstützung beinahe aller Teile der Bevölkerung, sondern auch der USA, die ab März 1958 alle Waffenlieferungen unterbanden. Batistas Armee zeigte zunehmend Verfallserscheinungen. Nach gut einem Jahr Guerillakrieg wurde die Diktatur Batistas im Januar 1959 durch dessen Flucht ins Ausland und die Machtübernahme durch die Oppositionskräfte beendet, an deren Spitze sich Castro setzte. Die neue Regierung leitete mehrere Reformen ein, darunter die versprochene Landreform, und nahm Außenhandelsbeziehungen auch zu anderen Staaten auf.

DEZA - Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Schweiz:
Die von Fidel Castro Ruz angeführte Revolution führte ab 1959 zu einer durchgreifenden Umgestaltung des Staates: Alphabetisierungskampagnen, freier und kostenloser Zugang zu Erziehungs- und Gesundheitseinrichtungen, Verstaatlichung der Wirtschaft und weitgehende Kollektivierung der Landwirtschaft. Kuba ist heute ein Einparteienstaat mit zentraler Lenkung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.


Die anfänglich noch freundliche Einstellung der USA zur neuen kubanischen Führung nahm in dem Maße ab, wie sich Kuba wirtschaftlich von der Dominanz der USA zu befreien suchten. Die Eskalation verlief schrittweise. So weigerten sich im Jahr 1961 die in US-amerikanischem Besitz befindlichen kubanischen Raffinerien, Öl zu verarbeiten, das Kuba aus der UdSSR importiert hatte. Daraufhin verstaatlichte die Regierung die Raffinerien, worauf die USA mit einer Abnahmeverweigerung des kubanischen Zuckers reagierten. Kuba konterte mit der entschädigungslosen Enteignung des gesamten US-Besitzes. Darauf reagierten die USA im Januar 1961 mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Kuba. Am 15. April 1961 begannen die USA ihre Angriffe gegen die kubanische Luftwaffe und versuchten eine Invasion in der sog. Schweinebucht, die allerdings zwei Tage später scheiterte.

Anfang 1962 reagierten die USA mit einem vollständigen politischen und wirtschaftlichen Embargo gegen Kuba. Zudem wurde Kuba im Juli 1962 das Teilnahme- und Abstimmungsrecht in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) entzogen; seither ruht die kubanische Mitgliedschaft.

Die sog. "Raketenkrise" (Kuba-Krise) im Oktober 1962 - die heimliche Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen auf Kuba durch die UdSSR und die darauf folgende Drohung eines Militärschlag durch die USA - brachte die Welt nahe an den Rand eines Atomkrieges. Trotz des wirtschaftlichen Embargos der USA und anderer westlicher Staaten konnte die Volkswirtschaft Kubas nur aufgrund der Unterstützung seitens der Ostblockländer überleben. Diese hatte Kubas landwirtschaftliche Produkte über dem Marktpreis gekauft und Finanzhilfen geleistet, allein die UdSSR zahlte zuletzt umgerechnet 5 Milliarden Dollar jährlich; zum Vergleich: das heutige Bruttosozialprodukt Kubas liegt in einer Größenordnung von etwa 30 Milliarden Dollar jährlich.

Nachdem Kuba auf amerikanisches Betreiben hin in der Region relativ isoliert wurde, engagierte sich Kuba als Gegenleistung für die Unterstützung der UdSSR von 1975 bis 1991 als Interventionsmacht in Angola und Äthiopien.

Wirtschaft
Als mit dem Ende der UdSSR 1991 der wichtigste Handelspartner wegfiel, kam es in Kuba zu einer ökonomischen Krise, die bis heute andauert. Die desolate Wirtschaftslage zwang die Regierung zu marktwirtschaftlichen Reformen, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Neben der Planwirtschaft entstand so eine zweiter produktiverer Wirtschaftsbereich mit marktwirtschaftlichen Elementen. Erstmals wurden kleine Familien- und Einpersonenbetriebe zugelassen, einige Staatsbetriebe wurden nach betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen geführt und Bauern durften einen Teil ihrer produzierten Waren selbst verkaufen. Zur Nutzung ausländischen Investitionskapitals wurden Joint-Ventures mit kubanischen Staatsunternehmen gegründet.

Die tragenden Säulen der Wirtschaft Kubas heute sind
  • Nickelproduktion und -export (45% Anteil an den Güterexporten von schätzungsweise 2,250 Mrd. US$.) nach Bundesagentur für Außenwirtschaft
  • Tourismus (2003: 2,3 Mio. Touristen, 2,35 Mrd. US$ Jahreserlöse); in Varadero und anderen Tourismusgebieten wurde laut Auswärtigem Amt mittlerweile erfolgreich der Euro als Zweitzahlungsmittel eingeführt.
  • Landwirtschaft - Zucker, Kaffee, Tabak
  • Auslandsüberweisungen der Exilkubaner (jährlich ca. 1 Mrd. US$).
Besondere Handelsbeziehungen bestehen mit Venezuela. Letzteres lässt sich die umfangreichen Lieferungen von Erdöl (2005: rund 90.000 barrel pro Tag; 1 barrrel = 159 l) für etwa die Hälfte des Weltmarktpreises mit dem Einsatz von kubanischen Ärzten, Lehrern und Trainern bezahlen. So gaben die Kubaner nach Angaben der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) im Jahr 2005 rund 175 Mio. US$ für den Erwerb von optischen Instrumenten usw. für die Durchführung des Programmes “Operación Milagro” aus. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt von Kuba und Venezuela sollen vor allem Sehstörungen venezolanischer Patienten behoben werden.

Weitere enge Beziehungen bestehen bei der Nickelproduktion mittlerweile mit China sowie der kanadischen Firma Sherrit International und auch mit Iran.

Kuba und die EU
Kuba ist einer der wenigen Staaten, mit dem die EU bislang kein Kooperationsabkommen abgeschlossen hat und der damit in der Außen- und Wirtschaftspolitik der EU einen Sonderstatus einnimmt. Hinter- und Hinderungsgrund ist der so genannte "Gemeinsamen Standpunkt" von 1996, zuletzt aktualisiert im Juli 2006, in dem es vor allem un die (Nicht-)Beachtung der Menschenrechte geht. Das Europäische Parlament wünscht sich hier ein deutlicheres Engagement und ein Einwirken der Europäischen Union auf die USA für ein Ende der Embargopolitik. Mehr dazu auf unseren Seiten
Kuba: Entwicklungszusammenarbeit mit der Schweiz
DEZA - Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Schweiz:
"Seit 1997 leistet die Schweiz in Kuba humanitäre Hilfe, insbesondere im medizinischen Bereich. Ende 2000 begann die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit mit der Umsetzung eines Spezialprogramms. Ziel dabei ist, die kubanische Gesellschaft darin zu unterstützen, die weitere Entwicklung des Landes friedlich, partizipativ und unter Wahrung der sozialen Errungenschaften voranzubringen. Hierfür werden lokale Initiativen gefördert, welche konkrete Lösungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen beinhalten und zur institutionellen Stärkung beitragen. Damit eine weitere Öffnung Kubas stattfinden kann, fördert die Schweiz zudem den Dialog sowie den Informationsaustausch auf internationaler Ebene. Lesen Sie mehr darüber auf unserer Seite
Kuba auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
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Quellen:
Auswärtiges Amt zu Kuba
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer, Institut für Geschichte der Universität Wien: Die Kubanische Revolution
globaldefence.net

Interne Links
Externe Links
Nationalversammlung von Cuba (Asamblea Nacional del Poder Popular. República de Cuba) (spanisch)
Außenministerium (Ministerio de Relaciones Exteriores) (spanisch)
Umweltportal (spanisch)
Granma (deutsch), das offizielle Organ der Kommunistischen Partei Cubas und zugleich die größte Tageszeitung des Landes
UN Department of Economic and Social Affairs: Division for Sustainable Development: National Information - Cuba (englisch)
Vereinte Nationen Daten: Kuba (englisch)
UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) auf Kuba (spanisch)
Bertelsmann-Stiftung: Den Wandel gestalten. Strategien der Entwicklung und Transformation. Kuba, 2003

Schlagworte

Länder

Letzte Aktualisierung

11.05.2015 12:14

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