Nachhaltigkeitsaspekte in der Internet-Nutzung

Klimaneutrale Onlineshops und umweltfreundliche Produkte

Die Bedeutung von Onlineshops wächst: Immer mehr Menschen bestellen immer öfter Bücher, Bekleidung und andere Produkte im Netz, ganz besonders im letzten Kalenderquartal, wenn der Kauf von Weihnachtsgeschenken ansteht. Das Problem: Onlineshops benötigen ein leistungsstarkes Rechenzentrum mit Servern, Netzwerktechnik und Klimaanlagen, d. h. durch direkte oder indirekte Freiluftkühlung oder mittels Wasserkühlungstechnologie werden die Geräte auf Betriebstemperatur gehalten. Die Einrichtungen bringen einen hohen Energieverbrauch von mehreren Terawattstunden Strom sowie hohe CO2-Emissionen mit sich.

Es gibt dennoch zahlreiche Möglichkeiten, einen Onlineshop klimaneutral zu betreiben. Die Onlineprinters GmbH beispielsweise arbeitet eng mit diversen Klimaschutzpartnern zusammen. Dadurch werden alle entstandenen CO2-Emissionen über ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt ausgeglichen. Dieses wiederum versorgt Haushalte in Kenia mit Wasserfilteranlagen, die langfristig die Emission von Treibhausgasen reduzieren.

In der Studie „Nachhaltigkeit im Onlinehandel – Die Rolle von Ausgestaltung und Kommunikation“ aus dem Jahr 2014 hat sich gezeigt, dass Webshopper jedoch darüber hinaus weitere Kriterien im Blick haben:
85 Prozent der Befragten legen Wert darauf, dass ihnen keine umweltschädlichen Produkte angeboten werden. 81 Prozent der Umfrageteilnehmer möchten, dass überwiegend zweckdienliche und langlebige Produkte in den Onlineshops beworben werden. Das Einsparen von überflüssigem Verpackungsmaterial ist für 78 Prozent der Befragten wichtig. 63 Prozent befürworten es, vom Onlineshop darauf hingewiesen zu werden, dass die Bestellung eines Artikels in mehreren Farben und Größen die Umwelt belastet. Auch Anreize zur Vermeidung von Retouren sind eine Methode, mit der Onlineshops die Umwelt entlasten können, und die von 60 Prozent der Kunden geschätzt wird.

Ein weiterer Ansatz ist es, durch das Angebot gebrauchter Produkte den nachhaltigen Konsum anzuregen. Denn auf diese Weise kann die Lebens- und Nutzungsdauer von Artikeln verlängert und die Umwelt entsprechend geschont werden. Onlineshops wie eBay waren hierbei Vorreiter.

Green IT, Fair IT und Refurbished IT

Green IT steht für die Versuche, die Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Informations- und Kommunikationstechnologien über den gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und ressourcenschonend zu gestalten. Von der „Climate Savers Computing“-Initiative bis zur „Green IT Allianz“: Die Bemühungen sind schon jetzt vielfältig. Ein wichtiges Kriterium ist dabei der niedrige Stromverbrauch neuer Hardware. Die „Green IT Allianz“ unterstützt beispielsweise die Entwicklung neuer Geräte, die besonders energieeffizient sind. Auch die „Climate Savers Computing“-Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Energieverbrauch von Computern zu reduzieren. Unerlässlich ist zudem die ausschließliche Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Darüber hinaus ergeben sich Energiesparpotenziale aus leistungsoptimierter und passgenauer Software.

Der Ressourcenverbrauch ist jedoch nur ein Aspekt, nicht weniger bedeutend ist die Frage: „Wie fair werden neue Geräte und das entsprechende Zubehör hergestellt?“. Hierbei geht es nicht nur um gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Produktion, sondern auch um die Herkunft der Rohmaterialen, konkret: um den Verzicht auf Rohmaterialien aus Konfliktgebieten oder aus fragwürdiger Gewinnung. Doch wie ist der aktuelle Stand bezüglich der fairen IT? Hier besteht eindeutig noch Verbesserungspotenzial: Der Verein Nager-IT arbeitet zwar an einer fairen Computermaus, jedoch muss hierbei noch einiges optimiert werden. Auch das Fairphone ist zwar noch weit von 100 Prozent fair entfernt, jedoch bereits ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Organisation make IT fair setzt sich für einen fairen und ökologischen Lebenszyklus von Geräten ein – vom Design bis zum Abbau.

Eine weitere wegweisende Bewegung, um die Internetznutzung nachhaltiger auszurichten, ist die Refurbished IT. Konkret: die Generalüberholung, Reinigung und Prüfung ausgemusterter Hardware, die anschließend als gebrachtes Produkt wiederverkauft werden kann. Refurbishment macht eine Nutzung der Geräte für viele weitere Jahre möglich – ohne dass es zu Qualitätseinbußen kommt. Besonders im Business-Bereich wird diese Möglichkeit zunehmend eingesetzt.

Grüne Produktion

Bei der Herstellung eines einzigen Computers wird die Umwelt durch CO2-Produktion und hohen Wasserverbrauch stark belastet. Darüber hinaus werden dafür einige kritische Rohmaterialien benötigt: Diese sind teuer, knapp und nicht erneuerbar. Beispiele hierfür sind etwa Gallium und Indium. Hinzu kommt, dass die Ressourcengewinnung oft weder unter Achtung der Menschenrechte noch auf den Grundlagen sozialer Gerechtigkeit erfolgt.

So kann ein erster Beitrag zur Nachhaltigkeit bereits bei der Herstellung der Hardware sowie der Informations- und Kommunikationstechnologien geleistet werden, indem auf eine möglichst umweltschonende und langlebige Produktion geachtet wird. Entwicklungen wie Cloud-Computing tragen zudem dazu bei, dass die Produktion von Hardware deutlich reduziert werden kann. Beim Cloud-Computing handelt es sich um die Ausführung von Computerprogrammen, die nicht auf dem lokalen Rechner installiert sind. So lassen sich grundsätzlich lokale Ressourcen wie Software und Hardware einsparen.

Das Problem: Laptops, Computer und Smartphones werden zwar immer energieeffizienter, gleichzeitig wächst jedoch auch die Anzahl der Geräte. Hier lässt sich also ein typischer Rebound-Effekt beobachten, und zwar sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich.

Nachhaltige Nutzung des Internets und der Geräte

In der SMART2020-Studie wurde berechnet, dass im Jahr 2020 weltweit 1,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) entstehen könnten. Auch bei der Nutzung des Internets und der Geräte kann jedoch nachhaltig gehandelt werden. Hier können mehrere Aspekte genannt werden:
  • Wer auf IKT umsteigt, die unter Nachhaltigkeitsaspekten hergestellt wurden, kann helfen, CO2 einzusparen!
  • Das Internet ist auch eine Chance für ein nachhaltiges Handeln: So macht das Netz es beispielsweise möglich, umweltschädigende Geschäftsreisen mit dem Auto oder Flugzeug zu verringern und durch Videokonferenzen zu ersetzen.
  • Selbst wenn die Bemühungen für die Entwicklung klimaneutraler Onlineshops in vollem Gange sind, sollten umweltbewusste Verbraucher versuchen, ihre Einkäufe per Internet sehr bewusst und fokussiert zu tätigen. Denn nicht nur der Betrieb der Rechenzentren, sondern auch die Lieferung (etwa per Flugzeug) wirkt sich unter Umständen negativ auf die Umwelt aus.
  • Sollen doch Produkte im Netz gekauft werden, kann durch den Kauf gebrauchter Artikel ebenfalls ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.
  • Werden die Geräte nicht benutzt, sollten sie komplett ausgeschaltet werden, statt nur auf Standby gelassen zu werden: Auf diese Weise kann eine beträchtliche Menge an Energie gespart werden.
  • Bei der Google-Suche hinterlassen Menschen einen sogenannten CO2-Fußabdruck: Bei rund 200 Millionen Suchen weltweit von etwa 0,2 Sekunden am Tag entstehen zwischen 0,2 und 10 Gramm CO2. Werden dann auch noch Videos angeschaut, steigt der CO2-Ausstoß um ein Vielfaches an. Ein Tipp für Verbraucher: Es gibt auch Öko-Suchmaschinen, die das CO2 ausgleichen oder einen Teil ihrer Einnahmen an NGOs spenden.

Umweltbewusste Entsorgung

Wir leben in einer Wegwerf- und Konsumgesellschaft, und für die Nutzung des Internets erforderliche Geräte wie Laptops, Tablets und Smartphones werden in der Regel sehr schnell entsorgt und durch ein neueres Modell ersetzt. So beträgt derzeit die durchschnittliche Lebensdauer eines Laptops drei Jahre, die eines Smartphones sogar nur 18 Monate. Kein Wunder also, dass sehr viel Müll produziert wird, der negative Folgen für die Umwelt hat. Nicht nur Unternehmen, sondern auch Verbraucher können versuchen, über Refurbishment die Lebensdauer von Rechnern zu verlängern und so zur Reduzierung der Emissionen beizutragen. Oft tut es auch noch das alte Gerät, anstatt dass gleich wieder ein neues gekauft werden muss.

Wenn dann doch irgendwann ein neues Gerät her muss, stellt sich die Frage, was mit dem alten Gerät passieren soll. Kaum jemand entsorgt Geräte wie Laptops und Smartphones richtig: Entweder liegen diese weiterhin zuhause herum, oder sie landen fälschlicherweise auf dem Restmüll. Für die richtige und umweltbewusste Entsorgung gibt es zwei Möglichkeiten:
  • Seit 2013 sind Großhändler zur Rücknahme und zum Recycling der Geräte verpflichtet.
  • Auch bei Recyclinghöfen können die alten Geräte abgegeben werden.

Slow Media

Auch bei der Produktion von Internetinhalten kann auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Dies wird unter dem Begriff Slow Media zusammengefasst und bedeutet eine Verlangsamung des Internets als Alternative zur sonst üblichen Informationsüberflutung im Netz. Die Inhalte werden also mit großer Sorgfalt produziert. Im gleichen Zug soll das Internet auch als Aufklärungsmedium fungieren und Inhalte über Nachhaltigkeit verbreiten, um das Umweltbewusstsein noch stärker in der Gesellschaft zu verankern und zu einer umweltverträglicheren Lebensweise aufzurufen.

Externer Link:

Slow Media – Eine Einführung

Schlagworte

Druckerei, Green IT, Internet, Onlineshop, Slow Media

Letzte Aktualisierung

24.03.2017 16:41

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