Mobiltelefon / Handy / Smartphone

Gibt es umweltfreundliche Mobiltelefone?

Einleitung

Für viele Nutzer sind Handys und insbesondere Smartphones unersetzlich geworden. Im Alltag stellen sie einen mehr oder weniger wichtigen Helfer dar und lassen sich aus der gegenwärtigen Gesellschaft kaum noch wegdenken. Doch gerade bei der Produktion von Mobiltelefonen gibt es noch einen großen Nachholbedarf. Ein Großteil der Bestandteile, die bei der Produktion von Smartphones und Ipads genutzt werden, stammen nicht aus einer nachhaltigen Quelle und lassen sich zudem nur schwer zu Recyceln oder Entsorgen. Hinzu kommt, dass die "Kleinen-Alltagshelfer" häufig unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Mit Blick in die Zukunft versuchen Entwickler wie der niederländische Designer Dave Hakkens aus diesen Gründen ein umweltfreundliches Mobiltelefon zu entwickeln welches vor allem durch eine einfache Reparatur glänzen soll.

Problem: Wohin mit meinem alten Handy ?

Oftmals wechseln Handynutzer ihr Elektronikgerät nur deshalb aus, weil es nicht mehr dem neuesten Stand entspricht. Problematisch ist, dass dabei die alten Elektronikgeräte in der Schublade verschwinden oder häufig über den normalen Hausmüll entsorgt werden. Letzteres ist nicht nur verboten, sondern schädigt auch zusätzlich die Natur. Handys bestehen aus einem bunten Materialmix. Zu den Hauptbestandteilen zählen Acrylnitril-Butadien-Styrol-Polycarbonat (ABS-PC), Keramik und Kupfer. Hinzu kommen Zinn, Blei, Kobalt, Aluminium, Wolfram, Gold, Palladium, Mangan, Lithium-Verbindungen, Chromoxid, Flüssigkristalle, Beryllium, Phosphor und Molybdän. Diese Stoffe sind zu großen Teilen nicht natürlich abbaubar. Aufgrund einer unsachgemäßen Entsorgung können die Inhaltsstoffe über den Boden, dass Grundwasser und die Atmosphäre in die Umwelt gelangen und so zu einer Gefahr für Mensch und Umwelt werden.
Aufgrund der ständigen technologischen Entwicklung und dem regelmäßigen Neuerscheinen von Mobiltelefonen sinkt die Nutzdauer eines Handys auf ca. 18 Monate. Nach Schätzungen von Industrie und Regierung liegen in deutschen Haushalten inzwischen mehr als 80 Millionen veraltete oder kaputte Mobiltelefone herum. Dabei können in Handys verbaute Materialien - darunter wertvolle, aber auch potenziell schädliche Rohstoffe - inzwischen größtenteils wiederverwertet werden. Die Deutsche Telekom etwa schätzt diesen Anteil auf bis zu 80 Prozent.

Um die Umweltauswirkungen zu reduzieren und den Elektroschrott zu minimieren ist deswegen ein Produktgerechtes Recycling notwendig. Da die meisten Handys ausrangiert werden, weil sie nicht mehr den neuesten Standards entsprechen, jedoch noch einwandfrei funktionieren ist ein hochwertiges Recycling gar nicht so schwer. Insofern Mobiltelefone getrennt von allen anderen Altgeräten gesammelt werden, können die Geräte oftmals erneut verwendet werden. Ist eine erneute Nutzung nicht möglich, werden die Geräte fachgerecht zerlegt, und die Bauteile wie Akkus und Displays, die gefährliche Stoffe enthalten entfernt. Während Kunststoffteile zunächst von Hand entfernt werden, gelangen die Überbleibsel in einen Schredder, in dem der Rest mechanisch zerkleinert wird. Dies geschieht, um danach die einzelnen Bestandteile besser auseinander sortieren zu können. Die abgetrennten Kunststoffbestandteile werden in den häufigsten Fällen verbrannt, um dadurch die notwendige Energie für die Schmelzprozesse zu gewinnen (thermische Verwertung). Durch diesen Prozess besitzen die recycelten Ressourcen auch eine deutlich bessere Energiebilanz als die neu aus dem Bergbau gewonnenen Materialien. Obwohl die Kunststoffe selber zwar auch eine wichtige Ressource darstellen, ist die Verbrennung eine gute Lösung des Abfallproblems. Da Handys oft aus unterschiedlichen Kunststoffen bestehen, gelingt eine sortenreine Trennung der verschiedenen Kunststoffe derzeit noch nicht. Bei Metallen funktioniert die Verwertung jedoch sehr gut.
Insbesondere die sogenannte Leiterplatte des Handys enthält wertvolle Edelmetalle. Durch eine modern ausgerüstete Metallhütte (Schmelze) können diese wertvollen Ressourcen abgetrennt und zu einem sehr großen Teil zurückgewonnen werden. Damit können sie erneut für die Produktion von Mobiltelefonen genutzt werden. Das Recycling schont also nicht nur knappe und teure Edelmetall-Ressourcen, sondern ermöglicht auch eine schadlose Entsorgung gefährlicher Schwermetalle. Jedoch ist die wichtigste Voraussetzung: Die getrennte Sammlung der Handys. Werden diese achtlos weggeworfen, ist ein solches Recycling nicht möglich. Hinzu kommt, dass durch eine falsche Entsorgung die Elektronikgeräte nicht dem Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden. Im Gegenteil, dadurch dass die Bestandteile nicht ordnugsgemäß Recycelt werden, gelangen diese in die Umwelt und schaden dem Boden, dem Wasser und letzendlich auch dem Menschen selbst. Problematisch ist ebenso die Gewinnung der Rohstoffe für die Handyproduktion. Beispielsweise werden diese in der demokratischen Republik Kongo durch Bergbau gewonnen. Der Abbau findet jedoch unter Menschenunwürdigen Bedingungen statt. Dies gilt ebenso für viele Fabbriken in denen die Handys zusammengebuat werden. Beispielsweise arbeiten Menschen in China oft ohne Arbeitsvertrag und mit sehr geringem Lohn in solchen Betrieben. Um ein nachhaltiges Handy zu produzieren muss also speziell bei der Produktion und Rohstoffgewinnung selber bereits eine nachhaltige und faire Vorgehensweise stattfinden.

Besserung verspricht das Unternehmen Fairphone. Die Amsterdammer Firma gibt an ihre Handys unter Fairen Bedingungen herzustellen. Beispielsweise sollen Materialen welche aus dem Bergbau gewonnen werden nur in Gebieten gefördert werden, in denen kein Bürgerkrieg herrscht. Ziel des Unternehmens ist die Produktion eines Handys welches unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wird, eine lange Lebensdauer zur Müllreduzierung besitzt und auf konfliktfreien Rohstoffen basiert. In der Vergangenheit stand Fairphone jedoch häufiger in der Kritik, da die Herstellung des Handys nicht wie geplant gänzlich unter fairen Bedingungen stattfand. Auch wurde dem Unternehmen Greenwashing vorgeworfen.
Trotz aller Kritik sind die Ideen die die Gründer verfolgen als richtiger Schritt in Richtung eines nachhaltigen Handys zu sehen. Nur die Umsetzung muss hier noch entschieden verbessert werden.

Wer sein "altes" oder defektes Mobiltelefon loswerden möchte kann dies an folgenden Stellen versenden:

Wie wird ein Handy nachhaltiger ?

Damit Handys in Zukunft nachhaltiger und Umweltfreundlicher sind, soll vor allem der Austausch von defekten Bauteilen einfacher erfolgen. Häufig werden Smartphones entsorgt, weil ein Bauteil defekt ist. Der Austausch des Bauteiles ist dabei aufgrund der Miniaturisierung in vielen Fällen nicht möglich oder zu kompliziert. Aus Platzgründen werden die Bauteile meistens verklebt, sodass im Falle eines Defektes ein Austausch gar nicht oder nur schwer möglich ist. Aus diesem Grund ist das Verschrauben von Bauteilen aus Sicht des Recyclings vorteilhafter. Speziell mit dieser Problematik hat sich der niederländische Designer Dave Hakens auseinandergesetzt. Um den wachsenden Müllbergen, die durch Handys und Smartphones noch gefördert werden, gegenüberzutreten, hatte er eine einfache und dennoch geniale Idee: Warum nicht ein Handy entwickeln, welches von jedermann repetiert werden kann ?!
Die einzelnen Bauteile sind dabei würfelförmig auf einer Basisplatte angeordnet. Der Vorteil liegt darin, dass hierbei nicht wie herkömmlichen Smartphones die Bestandteile fest verbaut sind, sondern sich leicht austauschen lassen. Im Falle eines Defektes muss somit nicht das ganze Handy entsorgt und ein neues angeschafft werden, sondern lediglich das Bauteil ersetzt werden. Darüber hinaus ermöglicht diese Bauweise einen individuellen Aufbau des Handys nach den eigenen Bedürfnissen. Für Hobbyfotografen kann zum Beispiel eine entsprechend hochauflösende Kamera eingebaut werden. Auch die ständige Aktualität des Handys wäre dadurch gesichert. Zu dem Projekt "Phoneblocks" muss allerdings gesagt werden, dass gegenwärtig noch kein solches Handy gebaut wurde. Allerdings arbeitet Hakkens mittlerweile mit Motorola zusammen um dieses Projekt umzusetzen.

Ein durch und durch umweltfreundliches Mobiltelefon gibt es gegenwärtig noch nicht. Erste Schritte in Richtung Umweltfreundliche Handys ging das Unternehmen Sony Ericcson mit dem c901, welches 2009 erschien. Sony Ericson versucht mit diesem Handy den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu reduzieren. So wurde das Gehäuse zur Hälfte aus recyceltem Material hergestellt und ein Sensor eingebaut der die Display-Helligkeit der Umgebungshelligkeit anpasst, um so den Akku zu entlasten und die Lebensdauer zu verlängern. Auch bei der Verpackung wurde gespart. So liegt beispielsweise eine gedruckte Anleitung gar nicht erst vor.
Auf dem "Mobile World Congress" wurden zudem weitere ökologische Mobiltelefone vorgestellt. Darunter auch Modelle mit integrierten Solarzellen.

Problematisch ist jedoch, dass sich solche Ideen bisher kaum durchgesetzt haben. Dies hängt möglicherweise mit dem hohen Anschaffungspreis, dem Design oder der Aktualität bzw. Funktionalität zusammen. In Zukunft ist deswegen ein Umdenken beim Konsumenten notwendig, welches sich auch wieder auf die ursprüngliche Aufgabe von Handys bezieht: dem Telefonieren. Auch sollte vor dem Handykauf darüber nachgedacht werden, ob ein neues Smartphone aufgrund eines Defektes oder aus Modegründen gekauft wird.

Nachhaltigkeit per Smartphone

Wer trotz mangelnder Angebote sein Smartphone zumindest Nachhaltiger gestalten möchte oder per Smartphone die Umwelt schonen möchte kann dies mithilfe einiger Apps tun. So bietet die "Barcoo"-App die Möglichkeit, beim Einkauf auf nachhaltige Produkte zu achten. Über die Kamerafunktion des Handys wird der Barcode des Produktes eingescannt. Mittels einer "Nachhaltigkeitsampel" wird dann in unterschiedlichen Stufen die Nachhaltigkeit bzw. die umweltschonende Produktion des Produktes dargestellt. Um den dichten Siegel-Dschungel zu durchblicken, der mittlerweile viele Produkten als besondre nachhaltig und umweltfreundlich anprangert, gibt es den "Nabu-Siegel_Check". Für Vegetarier zudem interessant ist die App "iVegg" mittels der man erfährt, welche regionalen Gemüse- und Obstsorten gerade Saison haben. Damit hat man stets im Blick, was aktuell geerntet wird und auf den Märkten oder im Supermarkt besonders frisch ist.
Eine andere Möglichkeit die Umwelt per Smartphone zu schützen sind Apps, die Informationen über ÖPNV oder andere Möglichkeiten des nachhaltigen Verkehrs, wie dem Carsharing, geben. Dieser Kategorie können Apps wie "Öffi", "Call a bike", "mitfahrgelegenheit" oder "Carjump".
Bei der "EcoChallenge" steht wiederum der spielerische Aspekt im Vordergrund. So bekommt der Nutzer wöchentlich zwei neue Herausforderungen und Informationen zu Themen wie regionales Essen, sauberes Licht oder Mobilität. Eigene Erfolge lassen sich dokumentieren und direkt mit anderen teilen. Ziel ist, unter anderem, auch Freunde zu mobilisieren.


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Schlagworte

Handy, Mobiltelefon, Smartphone

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:19

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