Veganismus

Bedeutung und Ursprung

Laut Duden ist ein Veganer ein "Vegetarier, der auch auf Eier und Milchprodukte verzichtet." Der Veganismus geht jedoch für die meisten Veganer weit über den Vegetarismus hinaus. Dies zeigt die englische Definition des Wortes "vegan" (substantivisch also Veganer[in]): "a strict vegetarian who consumes no animal food or dairy products; also: one who abstains from using animal products (as leather)" Demnach meiden vegan lebende Menschen Nahrungsmittel mit tierischem Ursprung oder sogar auch die Nutzung von tierischen Produkten. Begründungen finden die Veganer aus verschiedenen Bereichen, wie z.B. der Tierethik, den Tierrechten, dem Tier- und Umweltschutz, der Gesundheit, der Verteilungsgerechtigkeit und der Welternährungsproblematik. Teilweise werden auch religiöse und herrschaftskritische Ansätze vorgegeben. Insofern stellt der Veganismus eine aus dem Vegetarismus hervorgegangene Einstellung-, Lebens- und Ernährungsweise dar, die heutzutage immer mehr Anhänger findet.

Der Schöpfer des Wortes vegan war Donald Watson, der 1944 die Vegan Society gründete. Diese Vegan Society entstand als Abspaltung der Vegetarian Society, also der englischen Vegetarier-Geselschaft. Im Unterschied zu der Vegetarian Society, leitete Watson den Begriff des Vegetariers (engl.: „vegetarian“) nicht vom lateinischen „vegetus“ (zu deutsch: lebendig, frisch, kraftvoll), sondern von englisch „vegetable“ (also: Gemüse, pflanzlich) ab. Da Watson jedoch die Vegetarier bezeichnen wollte, die auch Milchprodukte und Eier vermieden, wählte er zunächst den Begriff total vegetarian. Mit dieser Wortwahl wollte er den totalitären, konsequenten und strengen Vegetarier zum Ausdruck bringen. Um die Abgrenzung zum Vegetarier klarer zu gestalten, erfand er die Wortneuschöpfung "vegan" (zu deutsch: Veganer), das aus dem Anfang und dem Ende von "vegetarian" zusammen gesetzt wird. Denn laut der Vegan Society, setzt der Veganismus die vegetarische Lebensweise konsequent zu Ende.

Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) schätzte die im Jahr 2012 in Deutschland lebenden Veganer auf 600.000.


Gründe für ein veganes Leben

Watson war der Ansicht, dass der Vegetarismus moralisch gesehen, zu wenig durchdacht sei. Denn obwohl vegetarisch lebende Menschen der Meinung sind, dass sie nicht direkt für die Tötung der Tiere verantwortlich seien, so sind sie es doch, laut Watson, indirekt. Denn schließlich landen auch Milchkühe im Schlachthaus, wenn sie “ausgedient” haben und können nur dann diese Mengen von Milch produzieren, wenn sie jährlich (künstlich) besamt werden. Seiner Meinung nach werden die Kälber den Müttern weggenommen und unter nachweislich schlimmen Bedingungen grossgezogen, gemästet und geschlachtet. Insofern sind sie, nach Watson auch aktiv an der Ausbeutung der Tiere beteiligt.

Diese Einwände hatten bereits schon frühere Verfechter der späteren erschienen Veganismusbewegung. Dazu gehört zum Beispiel der deutsche Schriftsteller Paul Andries, der in seinem Buch "Der Vegetarismus und die Einwände seiner Genger" (1893) vor allem Vegetarier für die Ausnutzung der Tiere verantwortlich machte. Denn er argumentierte damit, dass “der indirekte Urheber eines Vergehens oder Verbrechens, moralisch genommen, meist viel schuldiger sei als der direkte Urheber”.
Eine ähnliche Argumentation lieferte der Brite Lewis Gompertz in seinem 1824 erschienenen Werk "Moral Inquiries on the Situation of Man and of Brutes". In einem ganzen Kapitel klärte er die Leser über den Konsum von Milchprodukten auf und stellte fest, wie eng Fleisch- und Milchproduktion miteinander verflochten sind. In einem Interview mit The Vegan News aus dem Jahre 1944 unterstützte Watson die These von Gompertz: “Als Lakto-VegetarierInnen haben viele von uns während Jahren hingenommen, dass die Fleischproduktion mit der Milchindustrie eng zusammenhängt und dass sich diese beiden Zweige in gewisser Hinsicht gegenseitig unterstützen.” (The Vegan News 1/1944)
Eine provokative Theorie äußerte auch der Theologen Carl Anders, der behauptete, dass an der weissen Milch rotes Blut klebe. Dem schließt sich der amerikanische Rechtswissenschaftler Gary L. Francione an und schreibt:
“Es gibt keinen massgeblichen Unterschied zwischen dem Essen von Fleisch und dem Essen von Milchprodukten oder Eiern. In einem Glas Milch, einer Eiswaffel oder in einem Ei stecken ebenso viel Leiden und Tod wie in einem Steak.” Anhand dieser kontroversen Diskussionen merkt man, dass die vegane Ernährung zu einem Großteil durch moralische und ethische Bedenken charakterisiert ist. Die Frage lautet dabei meist, ob und inwiefern Tiere, die dem Menschen als Fleisch- und Milchquelle dienen, ein Recht auf Leben haben. Dabei gibt es philosophische und wissenschaftliche Ansätze, die zu klären versuchen, ob nichtmenschliche Tiere nicht ebenso ein Recht auf ein ungestörtes, gesundes und frohes Leben haben wie der Mensch es für sich beansprucht. In diesem Rahmen bemüht sich die vegane Bewegung um Aufklärung der Bevölkerung und um die Förderung von Produktentwicklungen ohne Tierversuche. Hier nennt z.B. der Arzt und Ernährungsexperte Dr. Ernst Walter Henrich von PETA weitere Gründe für ein veganes Leben.

Gründe für den Veganismus/PETA


Formen des Veganismus

Der Veganismus weist verschiedene vegane Ernährungsweisen auf, die an unterschiedliche Überzeugungen gekoppelt sind.

Die biovegane Ernährung ist z.B. eine Form davon. Die Anhänger dieser Ideologie vertreten die Ansicht, nur ökologisch angebaute Lebensmittel verwenden zu wollen. Dies kann man sicherlich damit in Verbindung bringen, dass bio zu ein Qualitätsmerkmal geworden ist. Bioveganer verzichten also neben dem Verzehr von Fleisch und anderer Produkte lebender Tiere, wie Milch, Milchprodukte und Eier auch auf Lebensmittel, die nicht aus pflanzliche Lebensmittel, die nicht aus biologischem Anbau entstammen. Dabei sollte der herstellende Betrieb nicht noch zusätzlich Fleisch- und Milchwirtschaft betreiben.Insofern kauft ein Bioveganer dort seine Produkte, wo zwar Pflanzenanbau betrieben wird, jedoch keine Tiere gehalten werden. Für sie ist es ebenfalls selbstverständlich, dass die pflanzlichen Produkte ohne Dünger tierischen Ursprungs, wie Gülle oder Knochenmehl, aufgezogen worden sind.

Eine weitere Ernährungsform ist der Fruganismus oder Fruitarismus, deren Anhänger nur die Früchte von Pflanzen essen. Die Anhänger dieser veganen Ernährungsform sind der Meinung, dass der Mensch von seiner Biologie her eher ein Frugivore, also ein Früchteesser, sei und der Fleischverzehr nicht seiner Natur entspräche. Die Frucht einer Pflanze können die Fruganer jedoch ohne schlechten Gewissens verzehren, da sie den Teil einer Pflanze darstellen, die geerntet werden können ohne die Stammpflanze selbst zu verletzen. Fruganer ernähren sich demnach von Obst, Nüssen und Samen. Manche Fruitarier essen auch Gemüse,wenn die Stammpflanze bei der Ernte nicht beschädigt wurde. Tomate und Gurke zählt bei den Fruganern auf zu den Früchten, da sie ihrer Meinung nach, mit der Natur im Einklang leben. Auf Knollen, Blätter oder Wurzeln verzichten sie jedoch. An dieser Stelle sieht man, dass bei Veganern, wie bei Vegetariern oft ethische, ökologische, aber auch religiöse und spirituelle Beweggründe aufgelistet werden.
Bei dieser Ernährungsform berichten Veganer oft von Schwierigkeiten bei der Umstellung auf der Ernährung. Das reine Früchteessen ist auch bei Medizinern stark umstritten, da ihnen hier die Ernährung zu einseitig erscheint.

Der Freeganismus ist eine Ernährungsform, deren Anhänger sich weitesgehend versuchen, kostenlos zu ernähren. Das Wort Freeganismus ist eine Wortschöpfung aus dem englischen Wort "free" (zu deutsch "frei) und dem Wort Veganismus. Die Lebensmittel werden daher aus Mülltonnen von Supermärkten und privaten Haushalten beschaffen. In Deutschland ist die Ernährungsweise auch unter "Containern" bekannt. Somit wollen sich die Freeganer der kapitalistischen Wegwerfgesellschaft entgegenstellen, das heißt der Ausbeutung von Mensch und Tier, der Müllproduktion, der Werbeflut und der Konsumgesellschaft. Die Freeganer haben die Hoffnung, dass sie durch diese Verweigerung eine Veränderung herbeiführen können.


Vegane Lebensmittel

Da die Prinzipien des Veganismus verlangen, dass sich Veganer hauptsächlich pflanzlich ernähren und Produkte tierischen Ursprungs, wie Milch, Milchprodukte, Eier, Honig, Gelatine vermeiden, fällt es diesen oft schwer, rein vegane Produkte zu finden. Denn durch die vielfältige Verwendung von Inhaltsstoffen tierischer Herkunft ist eine strenge Unterscheidung nicht-veganer Produkte von reinen veganen oft schwierig.Dazu zählt beispielsweise Gelatine, die unter anderem zur Filtration von Weinen und Fruchtsäften dient und auch in Medikamenten und Farbfilmen zu finden ist.Bäckereien wiederum verwenden tierische Fette, sodass diese Produkte ebenfalls vermieden werden sollten. Deshalb gibt es Datenbanken und Listen, die nichtvegane Inhaltsstoffe aufführen. Laut des Europäischen Parlaments heißt es in einem Entwurf: „Der Begriff „vegan“ ist nicht auf Lebensmittel anzuwenden, bei denen es sich um Tiere oder tierische Erzeugnisse handelt oder die aus oder mithilfe von Tieren oder tierischen Erzeugnissen (einschließlich Erzeugnissen von lebenden Tieren) hergestellt wurden.“(Entwurf für eine Abänderung der „Informationen der Verbraucher über Lebensmittel“, 16. Juni 2010)

Alternative Lebensmittel
Im Folgenden werden einige alternative Lebensmittel aufgelistet, die Veganer als Ersatz zu tierischen Bestandteilen in Gerichten zu sich nehmen können.
  • statt Fleisch: Avocado, Austernpilz, Seitan, Tempeh, Texturiertes Soja, Tofu und Yuba
  • statt Eiern: Sojamehl (in Gebäck als Bindemittel), Tofu (als „Rührei“), Avocado
  • statt Tiermilch: Getreidemilch, Hafermilch, Kokosmilch, Mandelmilch, Reismilch, Sojamilch
  • statt Käse: Nährhefe, veganer „Käse“ aus Soja, Seidentofu, Seitan, Hefeschmelz
  • statt Honig: Zuckerrübensirup, Agavensirup, Invertzuckercreme („Kunsthonig“), Ahornsirup, Reismalz
  • statt Gelatine: Agar, Fruchtpektin, Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl
  • statt Sahne: Sojasahne, Hafersahne
Die vegane Ernährungspyramide



Veganismus und Gesundheit

In der veganen Ernährungspyramide kann man erkennen, dass eine vegane Ernährungsweise grundsätzlich positiv für die Gesundheit ist. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt überwiegend eine fleischlose Kost. So können beispielsweise ein hoher Fleischkonsum und tierische Fette die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Demnach leiden Veganer und Vegetarier laut einigen Studien wesentlich seltener an Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Allerdings können Veganer bei nicht ausreichender Sachkenntnis an Mangelerscheinungen und Untergewicht leiden. Eine rein vegane Ernährung birgt jedoch die Gefahr der Mangelernährung. So kann es beispielsweise zu einem Mangel an Eiweiß, Eisen, Jod, Zink und Calcium kommen. Hier muss der Veganer explizit auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr achten und entsprechende Lebensmittel bevorzugt verzehren. Möglich ist auch eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Auch das für die Blutbildung wichtige Vitamin B12 kommt ausschließlich in tierischen Produkten vor und muss in der Regel durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Bei schwangeren und stillenden Frauen, aber auch bei Säuglingen und Kindern muss besonders auf eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet werden. Der Veganismus eignet sich also durchaus als Dauerkost. Allerdings sollte eine große Sachkenntnis vorhanden sein, um die Lebensmittelauswahl bewusst treffen zu können, dann lässt sich ein Nährstoffmangel vermeiden. Einige Lebensmittel Hersteller für vegane Lebensmittel reichern ihre Produkte zusätzlich mit Nährstoffen an. Um Untergewicht zu vermeiden, sollten Veganer auf eine ausreichende Energiezufuhr achten.


Dokumente

"Veganismus" In: Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage; Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007.
Singer, Animal Liberation (Harper Collins Publishers 2002): S. 5–9 (Englisch), deutsch: Die Befreiung der Tiere, Hirthammer, München 1976.
Axel Meyer: Warum kein Fleisch? München 1990, S. 79 ff.
Laktoseintoleranz: Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen entstand in Zentraleuropa, In: Deutsches Ärzteblatt vom 28. August 2009

Memorandum of Association of the Vegan Society

Interne Links

Externe Links

"Wenn Veganismus zur Essstörung wird"- diewelt-online
"Vegetarier werden die Welt nicht retten"-wiwo green
Vegane Gesellschaft e.V.
Veganismus
The Vegan Society
Kritik am Pathozentrismus
Warum Vegan? PETA
Donald Watson vegane Bewegung
lebensmittellexikon.de
VEBU

Schlagworte

Ernährung, Veganer, Vegetarismus

Letzte Aktualisierung

26.08.2015 13:54

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