Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche

"Glaubwürdige Kommunikation angesichts wachsender Sensibilität"

Im Laufe der Jahre hat sich Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche, laut der Studie der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) aus dem Jahre 2012, zu einem globalen Trend entwickelt. Denn nun sind neben dem ökologischen Wirtschaften auch die Kriterien "fair und sozial" getreten. Diese neuen Sichtweisen haben Auswirkungen auf Akteure der Argrar- und Lebensmittelwirtschaft als auch auf die Verbraucher. Die Akteure der Artrar- und Lebensmittelwirtschaft werden in puncto nachhaltigen Handelns und sozialer Verantwortung mehr denn je geprüft. Auch Verbraucher entwickeln ein neues Bewusstsein, was die Lebensmittelqualität und deren Produktionsbedingungen wie soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz angeht. Verfolgt man als gesellschaftlich verantwortungsvoll agierendes Unternehmen den Lebensmitteltrend nicht, läuft man heutzutage schnell Gefahr die Gunst der Verbraucher zu verlieren.Der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) Carl-Albrecht Bartmer äußert sich dazu folgendermaßen: "Wie in anderen Wirtschaftsbereichen wird Nachhaltigkeit auch im Lebensmittelsektor immer mehr zum Differenzierungskriterium und zur Perspektive unternehmerischen Handelns".

Die Ergebnisse der DLG-Studie "Nachhaltigkeit aus Verbrauchersicht" zeigen, dass der Verbraucher allmählich ein Bewusstsein über die strategische Bedeutung seiner täglichen Kauf- und Konsumentscheidungen entwickelt. Um das Bewusstsein für den Kauf nachhaltiger Produkte zu steigern, sind vor allem umfassende Informationen für die Verbraucher über diese Produkte von großer Bedeutung. Dies wird besonders über verschiedene Siegel, Gütezeichen und Symbole für nachhaltige Lebensmittel vermittelt, die ebenfalls zu einer raschen Entscheidungsfindung direkt am Point of Sale führen sollen. Einheitliche und leicht verständliche Informationskennzeichnungen bilden dafür die Grundlage, da Verbraucher oft unterschiedliche Vorstellungen zum Thema "Nachhaltigkeit" haben.

Siegel, Gütezeichen und Symbole für Lebensmittel

Transparenz über qualitativ wertvolle Lebensmittel vermitteln vor allem Siegel, Gütezeichen und Symbole für Lebensmittel. Eins der bekanntesten Siegel in Deutschland ist das staatliche Biosiegel, das seit 2001 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nur an Produkte bzw. deren Erzeuger vergeben wird, die die strengen Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau erfüllen. Im Jahre 2010 wurde zusätzlich das EU-Biosiegel eingeführt. Es stellt zwar exakt dieselben Anforderungen, jedoch wird es in Deutschland eher seltener verwendet da das deutsche Siegel einen größeren Bekanntheitsgrad aufweist. Seit dem 1. Juli 2012 muss es verpflichtend auf der Verpackung erscheinen, zum Beispiel in Kombination mit dem deutschen Logo. Das Bio-Siegel dürfen aktuell rund 30.000 Lebensmittelprodukte führen. Im Nachfolgenden werden Siegel, Gütezeichen und Symbole für Lebensmittel aufgelistet:

  • Qualitätssiegel der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)
  • EU Bio-Siegel
  • Das staatliche Bio-Siegel
  • EU-Bio-Verordnung
Siegel der Öko-Anbauverbände
  1. Bioland: ökologischer Anbau
  2. Biokreis
  3. Biopark
  4. Demeter
  5. Gäa: ökologischer Landbau
  6. Naturland
  7. Ecoland
  8. ECO VIN
  9. Verbund Ökohöfe
  • Neuland Fleisch
  • MSC: Die Garantie für nachhaltige Fischerei
  • IFOAM: internationaler Dachverband aller Organisationen des ökologischen Landbaus
  • Ohne Gentechnik
Gütezeichen für "Fairen Handel"
  1. TransFair
  2. Gepa: Fair Handelshaus
  3. BanaFair
Bio-Siegel des Einzelhandels

  • REWE: Füllhorn
  • Plus: BioBio
  • EDEKA: Bio-Wertkost
  • Gut Bio: Aldi Nord
  • Metro: Grünes Land
  • Reformhaus: Biosiegel

Der Codex Alimentarius

Der Codex Alimentarius reguliert die Lebensstandards der Vereinten Nationen auf internationalem Niveau und in einer einheitlichen Form. Er dient dazu dem Verbraucher ein gesundheitlich unbedenkliches, unverfälschtes und ordnungsgemäß gekennzeichnetes Lebensmittel zu garantieren.In diesem Rahmen wurde eine Codex-Alimentarius-Kommission gegründet, die aus einem gemeinsamen Gremium der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen besteht. Denn diese Organisationen haben zu Beginn der 60er Jahre erkannt, dass es aufgrund der weltweiten Zunahme des Lebensmittelhandels zum Schutze des Verbrauchers sinnvoll ist ein internationales Lebensmittelrecht zu schaffen. Seitdem übt der Codex Alimentarius einen großen Einfluss auf die Qualität und Sicherheit der globalen Lebensmittelversorgung und trägt wesentlich zur Förderung des Lebensmittelhandels bei.Teilnehmer des Codex Alimentarius sind alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, sowie die Europäische Union. Die wesentlichen Aufgaben sind der Schutz der Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher, faire Handelspraktiken im internationalen Handel mit Lebensmitteln sicherzustellen und die Normungsarbeiten im Lebensmittelbereich auf internationaler Ebene zu koordinieren. Die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen der Mitgliedstaaten der Codex-Alimentarius-Kommission (CAC). Im Gegensatz zu anderen Codices sind seine Standards nicht rechtlich verbindlich. Denn sie gelten als Referenz im internationalen Handel und im Rahmen der WTO völkerrechtlich verbindlich geschaffenen Streitbeilegungsverfahren bei Handelskonflikten.

Sein genauer Geltungsbereich umfasst Standards für zahlreiche zur Abgabe an den Verbraucher bestimmte Lebensmittel. Außerdem enthält er Empfehlungen in Form von Verfahrensregeln (codes of practice), Richtlinien (guidelines) und andere empfohlene Maßnahmen, die darauf abzielen, die Zwecke des Codex Alimentarius zu erfüllen. Die Standards enthalten Anforderungen an Lebensmittel, die dem Verbraucher ein gesundheitlich unbedenkliches, unverfälschtes und ordnungsgemäß gekennzeichnetes Lebensmittel garantieren sollen. Sie werden nach einem bestimmten Schema ausgearbeitet, das in folgende Rubriken unterteilt ist:


Bezeichnung des Standards

  • Geltungsbereich
  • Beschreibung des Lebensmittels
  • Wesentliche Faktoren der Zusammensetzung und Qualität
  • Zusatzstoffe
  • Kontaminanten
  • Hygiene
  • Gewichte und Maße
  • Kennzeichnung
  • Analyse- und Probenahmeverfahren
Auf der 30. Sitzung der Codex-Alimentarius-Kommission (CAC)wurde ein mittelfristiger Plan für den Zeitraum 2008 bis 2013 ausgearbeitet, mit dem strategische Vorstellungen und Ziele implementiert werden sollen:

Förderung eines gesicherten Regulierungsrahmens
Insofern ist die CAC an der weiterführenden Entwicklung von internationalen Standards und Leitlinien bezüglich Lebensmittelsicherheit und -hygiene, Ernährung, Kennzeichnung sowie Zertifikation von Nahrungsmitteln wesentliche Orientierungshilfen für ihre Mitglieder interessiert, was einen nachhaltigen Einsatz auf den folgenden Gebieten erfordern:

  • Die CAC wird internationale Standards, Leitlinien und Empfehlungen basierend auf wissenschaftlichen Prinzipien entwickeln, um Gesundheitsrisiken entlang der gesamten Lebensmittelkette zu verringern. Dies schließt, wo erforderlich, die Futtermittel ein.
  • Codex-Standards sollten sorgfältig vorbereitet sein, um die globale Vielfalt widerzuspiegeln. Sie sollten außerdem auf die grundsätzlichen Eigenschaften eines Produkts bezogen sein, damit sie nicht übermäßig regulierend und handlungsrestriktiv wirken.
  • Die CAC sollte bei Erarbeitung und Entscheidung über Codex-Standards die wirtschaftlichen und technischen Folgen für alle Mitgliedsstaaten sowie die besonderen Belange der Entwicklungsländer berücksichtigen.
Förderung einer möglichst weitgehenden und einheitlichen Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze der Risikoanalyse
Die laufende Aktualisierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Bedingung dafür, dass die CAC ihre Entscheidungen auf gesicherter wissenschaftlicher Grundlage treffen kann.

Damit die Standards auf die Bedürfnisse der Mitglieder abgestimmt werden, sollen wissenschaftliche Daten aus aller Welt regelmäßig durch die FAO und die WHO abgeglichen werden. Ihre nachhatligen Forderungen lauten:
Deshalb fordert die CAC ihre Dachorganisationen FAO und WHO auf:

  • ausreichende Ressourcen, vor allem für den Einsatz von Experten bereitzustellen, damit nachhaltig die zeitnahe wissenschaftliche Beratung gewährleistet ist;
  • das Verständnis der Grundsätze der Risikoanalyse voranzutreiben und den Prozess der Informationsgewinnung transparenter zu gestalten;
  • mehr Daten von Entwicklungsländern bei der Ausarbeitung wissenschaftlicher Gutachten einzubeziehen und den Entwicklungsländern bei der Erstellung dieser Daten zu helfen.
  • einen Kriterienkatalog zu entwickeln, mit dem die Priorität der Anfragen durch die CAC an die wissenschaftlichen Gremien der FAO und WHO besser bewertet werden kann;
  • das Instrument der FAO/WHO Expertengruppen effizienter und effektiver zu nutzen. Dafür werden die Anstrengungen für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Risikomanagern und Risikobewertern erhöht;
  • ihre internen Arbeitsabläufe zu straffen, um effizienter auf neue Lebensmittel bedingte Risiken reagieren zu können.
Straffung der Codex-Internen Arbeitsabläufe
Um mit internationalen Entwicklungen standhalten zu können und um das Schwerpunkt weiterhin auf die Lebensmittelsicherheit und den weltweiten Handel mit Lebensmitteln bei Regierungen und betroffenen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zu lenken, müssen die neuen Codex-Arbeitsmanagement-Verfahren effektiver und effizienter gemacht werden.

Förderung der Kooperation zwischen dem Codex Alimentarius und entsprechenden internationalen Organisationen
Es empfiehlt sich ebenfalle eine enge Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die ähnliche Interessen vertreten. Auf diese Weise kann Doppelarbeit vermieden werden und die Entwicklung von widersprüchlichen Standards und Leitlinien verhindert. Außerdem sollte die CAC eine Führungsrolle bei der Ausübung ihrer Aufgaben übernehmen, da die WTO die CAC als herausragende Institution für die Erarbeitung von Lebensmittelstandards ansieht. Somit kann die Gesundheit der Konsumenten geschützt werden und faire Praktiken beim weltweiten Handel mit Lebensmitteln sicher gestellt. Die CAC ist auch dafür verantwortlich, ihr technisches Fachwissen zur Verfügung zu stellen und zu einem internationalen Konsens über Lebensmittelsicherheit beizutragen.

Förderung der größtmöglichen und effektiven Beteiligung der Mitglieder
Zum Erreichen der Zielsetzungen, ist die CAC auf die breite Beteiligung der Codex Mitglieder und der betroffenen Organisationen angewiesen. Besonders bei den Mitgliedern aus den Entwicklungsländern, die einen entscheidenden Anteil der gesamten Mitgliederzahl ausmachen, ist eine hohe Beteiligung erforderlich, um deren technisches Fachwissen zu erhöhen, das für die Beteiligung in der Entwicklung internationaler Standards erforderlich ist. So sollen auch die Verbraucher und öffentliche Interessengruppen mehr in die Erarbeitung von Standards einbezogen werden, um Transparenz zu erhöhen.

Für den Zeitraum von 2014 bis 2019 wird ein neuer Strategieplan der CAC bearbeitet.

Die Nestlé Studie (2012): "Das is(s)t Qualität"

In der Studie "Das is(s)t Qualität" von Nestlé in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) wurde ein umfassender Wandel im Verbraucherverhalten festgestellt. Renate Köcher vom IfD leitet daraus ab: "Insgesamt gewinnt Qualität an Relevanz. Lebensmittelqualität ist heute ein wesentlicher Baustein für Lebensqualität". Der Studie zufolge ist für die Mehrzahl der Deutschen eine hohe Qualität beim Lebensmitteleinkauf (58 Prozent) inzwischen wichtiger ist als ein besonders günstiger Preis (51 Prozent). Insofern ist die Bedeutung des Preises als dominantes Kaufkriterium in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen (?6%).Mögliche Ursachen seien der wachsende Anteil älterer Verbraucher, die Veränderung der Haushaltsgrößen hin zu immer mehr Ein- und Zweipersonenhaushalten und die steigende Erwerbsquote von Frauen.
In dem Zusammenhang wurde der Begriff des "Quality Eaters" gebildet, der beim Einkauf anstatt auf Preise auf Qualität achtet, an besonders gesunder Ernährung interessiert ist und sich aktiv und informiert gibt. Mittlerweile können demzufolge mehr als 26 Prozent der Bevölkerung als „Quality Eater“ bezeichnet werden. Im Bereich der Qualität beim Lebensmitteleinkauf, sind den "Quality Eatern" die Kriterien wie der Geschmack, die Gesundheit, die Sicherheit und die Nachhaltigkeit besonders wichtig. Damit heben sie sich von den Normalverbrauchern ab, die sich wesentlich stärker auf die Kriterien Geschmack und Sicherheit fokussieren.
Die Kriterien für die Dimension "Nachhaltigkeit bei den Lebensmitteln" waren:
  • Tiere werden artgerecht gehalten
  • es werden Lebensmittel aus der Saison gekauft
  • die Lebensmittel stammen aus fairen Handel (Fair Trade)
  • es wird auf Gentechnik verzichtet
  • es werden Bioprodukte gekauft
  • beim Anbau von landwirtschaftlichen Produkten wird weitgehend auf Pflanzenschutzmittel verzichtet
„Quality Eater“ wissen, dass sie Qualität von Lebensmitteln beeinflussen können, weshalb sie auch eher dazu bereit sind sich aktiv beim Hersteller über Qualitätsmängel zu beschweren und Testergebnisse beim Einkauf zu berücksichtigen. Bei den meisten "Quality Estern" handelt es sich um Frauen, um die 30 Jahre und älter, die überdurchschnittlich gebildet sind und über ein höheres Haushaltseinkommen verfügen. Diese "Quality Eater" geben im Durchschnitt monatlich mehr Geld für Lebensmittel aus als der Rest der Bevölkerung.
„Quality Eater“ achten beim Einkauf vor allem auf Frische, Natürlichkeit, Regionalität, Saisonalität, Bio, Transparenz bei der Herkunft und Nachhaltigkeit. Deshalb sucht der "Quality Eater" neben klassischen Einkaufsstätten überdurchschnittlich häufig Wochenmärkte und Hofläden als Alternativen beim Lebensmitteleinkauf auf. Denn dies ermöglicht ihm ebenfalls sich von erster Hand über die Herkunft seiner Lebensmittel zu informieren. Da den "Quality Eater" das Essen auch Lebensqualität schafft, informieren sie sich auch mithilfe von Medien kritisch über Lebensmittel und zeigen dadurch eher Bereitschaft ihre Einkaufsgewohnheiten entsprechend anzupassen.

Tipp! Damit kostbare Lebensmittel nicht im Müll landen: Foodsharing

Die Plattform Foodsharing bietet Privatpersonen, Händlern und Produzenten die Möglichkeit, Lebensmittel, die man nicht mehr braucht kostenlos anzubieten oder abzuholen. Außerdem kann man sich als Nutzer mit anderen Nutzern zum Kochen verabreden, um auf diese Weise überschüssige Lebensmittel zu teilen, anstatt sie wegzuwerfen. Das Leitmotiv der Plattform lautet: Menschen teilen Essen. Geld steht bei diesem Austausch nicht im Vordergrund, da das Teilen ebenfalls ein ethisches Ziel verfolgt.

Ein Film der sich mit der Thematik beschäftigt kann unter dem folgenden Link gefunden werden:
Dokumentation: "Taste the waste

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Dokumente

Nestlé Studie 2012
Edelmann Studie 2015

Interne Links

Externe Links

"Nachhaltigkeit-Die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft" Verlag Th.Mann Gmbh
DLG.org
Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung
"Das Gewissen handelt, kauft und isst mit"-welt.de
Lebensmittelklarheit.de
Ökolandbau.de
Bio-Siegel.de
Nestlé.de
"Bio-Produkte werden aus Sorge um Umwelt gekauft"-welt.de
"Bei Obst und Gemüse liegt Regionalität im Trend"-welt.de
Peter Schüren
Pro Planet- rewe.de
Umwelt und Nachhaltigkeit- infonetz.de
Der Codex Alimentarius
Foodsharing

Schlagworte

Bio, Branche, Lebensmittel, Produkt, Verbraucher

Letzte Aktualisierung

01.09.2015 12:12

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