Zertifikate für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Forest Stewardship Council: FSC
Nachdem in den 1980er Jahren Umweltverbände die tropischen Regenwälder - über den Boykott von Tropenholz - schützen wollten, damit aber nicht den gewünschten Erfolg erzielten, suchten sie Anfang der 1990er Jahre gemeinsam mit fortschrittlichen Waldbesitzern und Vertretern der Forstindustrie nach einem neuen Lösungsansatz. Zwar gab es auf dem Weltmarkt mehr als 600 verschiedene Labels für Forst-, Holz- und Faserprodukte, jedoch war die Anzahl der Labels unübersichtlich und deren Aussagen oft unklar. Die Idee war daher, ein einziges Label zu schaffen, das bei Holz und Holzprodukten nachweist, dass das eingesetzte Holz nicht aus Raubbau und Urwaldzerstörung stammt. Dies führte 1993 zur Gründung des Forest Stewardship Council (FSC).

Um gegenüber den Entwicklungsländern zu demonstrieren, dass man nicht nur ihnen gegenüber Anforderungen stellt, sondern diese gerade auch in den Industrieländern zum Maßstab macht, wurde ein System entwickelt, das weltweit anwendbar war. Daher wurde es zunächst auch insbesondere in den Industrieländern, u.a. in Deutschland, eingesetzt. So konnte demonstriert werden, dass es möglich ist, über ein System von Anforderungen und Audits bei Holzprodukten und Papier einen Nachweis der Herkunft aus nachhaltiger Waldwirtschaft zu erbringen.

Pan European Forest Certification System: PEFC
Allerdings lehnten nicht wenige europäische Waldbesitzer eine Zertifizierung nach FSC ab, weil mit den Audits zusätzliche Kosten verbunden waren und zudem bereits viele Vorschriften und behördliche Überwachungsmechanismen für Umweltschutz bestanden. Zudem hatten die Umweltverbände bei FSC ein ebenso starkes Mitspracherecht wie die Waldbesitzer, was ebenfalls auf Ablehnung stieß. Jedoch stieg der Druck auf die Branche, einen Nachhaltigkeitsnachweis zu führen. Als Reaktion darauf gründeten Waldbesitzerverbände und die Forstindustrie ab Mitte der 1990 Jahre alternative Labelsysteme, in Europa das Pan European Forest Certification System PEFC und in Nordamerika die Sustainable Forestry Initiative SFI. Mittlerweile gibt es auch in Lateinamerika, Asien und Australien derartige Labelsysteme.

FSC und PEFC haben sich als die international wichtigsten Zertifizierungssysteme etabliert.

Vergleich beider Systeme
Das Grundprinzip der Labelsysteme ist weitgehend gleich: Es wird ein Kriterienkatalog für die je nach Definition des Systems nachhaltige Bewirtschaftung und den Schutz des Waldökosystems aufgestellt. Über unterschiedlich geartete Mechanismen wird versucht, die Einhaltung dieser Kriterien zu prüfen bzw. sicherzustellen. Nach erfolgreicher Auditierung wird das Holz aus diesen Wäldern entsprechend zertifiziert. Unternehmen, die dieses Holz verarbeiten und auf ihren Produkten mit dem entsprechenden Label den Herkunftsnachweis demonstrieren möchten, müssen auch bestimmte Anforderungen erfüllen, deren Einhaltung ebenfalls über Audits geprüft wird. Die Auditoren werden in der Regel nicht von den Labelsystemen selbst angeboten.

Um eine unabhängige Prüfung sicherzustellen, werden diese Zertifizierungsaudits (Kontrollen) von unabhängigen Dritten und nicht von den Zertifizierungsssystemen vorgenommen. Die Auditoren müssen das erforderliche Fachwissen gegenüber den Zertifizierungssystemen nachweisen, um eine Zulassung zu erhalten (Akkreditierung).

Beide Systeme stehen in einer gewissen Konkurrenzsituation. Zum einen ist strittig, ob die beiden Systeme gleichwertig sind oder ob eines weniger anspruchsvoll und damit weniger nachhaltig ist. Zum anderen streben beide an, einen hohen Anteil an zertifizierten Wäldern und zugehörigen zertifizierten Verarbeitern zu gewinnen.

In den vergangenen Jahren hat die Fläche zertifizierter Wälder weltweit stark zugenommen. Während 1998 lediglich 12 Millionen Hektar Wald zertifiziert waren, hat sich die Fläche bis 2008 auf ca. 300 Millionen Hektar (etwa 7,6 % der globalen Waldfläche) erhöht. Von dieser Fläche sind etwa zwei Drittel nach PEFC bzw. von PEFC anerkannten Standards und etwa 30 % nach FSC zertifiziert. Trotz der geringeren Fläche an nach FSC zertifizierten Waldflächen weist das FSC-System ein breiteres und größeres Verteilungsnetz auf und bietet auf dem Markt eine größere Produktvielfalt an.

Öffentliche Kritik
Allerdings wird die Frage, ob beide Systeme gleichwertig sind oder eines der beiden Systeme weniger nachhaltig ist, in der Fachszene intensiv und kontrovers diskutiert. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Gutachten, Untersuchungen und Studien, die sich zum Teil auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit dieser Fragestellung befasst haben. Sicherlich ist wenig überraschend, dass insbesondere (aber nicht nur) Studien, die von Umweltverbänden initiiert oder erstellt wurden, zu dem Ergebnis kommen, dass FSC das anspruchsvollere System sei und in bestimmten Wäldern, die von PEFC zertifiziert sind, deutliche Missstände anzutreffen seien. Hier ist z.B. die Studie Footprints in the Forest von FERN zu nennen, in der von PEFC anerkannten Waldzertifizierungssysteme vorgeworfen wird, dass sie Fällungen in Urwäldern oder naturnahen und somit besonders schützenswürdigen Wäldern zulassen würden. Eine von dem Verband der europäischen Papierindustrie CEPI beauftragte Vergleichstudie kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass die Anforderungen der jeweiligen regionalen/nationalen Systeme von PEFC und FSC mehr oder weniger gleich seien Waldzertifizierungsmatrix - Leitfaden für Waldzertifizierungsprogramme, 2004.

Diese exemplarisch herausgegriffenen Beispiele lassen eine Grundtendenz erkennen: PEFC vertritt die Auffassung, dass beide Systeme von den inhaltlichen Anforderungen gleichwertig seien, das PEFC System jedoch kostengünstiger sei und auf besonders übertriebene Anforderungen verzichte. FSC versteht sich hingegen als das Qualitätslabel, das ein nennenswert höheres Anspruchsniveau garantiert und als einziges System Missstände weitestgehend vermeidet. Die höheren Kosten werden für vertretbar gehalten.

Tatsächlich ist es recht schwierig, einen klaren Überblick zu erhalten, denn diesen beiden globalen Systemen liegen jeweils im Detail wieder unterschiedliche nationale Systeme zu Grunde, siehe Gemeinsame Synopse der Zertifizierungssysteme von FSC und PEFC, 2002. Klare Aussagen über Vor- und Nachteile der Systeme lassen sich daher einfacher auf nationaler Ebene als global treffen.

Anzumerken ist jedoch, dass beim FSC Systemanforderungen und Anforderungen an die nationalen Standards vorgeschrieben werden und diese sind auf allen nationalen Ebenen einheitlich und müssen eingehalten werden. Im PEFC-System gibt es diese grundsätzlichen Anforderungen nicht. Durch die Anerkennung im Dachverbund dürfte das PEFC-System immer so schwach sein wie sein qualitativ schwächstes Mitglied.

Unstrittiger Unterschied ist aber, dass auf der einen Seite bei PEFC weniger auditiert wird und keine Kontrolle vor Zertifikatsvergabe nötig ist, während auf der anderen Seite Umweltverbände und soziale NGOs bei FSC ein gleichberechtigtes Stimmrecht haben. Allerdings wird von NGO-Seite kritisiert, dass FSC noch immer Baumplantagen als Wald zertifiziert.

Allerdings gibt es auch Vorwürfe gegen einzelne von PEFC anerkannte Systeme. Das wohl prominenteste Beispiel ist der in Tasmanien nach dem Australischen Forest Standard zertifizierte Holzkonzern Gunns. Dieser wandelt seit Jahren Urwälder in Plantagen um und setzt in den jungen Plantagen Pestizide nicht nur gegen Insekten sondern auch gegen Säugetiere ein, so die Wilderness Society in ihrem Beitrag über den Australien forestry standard AFS. Gegen kritische Umweltaktivisten wurden von Gunns laut Presseberichten sogar Existenz bedrohende Rechtsverfahren eingeleitet, siehe etwa Rumble in the jungle und treedomfighters.

Aber auch gegen FSC zertifizierte Betriebe wurden Missbrauchvorwürfe erhoben. So hat der Fall des halbstaatlichen indonesischen Forstunternehmens Perhutani in den Jahren 2000/01 für Aufregung gesorgt. Das Unternehmen betrieb fast die Gesamtheit der ca. 2 Millionen Hektar Teak-Plantagen auf Java und hatte 1998 das FSC-Zertifikat für fünf Distrikte erhalten. In darauffolgenden Jahren wurde jedoch aufgedeckt, dass Perhutani u.a. illegale Einschlagpraktiken verfolgte und die Rechte der indigenen Bevölkerung oftmals missachtete. Im Jahr 2001, in Folge der jährlichen Auditierung durch den FSC-Zertifizierer Smart Wood, fanden sich Beweise für diese Praktiken. Daraufhin wurde das FSC-Zertifikat für die betreffenden Distrikte entzogen (Pro REGENWALD - Pressemitteilung vom 22.08.2001 (online nicht mehr abrufbar)).

Obwohl Waldzertifizierungssysteme ursprünglich zum besseren Schutz tropischer Regenwälder entwickelt wurden, sind heute überwiegend die in Industriestaaten gelegenen Waldflächen zertifiziert. Im Jahr 2007 waren dies etwa 50 % der europäischen und 34 % der nordamerikanischen Wälder. Bei den Schwellen- und Entwicklungsländern fällt dieser Anteil deutlich geringer aus: 1 % in Lateinamerika, 0,4 % in Afrika und 0,3 % in Asien.

Dokumente
Gemeinsame Synopse von FSC und PEFC aus dem Jahr 2002 (Achtung: Mittlerweile wurden beide Standards überarbeitet.
Fern: Footprints in the Forest - Zusammenfassung
Delivering the Promises - Outcomes for Tasmania’s forests from the Australian Federal Election 2004
Parallel Field Testing of Forest Certification Standards, 2005
Executive summary
Report
The Effects of FSC-Certification in Germany – An analysis of Corrective Action Requests, 2005
The Effects of PEFC-Certification – An analysis of Audit Reports of PEFC Germany, 2005

Interne Links
Externe Links
FSC Homepage
FSC-Prinzipien
FSC around the world
Global FSC certificates
[http://www.fsc-watch.org/|FSC-watch Homepage]]
PEFC Hompage
Statistical figures on PEFC certification
Technisches Dokument von PEFC: Anforderungen für Forstzertifizierungssysteme und Standards
Fern: Footprints in the Forest. Current practice and future challenges in forest certification, 2004
Rumble in the jungle
treedomfighters

Schlagworte

Wald, Zertifikat

Letzte Aktualisierung

03.11.2015 10:46

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