Euro istoxx 50 SD-KPI und „istoxx Europe 50 SD-KPI“

Ende September 2013 lancierte der Indexanbieter Stoxx den „Euro istoxx 50 SD-KPI“ und den „istoxx Europe 50 SD-KPI“, die sich eher an konventionelle Investoren wenden. Ihr Ansatz ist ungewöhnlich: Anders als üblich geht es nicht um die Auswahl möglichst nachhaltiger Titel aus einem Universum, sondern um die unterschiedliche Gewichtung vorhandener Titel. Die Indizes beinhalten folglich sämtliche Komponenten der europäischen Blue-Chip-Indizes Euro Stoxx 50 respektive Stoxx Europe 50, aber die Unternehmen werden – abhängig von ihren Nachhaltigkeitsleistungen – mit bis zu zehn Prozent leicht über- oder untergewichtet. Zum Vergleich: Der führende Dow Jones Sustainability Index (DJSI) beinhaltet nur 14 Prozent der Titel des Dow Jones Welt, der Stoxx ESG Leaders nur 16,5 Prozent des zugrunde liegenden Stoxx.

Zweiter fundamentaler Unterschied zu bisherigen Indizes ist die Menge der Nachhaltigkeitskriterien. Der DJSI hat mit rund hundert Indikatoren pro Branche Standards gesetzt; der Stoxx ESG Leaders nutzt in seinem Ratingmodell die je nach Branche 40 bis 50 „KPI for ESG 3.0“ der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Dagegen fokussieren sich die zwei Stoxx-Newcomer auf drei „Sustainable Development Key Performance Indicators“ (SD-KPIs) pro Branche. Dies seien die relevantesten Nachhaltigkeitsindikatoren für die jeweiligen Branchen, die Einfluss auf die zu erwartende Geschäftsentwicklung von Unternehmen hätten, wird argumentiert. Diese SD-KPI hat Managementexperte Axel Hesse, Geschäftsführer der SD-M, vor Jahren gemeinsam entwickelt mit Bundesumweltministerium, Wirtschaftsprüfern sowie Investoren und Analysten, die über zwei Billionen Euro Vermögen beeinflussen.

Die neuen Indizes seien eine „hinsichtlich Nachhaltigkeit optimierte Version der führenden europäischen Blue-Chip-Indizes“, sagte Stoxx-CEO Hartmut Graf anlässlich der Auflage. Sie sollen sowohl als Basiswerte für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) als auch als Benchmarks für aktiv gemanagte Fonds dienen. Dadurch könnten institutionelle Investoren besser ihre „treuhänderische Verantwortung“ realisieren: Sie erstrecke sich auch auf die Beachtung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte erstrecke, sofern diese für Finanzergebnisse relevant seien, erklärt Hesse. „Neben nachhaltigeren Investitionen sind zudem geringe Abweichungen zu den beiden Hauptindizes zu erwarten, was es ermöglicht, konventionelle Optionen und Futures (Finanztermingeschäfte) zur Absicherung (Hedging) zu nutzen.“ Dahinter steht folgende Motivation: „In 19 Jahren wissenschaftlicher und praktischer Tätigkeit hierzu habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass man den Mainstream dort abholen muss, wo er steht. Der Einstieg muss so leicht wie möglich gemacht werden, um Ängste abzubauen und an das Thema heranzuführen.“


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Schlagworte

Börse, Börsenindex, Stoxx

Letzte Aktualisierung

14.10.2015 11:08

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