Wachstumsmodelle

Wachstumsmodelle sollen Ursachen und Hintergründe zu Wirtschaft und Finanzen|Wirtschaftswachstum]] aufzeigen und erklären. Seit dem zweiten Weltkrieg entstanden einige wesentliche Grundmodelle und zahlreiche Erweiterungen zu diesen Modellen. Hier werden exemplarisch die Standardmodelle zweier neoklassischer Wachstumsmodelle und eines endogenen Wachstumsmodells vorgestellt.

Solow-Swan-Modell (neoklassisches Wachstumsmodell mit exogener Sparentscheidung)
Das Solow-Swan Modell wurde 1956 von Robert Merton Solow und Trevor Swan entwickelt und ist das Grundmodell neoklassischer Wachstumstheorie für die Modellklasse der exogenen Ersparnisbildung. Die Sparquote ergibt sich somit nicht durch die Entscheidungen der AkteurInnen, sondern wird ins Modell eingespeist.

Im Standardmodell konvergieren die Volkswirtschaften zu einem Steady State, d.h. zu einem Gleichgewicht bei dem im Zeitablauf Kapital und Output mit derselben Rate wachsen wie die Bevölkerung bzw. die Kapitalintensität (Kapital pro Kopf) konstant ist. Im Anpassungsprozess an diesen Steady State wachsen Volkswirtschaften, die nahe am Steady State sind, mit einer geringen Rate, während Länder, die von ihrem nationalen Steady State weiter entfernt sind, höhere Wachstumsraten aufweisen.

Langfristiges Wachstum der Kapitalintensität und damit des Pro-Kopf-Einkommens kann durch eine Erhöhung von exogenen Parametern entstehen. Entweder durch technische Fortschrittsschübe, die zu einer höheren Arbeitsproduktivität führen, oder durch eine Erhöhung der Sparquote. Beide Faktoren führen dazu, dass sich das Gleichgewicht bei einem höheren Level an Kapitalintensität einpendelt. Die Wachstumsraten von Output und Kapital sind im Steady State jedoch dieselben unabhängig von der Sparquote und der Produktivitätssteigerung. Da die Sparquote jedoch nicht unendlich erhöht werden kann, ist die Hauptursache von Wachstum technischer Fortschritt und nicht Kapitalakkumulation.

Ramsey-Cass-Koopmans Modell (neoklassisches Wachstumsmodell mit endogener Sparentscheidung)
Das Ramsey-Cass-Koopmans Modell basiert auf Ramsey’s „classic article“ (1928) und wurde von Cass (1965) und Koopmans (1965) erweitert. Es zählt zu den neoklassischen dynamischen Optimierungsmodellen mit endogener Sparentscheidung, d.h. die Sparentscheidung wird im Modell generiert.

Ein repräsentativer Haushalt optimiert seine Spar- und Konsumentscheidungen über einen unendlichen Lebenshorizont, dadurch ist die Sparquote nicht notwendigerweise konstant, sondern kann über die Zeit variieren. Langfristig konvergiert die Volkswirtschaft wie beim Solow-Swan-Modell zum Steady State, wo die Kapitalintensität (Kapital pro Kopf) konstant ist und Kapital und Output mit derselben Rate wachsen wie die Bevölkerung. Die Volkswirtschaft bewegt sich entlang eines Saddle-Point-Paths zum Steady State, wobei dieser bereits durch geringe Abweichungen vom optimalen Pfad nicht erreicht werden kann. Durch die rationalen Entscheidungen der Akteure hat die Ökonomie jedoch eine starke Tendenz nahe beim optimalen Wachstumspfad zu bleiben. Die Ergebnisse sind ähnlich jenen des Solow-Swan-Modells allerdings sind bei einer Änderung der exogenen Parameter die Anpassungsmechanismen hin zum neuen Steady State komplexer.

Langfristiges Wachstum der Kapitalintensität ist wie bei Solow-Swan durch exogene technische Fortschrittsschübe möglich. Somit kann langfristiges Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens nicht endogen im Modell erklärt werden.

AK-Modell (endogenes Wachstumsmodell)
Das AK-Modell zählt zu der ersten Generation der endogenen Wachstumsmodelle, die versuchen langfristiges Wachstum im Modell zu erklären, und wurde von Sergio Rebelo (1991) ins Leben gerufen. Innerhalb der endogenen Wachstumsmodelle zählt es zu jener Gruppe, die Mechanismen identifizieren, um die abnehmenden Grenzerträge des Kapitals zu überwinden.
Bei diesem Modell ist der Output eine lineare Funktion von Kapital, wobei der Begriff sehr breit gefasst wird und neben Sachkapital auch qualifizierte Arbeit bzw. Humankapital beinhaltet. Durch diese spezielle Produktionsfunktion nehmen die Grenzerträge der Kapitalakkumulation über die Zeit nicht ab. Dadurch hat die Volkswirtschaft im Steady State ein konstantes Wachstum der Kapitalintensität (Kapital pro Kopf) und des Pro-Kopf-Einkommens. Langfristiges Wachstum wird ohne exogenen technischen Fortschritt modelliert.

Dokumente
"Wachstum im Wandel" Dossier

Interne Links
Externe Links
Economic Growth Resources (2012): Blog über aktuelle Veröffentlichung zu Wachstumsanalysen.
Meeks, R. (2006): MPhil Macroeconomics: Economic Growth.

Literaturangaben
  • Acemoglu, D. (2008): Introduction to Modern Economic Growth. Princeton University Press: Princeton.
  • Cass, D. (1965): Optimum Growth in an Aggregative Model of Capital Accumulation. Review of Economic Studies, 32, 223-240.
  • Frenkel, M., Hemmer, H.-R. (1999): Grundlagen der Wachstumstheorie. Franz Vahlen: München.
  • Koopmans, T. C. (1965): On the Concept of Optimal Economic Growth. In: Koopmans, Tjalling. The Econometric Approach to Development Planning, Amsterdam, 225-300.
  • Maußner, A., Klump, R. (1996): Wachstumstheorie. Springer: Berlin Heidelberg.
  • Ramsey, F. (1928): A Mathematical Theory of Saving. Economic Journal, 38, 543-559.
  • Rebelo, S.(1991): Long-Run Policy Analysis and Long Run Growth. Journal of Political Economy, 99, 500-521.
  • Solow, R. M.(1956): A Contribution to the Theory of Economic Growth. Quarterly Journal of Economics, 70, 65-94.
  • Swan, T. W.(1956): Economic Growth and Capital Accumulation. Economic Record, 32, 334-361.

Schlagworte

Wachstumsmodell

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:03

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