Rebound-Effekt

Der Rebound-Effekt bezeichnet den mengenmäßigen Unterschied zwischen den möglichen Ressourceneinsparungen, die durch bestimmte Effizienzsteigerungen entstehen, und den tatsächlichen Einsparungen. Somit führt der Rebound-Effekt dazu, dass das Einsparungspotenzial von Effizienzsteigerungen nicht oder nur teilweise realisiert wird. Gemessen wird er in Prozent. Dieser Effekt ist einer der Gründe, warum nachhaltige Innovationen zu einer geringeren Entkopplung führen als gewünscht. In der Ökonomie ist dieser Effekt auch als Jevon’s Paradox bekannt. William Stanley Jevons beschrieb 1865 in seinem Buch „The Coal Question“, dass technische Verbesserungen, die zu einer Effizienzsteigerung führen, eher zu einer Steigerung als zu einer Senkung des Energieverbrauchs führen. Jevons bezog sich dabei auf die Effizienzsteigerung durch die Einführung der kohlebefeuerten Dampfmaschine von James Watts, die von einem Anstieg des Kohleverbrauchs in England begleitet wurde. Im Kontext der Nachhaltigkeit ist dieses Phänomen heute als Rebound-Effekt bekannt.

Der Rebound-Effekt wird auf der Mikroebene (direkte Rebound) und der Makroebene (indirekter Rebound) beobachtet. Mikroeffekte entstehen auf der Ebene der KonsumentInnen. Wenn ein Gut oder eine Dienstleistung durch eine Effizienzsteigerung billiger wird, führt das zu einem Anstieg der Nachfrage nach diesem Gut oder dieser Dienstleistung. Ein Beispiel dafür sind effizientere Heizungen, die in der Vergangenheit zu einer Erhöhung der Heiztemperatur geführt haben, und dadurch nicht die geplanten Energieeinsparungen brachten. Eine weitere Variante auf der Mikroebene ist, dass KonsumentInnen die Geldersparnisse aus der Effizienzsteigerung in andere Güter oder Dienstleistungen stecken. Die Ersparnisse aus dem Heizen werden für eine Flugreise genutzt, was wiederum den Ressourcenverbrauch nach oben schraubt. Studien belegen, dass die Reboundeffekte auf der Mikroebene in den meisten Fällen zwischen 0 % und 40 % betragen (Sorrell, 2007). Die Größe des Effekts hängt vom Einkommen der KonsumentInnen ab. Je reicher die KonsumentInnen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie nicht mehr vom billigeren Gut konsumieren. Ärmere KonsumentInnen stecken die Geldersparnis eher in mehr Konsum vom gleichen Gut oder von anderen Gütern. Dies zeigt, dass der Reboundeffekt auch zu einer Steigerung des materiellen Wohlstands führt.

Makroeffekte entstehen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene und sind schwieriger abzuschätzen. Bei Effizienzsteigerungen sollte die Differenz zwischen geplanter und tatsächlicher Einsparung im Niveau der wirtschaftlichen Tätigkeit stecken, die zumindest der Theorie nach bei Effizienzgewinnen höher sein sollte. Dieser Zusammenhang ist empirisch schwer zu zeigen und ist Gegenstand weiterer Forschung (UNEP, 2011).



Dokumente
"Wachstum im Wandel" Dossier

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  • Binswanger, M. (2001). "Technological progress and sustainable development: what about the Rebound Effect?" Ecological Economics 36: 119-132.
  • Sorrell, S. (2007) The Rebound Effect: an assessment of the evidence for economy-wide energy savings from improved energy efficiency. UK Energy Research Centre, Sussex.
  • UNEP, 2011. Decoupling natural resource use and environmental impacts from economic growth, A Report of the Working Group on Decoupling to the International Resource Panel. Fischer-Kowalski, M., Swilling, M., von Weizsäcker, E.U., Ren, Y., Moriguchi, Y., Crane, W., Krausmann, F., Eisenmenger, N., Giljum, S., Hennicke, P., Romero Lankao, P., Siriban Manalang, A., Sewerin, S.

Schlagworte

Rebound

Letzte Aktualisierung

14.10.2015 10:57

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