Wachstumsschwäche

Wenn die Wachstumstreiber schwächeln, schwächelt das Wirtschaftswachstum. Wenn weniger konsumiert, investiert und/oder exportiert wird und auch der Staat weniger ausgibt, wenn Arbeit, technischer Fortschritt und Innovation, Energie- und Ressourcenverfügbarkeit und Kapitalbildung zurück gehen, dann schrumpft die Wirtschaft.

Ein Rückgang der Nachfrage aber auch des Angebots kann zu einer Abwärtsspirale in der Produktion, in der Beschäftigung und somit der Wirtschaft führen, wenn dieser Rückgang nicht durch höhere Staatsausgaben, Investitionen oder Exporte ausgeglichen wird. Im schlimmsten Fall schlittert die Volkswirtschaft in eine Rezession.

Konsum
In einer weitgehend „gesättigten“ Gesellschaft verliert der Konsum seine Rolle als Wachstumstreiber. Immaterielle Werte, etwa Beziehungen oder Freizeit werden für den einzelnen wichtiger und unsichere Zukunftsaussichten erhöhen die Sparneigung.

Investitionen
Investitionen werden vor allem von positiven Zukunftsaussichten getrieben. Je geringer die Hoffnung auf künftiges Wachstum, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Unternehmen jährlich mehr investieren.

Staatsausgaben
Sparpakete und die Rückführung früher aufgenommener Kredite führen in den von der Wirtschaftskrise betroffenen Ländern dazu, dass Staatsausgaben zurück gehen. Damit können auch private Nachfrageeinbrüche nicht mehr ausgeglichen werden.

Exporte
Je mehr Länder von der globalen Wachstumsschwäche erfasst werden, desto weniger wird auch im Ausland nachgefragt und umso weniger kann auch aus anderen Ländern exportiert werden.

Arbeit
Der demographische Wandel (Alterung der Gesellschaft) führt dazu, dass besonders in europäischen Volkswirtschaften das Arbeitskräftepotential zurück geht, solange das nicht durch Zuwanderung oder spätere Rentenantrittszeiten ausgeglichen wird.

Technischer Fortschritt und Innovation
Der Zuwachs an Arbeitsproduktivität ist jedoch durch demografischen Wandel, fehlende Qualifikationen und soziale Kosten (Stress, Krankheit, sinkende Motivation) begrenzt. Ein weiterer Aspekt ist, dass es Branchen wie die personennahen Dienstleistungsbereiche gibt, in denen eine Steigerung der Arbeitsproduktivität zu einem Qualitätsverlust führen.

Energie- und Ressourcenverfügbarkeit
Ressourcen sind knapp und können nicht beliebig vermehrt werden. Auch sog. „erneuerbare“ Ressourcen sind begrenzt: sie basieren auf der Verfügbarkeit von Flächen und klimantischen Bedingungen (z.B. die Wasserkraft und künstliche Bewässerung).

Kapitalbildung
Seit der Wirtschaftskrise 2008 befindet sich die Weltwirtschaft in einer „Kreditklemme“. Wurden davor Kredite in einem Ausmaß vergeben, die realwirtschaftlich garnicht in künftige Wachstumschancen umsetzt werden konnten, ist nun Kapital knapp weil Banken und staatliche Kreditregulierung der privaten Kreditvergabe enge Grenzen setzen..

Institutionen
Je mehr in einer Gesellschaft Möglichkeiten und Sinnhaftigkeit des Wirtschaftswachstums hinterfragt wird, umso mehr versagt auch dieser Wachstumstreiber.

Dokumente
"Wachstum im Wandel" Dossier

Interne Links
Externe Links
Hinterberger, F., Pirgmaier E., Stocker, A., Ax, C. (2012): Policy Paper 3: Wachstum und Beschäftigung. Welche Spielräume hat Beschäftigungspolitik unter den Bedingungen unsicherer Wachstumsprognosen und wie kann Beschäftigungspolitik zu mehr Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft beitragen?

Literaturhinweise
  • Ax, Ch., Hinterberger, F. (2013). Wachstumswahn. Was uns in die Krise führt – und wie wir wieder herauskommen.
  • Samuelsen, P. A. and Nordhaus, W. D. (2001): Economics. Seventeenth Edition, McGraw-Hill, New York.
  • Pirgmaier, E. und Hinterberger, F. (2012): What kind of growth is sustainable? A presentation of arguments. In: Hinterberger, F., Pirgmaier, E., Freytag, E., Schuster, M. (Hrsg.): growth in transition. Earthscan, New York.

Schlagworte

Wachstumsschwäche

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:05

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