Modelle und Konzepte zur Nachhaltigkeit

Einleitung
Im Kontext der wissenschaftlichen Diskussion über den Begriff der Nachhaltigkeit wurden in den in den vergangenen Jahren mehrere Modelle entwickelt, die sich der Thematik widmen. Dabei verwenden die Modelle häufig unterschiedliche Ansätze, um sich dem Begriff zu nähern. Eines der bekanntesten Konzepte ist das Drei-Säulen-Modell, welches die grundlegenden Elemente der Nachhaltigkeit thematisiert (Stud 2008, S.185). Einen anderen Ansatz verfolgt hingegen die Cradle-to-Cradle-Vision mit der Zielsetzung einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft. Den Anfang machte hingegen das Nachhaltigkeitsdreieck welches in den 1990er Jahren entwickelt wurde und die drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales abbildet.

Im Folgenden sollen die bekanntesten Modelle zusammenfassend dargestellt werden. Mehr Informationen zu den einzelnen Modellen erhalten Sie in den zugehörigen Artikeln.
Übersicht über die Modelle und Konzepte:
Die Nachhaltigkeitsmodelle
Dem Ansatz der Forstwirtschaft zufolge ist eine nachhaltige Entwicklung des Waldes nur dann möglich, wenn in einem Wald nur so viel abgeholzt wird, wie dieser in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann. Aus diesem Grundgedanken der Nachhaltigkeit vom Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714), kann abgeleitet werden, dass die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit kein eigenständiges Ziel ist. Vielmehr kann diese als Grundprinzip eines wirtschaftlichen Forstbetriebes verstanden werden, welches auf mehreren Komponenten beruht (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 69). Zu diesen Komponenten gehören Wirtschaft und Finanzen|Ökonomie]], Ökologie und Soziales. Diese drei Elemente bilden in zahlreichen Modellen die Basis der grafischen Darstellung.

Als eines der ersten Modelle der Nachhaltigkeit wurde das "Nachhaltigkeitsdreieck" entworfen. Dieses ist angelehnt an die Zielvereinbarung des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes der BRD von 1967 und wird auch als "Magisches Dreieck" bezeichnet. Die gleichseitige Anlegung des Dreiecks soll die gleichberechtigte Bedeutung jeder Nachhaltigkeitsdimension widerspiegeln (Hauff 2009, S.165). Das Nachhaltigkeitsdreieck vereint ökologische, soziale und ökonomische Aspekte in einem Modell. Es spiegelt damit die zentralen Prinzipien der Nachhaltigkeit wieder.
Die Verbindung der drei Prinzipien Ökologie, Ökonomie und Soziales (wie auch im Drei-Säulen-Modell) soll verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit nur erreicht werden kann, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt werden ( Hauff 2009, S.166 ff).

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das "Drei-Säulen-Modell". „Im Drei-Säulen-Modell stehen Ökologie, Ökonomie und Soziales als Stützpfeiler der Nachhaltigkeit gleichrangig nebeneinander. Diese Konkurrenzsituation macht die Interpretation von Nachhaltigkeit in der Praxis oft schwierig und beliebig." (Spindler 2009, S.13). Entwickelt wurde das Modell nach Beschluss der Agenda 21. Hier wurde das Konzept der Nachhaltigkeit formal zum Leitprinzip der Politik erklärt. Die EU formulierte 1997 mit ihrem Vertrag von Amsterdam explizit drei Säulen als Basiskomponenten der Nachhaltigkeit. Danach umfasst Nachhaltigkeit nicht nur das Naturerbe, sondern auch wirtschaftliche Errungenschaften und soziale und gesellschaftliche Leistungen, beispielsweise die demokratischen Strukturen und eine gerechte Einkommensverteilung. Das Drei-Säulen-Modell ist ein theoretisches Modell, das motivieren soll, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen zu schaffen und das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Brundtland-Definition zu erreichen. Zusammengefasst kann das Drei-Säulen-Modell als „[...] Kristallisationspunkt für die Ansprüche der unterschiedlichen Akteure [...]," betrachtet werden (Kleine 2009, S.9).

Anders als das Drei-Säulen-Modell oder das Nachhaltigkeitsdreieck legt das "Ein-Säulen-Modell" einen Schwerpunkt unter den Nachhaltigkeitselementen Ökologie, Soziales und Wirtschaft fest. Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass die natürliche Umwelt die Basis allen Lebens undWirtschaftens ist. Somit verfügt das Ein-Säulen-Modell über einen stark ökologischen Schwerpunkt. Alternativ spricht man bei diesem Ansatz auch von dem Pyramiden-Modell, mit der Umwelt als Basis. Im Ein-Säulen-Modell besitzt die Bewahrung der Natur und somit die ökologische Dimension die höchste Priorität. Im Gegensatz zum Drei-Säulen-Modell und zum Modell "Zauberscheiben der Nachhaltigkeit" handelt es sich also um einen gewichteten Modellansatz. Die nächsthöhere Stufe der Pyramide nehmen menschliche Grundbedürfnisse sowie soziale und gesellschaftliche Aspekte des menschlichen Daseins ein. Die Wirtschaft wird als Teil der Gesellschaft verstanden. Die Frage, was an der Spitze der Pyramide stehen sollte, hängt von der jeweiligen Sichtweise ab (Reis 2003, S.226 ff).

Einen Schnitt gegenüber dem alteingesessenen Nachhaltigkeitsdreieck und den Säulen der Nachhaltigkeit nimmt das "Integrative Nachhaltigkeitsmodell" vor. Dieses kritisiert die klassischen Modelle, da diese die umfassende Komplexität der Nachhaltigkeit nicht ausreichend abbilden können. Um Nachhaltigkeit als ganzheitliches Zukunftsmodell zu realisieren, sind zahllose Wechselwirkungen zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Gegebenheiten und Entwicklungen zu beachten.
Das Begriffsverständnis hat sich infolge der Kritik geändert: Nachhaltigkeit wird heute zumeist integriert dargestellt: Drei Kreise überschneiden sich in der Mitte, die Schnittmenge ist die Nachhaltigkeit und betont die gegenseitige Verknüpfung und Abhängigkeit der drei Säulen. Dieses Konzept wurde im Rahmen einer Studie des Bundesumweltministeriums, des Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana-Universität in Lüneburg und von Econsense, dem Forum nachhaltige Entwicklung des BDI, entworfen.

Entsprechend dieser Studie wurde das Modell der "Zauberscheiben" entwickelt. Ähnlich wie die Vorgänger Modelle, bilden die "Zauberscheiben der Nachhaltigkeit" die Komponenten Wirtschaft, Ökologie und Soziales ab. Da die Darstellung in drei sich überschneidenden Kreisen erfolgt, wird an dieser Stelle aber erstmals die Abhängigkeit der drei Grundkomponenten voneinander thematisiert.
„Im Sinne der starken Nachhaltigkeit darf keine der drei Dimensionen einzeln betrachtet werden bzw. kann keine für sich allein dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werden." (Häberli/Schneider 2002, S.58).
Die Zauberscheiben der Nachhaltigkeit entstammen dem Förderprojekt "Angewandte Ökologie" der Landesanstalt für Umweltschutz in Baden- Württemberg unter der Leitung von Professor Hans Diefenbacher aus dem Jahre 1997. Der Bereich der Umwelt ist nach Dr. Jürgen Rochlitz, der 1998 den Abschlussbericht "Schutz des Menschen und der Umwelt - Ziele und Rahmenbedingullgen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung" der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags verfasste, eine wichtige Komponente, um "eine ökologisch-soziale Langzeitökonomie zu Gunsten lebender und zukünftiger Generationen" (Störmer 1998, S.15) garantieren zu können.

All diese Modelle zielen darauf ab ein möglichst vollständiges Bild der Nachhaltigkeit zu zeichnen. Ein abschließendes Modell, welches sämtliche Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt, gibt es bisher noch nicht. Generell kann aber abschließend festgehalten werden, dass insbesondere die drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales in den meisten Modellen thematisiert werden. Je nach Ursprung des Modells erfährt eine der Dimensionen gegebenenfalls eine Gewichtung und wird den anderen als Basis für nachhaltiges Handeln vorgezogen.

Konzepte zur Nachhaltigkeit
Neben den beschriebenen Modellen zur Nachhaltigkeit wurden zeitgleich mehrere Konzepte entwickelt, um ein nachhaltiges Handeln entsprechend umzusetzen. Ein besonders populäres Konzept ist die "Cradle-to-Cradle"-Vision ("Von der Wiege zur Wiege") die vom deutschen Chemieprofessor, Verfahrenstechniker und Ökovisionär Michael Braungart und dem US-Architekt William McDonough entwickelt wurde.
Hierbei handelt es sich um die Vision einer abfallfreien Wirtschaft. Zielsetzung ist der Verzicht auf gesundheits- und umweltschädliche Materialien bei der Produktion. Anstelle dieser Materialien sollen natürliche, langlebige Stoffe verwendet werden um einen geschlossenen Kreislauf zu erzeugen. Kompostierbare Textilien, essbare Verpackungen, reine Kunststoffe oder Metalle, die unendlich oft für denselben Zweck verwendet werden können – so soll die Zukunft aussehen. Problematisch ist dabei, dass eine Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Konzeptes eine komplette neuentwicklung der industriellen Produktion voraussetzt. Zudem wird gegewärtig bezweifelt, dass für jedes Produkt ein Cradle-to-Cradle-Zyklus anwendbar ist (Zeilhofer-Ficker 2011, S.1).

Ein weiteres Konzept welches zur Nachhaltigkeit anregen soll ist das "Triple-Bottom-Line"-Konzept (TBL). Das TBL stammt aus der Finanzbranche. Unternehmen, welche dieses Konzept verfolgen, wollen mit ihrem Kerngeschäft zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.
TBL gilt unter anderem als Grundlage einer Bewertung, die Banken oder Kapitalgesellschaften für Unternehmen ausführen. Damit beurteilen sie die Kredit- und Geschäftswürdigkeit, wobei sie ethische, ökologische und finanzielle Leistungen berücksichtigen. Dem Begriff der "Triple Bottom Line" haben der Wissenschaftler Michael Braungart und der US-Architekt William McDonough 2002 den Begriff der „Triple Top Line“ gegenübergestellt. Dabei handelt es sich um eine neue Perspektive für das Produktdesign und für Geschäftsmodelle. Ziel sind Produkte und Dienstleistungen, die die Umwelt erhalten und die soziale Gerechtigkeit fördern und gleichzeitig einen wirtschaftlichen Wert schaffen. Das Design folgt den Naturgesetzen und gibt der Industrie neue Werkzeuge an die Hand, um auf sichere Weise Wohlstand zu schaffen. Die „Triple Top Line“ ist Ziel des "Cradle-to-Cradle-Konzepts. Darüber hinaus bezeichnet die Triple Top Line auch den Effekt, den ein nachhaltiges Management von natürlichen Ressourcen, Finanzkapital und Arbeitskräften auf ein Unternehmen selbst hat (Schubert 2008, S.31 ff).

Literatur
  • Häberli, M./ Schneider, N. (2002): Nachhaltigkeitsvergleich Zürich-Berlin. Wiesbaden: Springer. (Link)
  • Kleine, A. (2008): Operationalisierung einer Nachhaltigkeitsstrategie - Ökologie, Okonomie und Soziales integrieren. Wiesbaden: Gabler. (Link)
  • Reis, O. (2003): Forum und Sozialkultur. Münster: LIT Verlag. (Link)
  • Schretzmann, R. et al. (2006): Wald mit Zukunft. Nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland. Bonn: aid-Heft 1478 (2006), S.69.
  • Schubert, J. (2008): Tripple Bottom Line im Accounting und Reporting. Hamburg: Diplomica Verlag.
(Link)

  • von Hauff, M. (2014): Nachhaltige Enwticklung. München: Oldenburger Wissenschaftsverlag GmbH.
  • Zeilhof-Ficker, I. (2011): Das Cradle-to-Cradle-Prinzip - Revolutionäre Idee gegen Ressourcenverschwendung. München: Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH.
(Link)

Dokumente
Geschichte der Nachhaltigkeit
Nachhaltige Entwicklung Modelle

Interne Links
Externe Links
Modelle gelebter Nachhaltigkeit
Nachhaltige Entwicklung

Schlagworte

Konzept, Modell, Nachhaltigkeitsdreieck, Nachhaltigkeitsmodell

Letzte Aktualisierung

13.07.2015 18:34

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