Ethische Zweifelsfragen und Zielkonflikte

Bei allem guten Willen können auf sämtlichen Handlungsfeldern, in allen Abteilungen und bei Entscheidungen des täglichen Geschäfts ethische Zweifelsfragen und Zielkonflikte auftreten. Hierfür gilt es, Vorsorge zu treffen.

Es kann zum Beispiel um die ethisch heikle Frage gehen, was zu tun ist, wenn Kinderarbeit in der Zuliefererkette aufgedeckt wurde. Soll man sie den Zulieferern verbieten oder die Geschäftsbeziehungen zu ihnen abbrechen - und dabei riskieren, dass die Kinder und ihre Familien infolgedessen hungern müssen? Oder gibt es andere Lösungsmöglichkeiten? Immer wieder ergeben sich Zielkonflikte bei der Schwerpunktsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie oder der Investitionsplanung. Soll der Umweltschutz Vorrang haben oder soll der Erhalt von Arbeitsplätzen die vorrangig sein? Soll also eine alte Anlage durch eine effiziente ersetzt werden, was zudem die Lohnkosten senkt? Im Tagesgeschäft kann die Frage lauten: Soll ein gewinnträchtiger Kredit an eine Firma mit umstrittenen Geschäftsaktivitäten vergeben werden? Und bei Großprojekten wie etwa dem Megastaudamm Belo Monte in Brasilien stellt sich für die Politik, die beteiligten Unternehmen, Versicherer und Kreditgeber sowie die Bevölkerung die grundlegende Frage, was die bessere, will heißen: die weniger schädliche Lösung ist – 15 klimaschädliche Kohlekraftwerke oder eine riesiges Wasserkraftwerk zwecks klimaverträglicher Stromproduktion auf Kosten von Regenwald und indigener Bevölkerung?

Zur Beantwortung derartiger Zweifelsfragen und zur Lösung von Zielkonflikten bieten sich mehrere Handlungsoptionen:
  • Sinnvoll ist, sie in einem internen Gremium zu diskutieren, in dem alle Geschäftsbereiche vertreten sind. Da derartige Themen immer wieder auftreten, ist es ratsam, dass dieses Gremium bzw. Nachhaltigkeitsmanagement fest installiert ist und Entscheidungsbefugnisse hat.
  • Empfehlenswert ist, einen Beirat zu berufen, der mit externen Fachleuten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen besetzt ist. Mit ihm kann sich das interne Gremium beraten und für sich selbst Schwerpunkte sondieren.
  • Überdies ist es nicht nur sehr hilfreich, sondern kann unumgänglich sein, einen vertraulich geführten Stakeholder-Dialog mit wesentlichen Anspruchsgruppen des Unternehmens zu führen. Hier fließt viel externes Know-how ein und es können Pro- und Contra-Argumente für strategische Entscheidungen abgewogen, sowie anschließend berechtigte Interessen von Anspruchsgruppen in Umsetzungsprozessen berücksichtigt werden.
  • Für das Tagesgeschäft ist es sinnvoll über (einen) Nachhaltigkeitsexperten oder eine solche, beim Vorstand oder der Geschäftsführung angesiedelte Expertengruppe respektive ein unternehmensweites Nachhaltigkeitsmanagement zu verfügen. Diese Experten können – ggfs. auf Basis von internen Leitlinien und Handbüchern - direkt Entscheidungshilfen liefern und ggfs. die Zweifelsfrage dem Vorstand/der Geschäftsführung bzw. dem internen Gremium oder externen Beirat vorlegen und mit ihm besprechen.
  • Das Personal im Risikomanagement sollte entsprechend geschult sein.
Interne Links zum Thema "Handlungsebenen" nachhaltigen Wirtschaftens:

Schlagworte

Ethik, Konflikt, Zweifelsfrage

Letzte Aktualisierung

03.11.2015 10:56

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