Grüne Festivals

Einleitung

Mit dem Sommer kommt auch die Zeit der Musikfestivals. Jährlich strömen riesige Zuschauermengen zu diesen Großevents und lassen sich dort Jahr für Jahr von der Sonne und musikalischen Klängen verwöhnen. Doch gerade aus der Perspektive des Umweltschutzes haben diese Open Air Veranstaltungen auch ihre Schattenseiten und stellen in manchen Fällen regelrechte CO2-Schleudern dar. Um die Natur zu schonen, setzen deswegen immer mehr Veranstalter auf sogenannte «Green Events». Oberstes Ziel ist dabei der nachhaltige Schutz der natürlichen Ressourcen. Dazu ist eine genaue Planung und Organisation im Vorfeld der Veranstaltung notwendig. Vor allem die Themen Abfall, Energie, Verkehr und Transport, Landschaft und auch Lärm sind primäre Aufgabenstellung, die möglichst nachhaltig und umweltfreundlich gelöst werden müssen.

Abfall und Reiseverkehr als schwerwiegendste Probleme

Als eines der größten Probleme von Openair-Festivals sind die scheinbar endlosen Abfallberge zu nennen. Diese werden zwar oftmals durch freiwillige Helfer und Entsorgungsunternehmen entfernt, die Entstehung des Abfalls wird dabei allerdings nicht vermieden. Da es kaum möglich ist diese zu vermeiden ist eine entsprechende Entsorgung umso wichtiger.
Der Abfall und die Art des Festival-Abfalls kann in 3 Phasen eingeteilt werden. Die erste Phase ist die Aufbauphase, bei der vor allem Dekomaterial, Wertstoffe, Baustoffe, Mischabfall und Sonderabfall entsteht. Während der zweiten Phase, die sich über die Laufzeit des Festivals erstreckt, fallen speziell Werkstoffe und Mischabfall an. Die letzte Phase des Abbaus ist erneut geprägt von Dekomaterial, Wertstoffen, Baustoffen, Mischabfall und Sonderabfall. Um den Abfallbergen Herr zu werden, empfiehlt es sich, eine Mülltrennung während der verschiedenen Phasen des Events vorzunehmen. Aus diesem Grund ist die Bereitstellung von ausreichenden Sammelkapazitäten für Abfälle und Wertstoffe wichtig. Damit die getrennte Sammlung von Abfällen auch eingehalten wird, müssen in der Planungsphase entsprechende Richtlinien festgelegt werden die die Standbetreiber und aufbauenden Firmen dazu verpflichten die Sammelsysteme ordnungsgemäß zu nutzen. Bei mehrtägigen Veranstaltungen sollten zudem Sammelstellen vorhanden sein, die in regelmäßigen Abständen durch Entsorgungsunternehmen geleert werden.

Neben der Abfallproblematik ist der Verkehr ein weiteres Element, welches der Umwelt starke Schäden zufügt. Aufgrund großer Entfernungen oder unhandlichem Gepäck wie der Campingausrüstung etc., reisen viele Festivalbesucher mit ihrem eigenen Auto an. Der dabei entstehende CO2-Ausstoß nimmt ein Großteil des Gesamtausstoßes ein. In Deutschland wurde deswegen die «Green Music Initiative» geschaffen. Diese arbeitet zusammen mit dem Melt-Festival, welches jährlich östlich von Dessau stattfindet. Zu dem Angebot der Initiative zählt der CO2-sparende Melt-Festival-Hotelzug. Mit diesem Zug kann nicht nur die An- und Abreise zum Übernachtungsort erfolgen, sondern auch der gezielte Transport zum Festivalgelände. Zudem bleibt der Zug während der gesamten Dauer des Events vor Ort und kann sogar als Schlafraum genutzt werden. Für alle vier Nächte des Melt-Festivals verfügt man somit über ein eigenes Bett, ist unabhängig von Wind und Wetter, steht nicht im Stau und muss keine Ausrüstung schleppen.
Darüber hinaus wird die An- und Abreise mit "normalen" Zügen häufig durch das Eintrittsticket unterstützt, indem diese als Fahrkarte dienen. Um den Reiseverkehr zu reduzieren, hat die Initiative "Sounds for Nature" mehrere Vorschläge in einem Leitfaden zusammengefasst. Zu diesen Maßnahmen zählen:

  • die Förderung des ÖPNV durch Sonderkonditionen,
  • die Einführung von Festival-Kombi-Tickets, welches gleichzeitig als Eintrittskarte, Campingkarte und als Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel gilt,
  • die stärkere Parkscheinkontrollen,
  • die Reduzierung der Parkplätze,
  • die Einführung von höheren Parkgebühren,
  • die Förderung von Park & Ride bzw. von Mitfahrgelegenheiten.
Ein prominentes Festival, welches mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, ist das Openair St. Gallen. Bereits seit 2007 ist es mit dem «Green’n’Clean»-Award der Europäischen Festival Organisation Yourope ausgezeichnet. Verdient hat es sich diese Auszeichnung durch unterschiedliche Anstrengungen. So verzichtet das Openair St. Gallen seit 2007 beispielsweise gänzlich auf Generatoren und deckt den gesamten Energiebedarf mit erneuerbaren Energien. Als besonders nachhaltig gilt auch das Paléo Festival Nyon, der Luzerner Marathon, der Engadin Ski Marathon und die Kino-Open-Air- Angebote von Orange Cinema. Diese fördern laut WWF die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr, haben fast alle ein Umweltkonzept, nutzen Ökostrom, kompensieren ihre CO2-Emissionen, setzen auf Recycling und teilweise auch auf Bio-Catering.
(Quelle: Global Nature Fund

"Green Camping"

Vor allem auf den Campingflächen des Festivals bleiben nach der Veranstaltung große Abfallmengen zurück, die gesammelt, sortiert, wiederverwertet oder entsorgt werden müssen. Hinzu kommt, dass die Menge an großem Abfall, wie Pavillons, Zelt- und Möbelresten, dabei von Jahr zu Jahr ansteigt. Parallel dazu nimmt auch die Nachfrage nach ruhigeren Campingflächen ohne den mit dem Betrieb von Kühlschränken und großen Soundanlagen verbundenen Lärm von Stromaggregaten seit einiger Zeit zu. Auf diesen Flächen wird versucht die Müllmenge möglichst gering zu halten, die Umwelt weitestgehend sauber zu halten und den Lärm zu minimieren.

Zur Erleichterung der Abfallentsorgung wurden auch hier Sammelgefäße für Müll aufgestellt, die täglich oder bei Bedarf auch mehrmals, entleert wurden. Zudem erklärte sich jeder Besucher dazu bereit, die von ihm aufgestellten Zelte und Pavillons nach der Veranstaltung auch wieder mit nach Hause zu nehmen. In der Green Camping Area dürfen ausschließlich Zelte und Pavillons ohne Zusatzbauten aufgebaut werden. Die Einfuhr von Anhängern ist in diesen Gebieten gänzlich untersagt. Campingstühle sind hingegen zulässig. Lediglich auf große Möbel wie Sessel, Sofas, Betten und Kühlschränke muss verzichtet werden. Mitbringen und Betrieb von Stromaggregaten ist in der Green Camping Area ebenfalls verboten. Zur Lärmreduzierung herrscht zudem in der Zeit von 01 Uhr – 07 Uhr Nachtruhe.
(Quelle: Rock am Ring)

Welche Künstler engagieren sich besonders für den Umweltschutz ?

Mittlerweile gibt es auch Künstler, die sich für den Naturschutz einsetzen. Eine der herausragenden Persönlichkeiten in diesem Kontext ist der Musiker Jack Johnson. Der gebürtige Hawaiianer ist im Umweltschutz aktiv. Im Jahre 2008 verwendete er so zum Beispiel 100 Prozent der Gewinne seiner damaligen Tour um die "Johnson Ohana Charitable Foundation" zu gründen. Die Stiftung setzt sich in den Bereichen Umwelt, Kunst und Musik ein und konnte bisher 1,3 Millionen US$ spenden. Die Familie Johnson unterstützt damit beispielsweise ein Projekt für organisches Essen an Schulen. Ziel von Jack Johnson ist es die Musik mit dem Umweltschutz zu verbinden. So beziehen sich seine Texte oftmals auf dieses Themenfeld. Rund um seine Konzerte und Touren zeigt Jack Johnson besonders großes Engagement. Fanartikel und CD's werden zudem weitestgehend aus recycelbaren Materialien hergestellt. Die Musik selber nimmt Jack Johnson in seinem eigenen Aufnahmestudio auf, welches die Besonderheit aufweist, dass der dazu benötigte Strom durch Solarkraft gewonnen wird. Interessant ist ebenso das bereits bei dem Ticketverkauf für seine Konzerte darum gebeten wird, dass die Besucher Fahrgruppen bilden. Verlinkungen zu Carsharing Seiten sind zur Unterstützung angegeben. Hinzu kommt das gegebenenfalls auf dem Konzertgelände ein „Village Green“ errichtet wird. Die Konzertbesucher können hier während ihres Aufenthaltes umweltbewusst leben, indem sie sich z.B. mit regional angebautem und organischem Essen versorgen. Hierdurch können lokale Farmen unterstützt werden, da sie ebenfalls als Caterer für die Band und alle Mitarbeiter arbeiten. Ebenso bietet das „grüne Dorf“ aber auch die Möglichkeit, sich über den Naturschutz zu informieren und aktiv zu unterstützen. Interessierte können so mit den nicht kommerziellen Organisationen in Kontakt treten, die durch Johnson als Partner der „grünen Touren“ ausgewählt wurden. Hinzu kommt das auf dem gesamten Konzertgelände ausschließlich recycelbare Taschen und wiederverwendbare Flaschen verkauft werden, die sich in den Wasserstationen kostenlos auffüllen lassen. Durch dieses Vorgehen konnten bisher ca. 335.000 Plastikflaschen eingespart werden. Durch die Unterstützung der Fans konnten während der letzten Tour 460 Tonnen Müll recycelt oder kompostiert werden. Nach eigener Aussage von Johnson werden die Konzertgelände oft sauberer hinterlassen als vorgefunden. Diese einfachen Maßnahmen zeigen jedoch bei einer Hochrechnung große Wirkung. Von den recycelbaren Taschen konnten 2010 insgesamt 9.605 Exemplare verkauft werden. Nutzt jeder Fan seine Tasche für ein Jahr, können 12,8 Millionen Tonnen Öl gespart und 14,9 Millionen Bäume gerettet werden.
(Quelle: FRN: Jack Johnson)

Um auch andere Künstler zum Umweltschutz zu motivieren, wird in regelmäßigen Abständen der "Green Music Award", von der Green Music Initiative vergeben. Dieser geht an Künstler, die sich im Umweltschutz engagieren und dadurch das Bewusstsein von Fans und Öffentlichkeit schärfen. Als langjähriger Unterstützer erneuerbarer Energien und der Elektromobilität Morten Harket für sein Engagement im Schutz des Regenwaldes ausgezeichnet.

Der Ex-Sänger der Gruppe A-ha, die 2010 ihre Auflösung bekannt gab, engagiert sich seit 25 Jahren in der Umweltschutzorganisation Bellona Foundation und überführte gemeinsam mit dem Gründer und heutigen Präsidenten der Stiftung Frederic Hauge das erste Elektrofahrzeug, einen Fiat Panda, in sein Heimatland Norwegen. In den 80er Jahren zählte Morten Harket zu den ersten Aktivisten im Einsatz für die Verbreitung von Elektromobilität. (Quelle: musikmarkt.de)

Neben diesen beiden Beispiele gibt natürlich zahlreiche weitere Künstler die sich für den Erhalt der Umwelt einsetzen. Unter diesem Link finden Sie eine Liste von namenhaften Persönlichkeiten die sich dem Naturschutz angenommen haben.

Beim Umweltschutz steht jeder in der Verantwortung

Damit ein Openairevent nachhaltiger wird ist nicht nur der Veranstalter gefragt. Bereits bei der Vorbereitung des Festivalbesuchs kann jeder entsprechende Maßnahmen treffen, um die Umwelt zu schonen. Bevor man das Haus für einige Tage verlässt, könnten zum Beispiel alle elektrischen Geräte ausgeschaltet werden. Die An- und Abreise erfolgt bestenfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit einer Fahrgemeinschaft. Damit möglichst wenig Abfall entsteht, sollte man nur das von zu Hause mitbringen, was auch wirklich benötigt wird. Metallgeschirr kann dabei das Einweg-Plastikgeschirr ersetzen. Das sich während des Aufenthaltes die Müllentstehung nicht vermeiden lässt ist leider nicht vermeidbar, jedoch sollte der Abfall in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgt werden. Auch das von zu Hause mitgebrachte Essen kann in Frischhalteboxen und nicht in Alufolie eingepackt werden. Kauft man seine Verpflegung an den Essensständen, sollte man sich auch für den Stand entscheiden, der richtige Teller und lokale Produkte anbietet. Am Merchandising-Stand kann zudem nach T-Shirts aus fairem Handel und/oder Biobaumwolle gefragt werden. Darüber hinaus kann die Umwelt auch geschont werden, indem man sich nach Events umsieht, die ökologisch handeln und selbst vor Ort zur Tat zu schreiten.


Dokumente

Sounds for Nature - Leitfaden für Open-Air-Festivals

Interne Links

Externe Links

Green Musc Initiative
Grün hinter den Zelten
KonzertKultour: Nachhaltigkeit
Sounds for Nature

Schlagworte

Abfall, Carsharing, Festival, Green Events, Jugend, Musik

Letzte Aktualisierung

09.12.2015 11:53

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