Entkopplung

Der Begriff Entkopplung wird in vielen Bereichen verwendet – von Elektronik bis hin zur Linearen Algebra. Im Kontext von Nachhaltigkeit versteht man unter Entkopplung meist die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch (Ressourcenentkopplung). Eine Einheit Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird mit weniger Einheiten Ressourcenverbrauch erzeugt. Weiters wird unter Entkopplung im Nachhaltigkeitskontext auch die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltauswirkungen verstanden (Entkopplung von Umweltauswirkungen) – also weniger Umweltauswirkungen pro Einheit BIP. Die folgende Grafik verdeutlicht die zwei Entkoppelungsbegriffe. Der Begriff Entkopplung entwickelte sich aus dem Ökoeffizienzkonzept, das vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) in 1992 geprägt wurde, und aus der Definition der OECD 2001, die Entkopplung als Aufbruch des Zusammenhangs zwischen Umweltschäden („environmental bads“) und „wirtschaftlichen Gütern“ beschreibt (UNEP 2012).

Eine Grafik zu diesem Thema finden Sie in diesem UNEP Report.

Die Entkopplung von Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch als auch von den Umweltauswirkungen ist ein wesentliches Element in der nachhaltigen Entwicklungsstrategie von Europa (European Council, 2006) und der Thematischen Strategie für die nachhaltige Verwendung von natürlichen Ressourcen (European Commission, 2005). Entkopplung ist auch bei der OECD ein wichtiges Thema. Ihre „Empfehlungen für Materialflüsse und Ressourcenproduktivität“ (2004) zielen darauf ab, Ressourcenflussindiaktoren in ökonomische und ökologische Entscheidungen zu berücksichtigen.
Vor allem in den westlichen Industrieländern hat sich die Ressourceneffizienz in den letzten Jahren erhöht. Dennoch wächst der absolute Ressourcenverbrauch Jahr für Jahr. Das liegt daran, dass das Wachstum des Bruttoinlandprodukts höher ist als das der Effizienz. Dieser Fall wird als relative Entkopplung bezeichnet und beschreibt die Entwicklung des globalen Ressourcenverbrauchs. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass global gesehen der Materialverbrauch steigt, aber gleichzeitig geringerer wächst als das Bruttoinlandsprodukt.

Weitere Informationen finden Sie hier: Dittrich et al. (2012)

Eine absolute Entkopplung zwischen Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum bedeutet, dass der Ressourcenverbrauch konstant bleibt oder sogar sinkt, auch wenn die Wirtschaft wächst. Das wäre der Fall, wenn die Ressourceneffizienz mehr wächst als das Wirtschaftswachstum. Somit wäre Wirtschaftswachstum nicht mehr mit einem Wachstum vom Ressourcenverbrauch verbunden und die Wirtschaft könnte auch in einer endlichen Welt unendlich wachsen. Eine absolute Entkopplung ist daher notwendig, um Wirtschaftswachstum innerhalb der Tragfähigkeit des Planeten zu ermöglichen. Ein wichtiger Ansatz für die Erreichung dieses Ziels ist die Erhöhung der Ressourceneffizienz, was bedeutet, dass eine Einheit BIP mit weniger Einheiten Ressourcenverbrauch erzeugt wird.
Behindert wird die absolute Entkopplung unter anderem dadurch, dass KonsumentInnen bei einer Effizienzsteigerung oft mehr Produkte nachfragen, was die Effizienzgewinne zumindest teilweise zunichtemacht. Dieser Effekt wird auch als Rebound-Effekt bezeichnet. Ein weiterer wesentlicher Faktor für den globalen Anstieg des Ressourcenverbrauchs sind die hohen Wachstumsraten vieler Volkswirtschaften, allen voran die sogenannten BRIICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China, Südafrika). Die folgende Grafik zeigt die weltweiten Trends zur Entkoppelung von Materialverbrauch und Wirtschaftswachstum.

Weitere Informationen finden Sie hier: Dittrich et al. (2012)



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"Wachstum im Wandel" Dossier

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Literaturhinweise
  • Dittrich, M., Giljum, S., Lutter, S., Polzin, C., 2012. Green economies around the world? Implications of resource use for development and the environment. SERI - Sustainable Europe Research Institute, Vienna.
  • Giljum, S., Behrens, A., Hinterberger, F., Lutz, C. and Meyer, B., 2008. “Modelling scenarios towards a sustainable use of natural resources in Europe”. In: Environmental Science and Policy 11 (3), 204-216.
  • Lutter S., Haider A., 2011. Grenzenloser Ressourcenkonsum in einer begrenzten Welt? Agrarische Rundschau - Zeitschrift für Agrar- und Wirtschaftspolitik mit Agrar- und Umweltrecht 5, 5-9.
  • UNEP, 2011. Decoupling natural resource use and environmental impacts from economic growth, A Report of the Working Group on Decoupling to the International Resource Panel. Fischer-Kowalski, M., Swilling, M., von Weizsäcker, E.U., Ren, Y., Moriguchi, Y., Crane, W., Krausmann, F., Eisenmenger, N., Giljum, S., Hennicke, P., Romero Lankao, P., Siriban Manalang, A., Sewerin, S.

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Entkopplung

Letzte Aktualisierung

14.10.2015 10:57

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