Ein Säulen Modell & Pyramiden Modelle

Die Verfechter des ökologisch orientierten Pyramiden-Modells gehen von der Tatsache aus, dass die natürliche Umwelt die Basis allen Lebens und Wirtschaftens ist. Die Umwelt sollte ihrer Ansicht nach die Basis der Pyramide bilden, ihre Bewahrung höchste Priorität haben. Bei diesem Ansatz spricht man alternativ auch von dem "Ein-Säulen-Modell", das der ökologischen Dimension Priorität einräumt und somit im Gegensatz zum Drei-Säulen-Modell und zum Modell "Zauberscheiben der Nachhaltigkeit" steht. Menschliche Grundbedürfnisse sowie soziale und gesellschaftliche Aspekte des menschlichen Daseins wären demnach die nächste Pyramidenstufe. Die Wirtschaft wird als Teil der Gesellschaft verstanden. Die Frage, was an der Spitze der Pyramide stehen sollte, hängt von der jeweiligen Sichtweise ab.

Die im Frühsommer 2013 gestartete Plattform für Nachhaltigkeit der Hochschule Darmstadt stellt ergänzend zu gängigen Darstellungen des Nachhaltigkeitsdreiecks eine Nachhaltigkeitspyramide zur Diskussion, die die natürlichen Grenzen als Handlungsrahmen für Wirtschaft und Gesellschaft klarer aufzeigt. Gleichzeitig soll sie in Anlehnung an die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow zeigen, wie das Bedürfnis nach Wachstum inhaltlich weiter differenziert werden kann.

Quelle: gruener-journalismus.de

Weitere Informationen zu dieser Darstellung finden Sie auf den Internetseiten der Leuphana Universität.

Das Konzept der dauerhaft umweltgerechten Entwicklung, hervorgegangen aus ökologischen Krisen, stellt die grundlegende Frage nach der ethischen Rechtfertigungsfähigkeit der modernen Zivilisationssysteme. Andere Autoren sprechen auch von dem Retinitätsprinzip: Die grundlegende ethische Aufgabe wird als Rückbindung der menschlichen Zivilisation an das sie tragende Netzwerk der Natur (Retinität, von lateinisch rete = Netz) umschrieben.

Kritiker dieses Ansatzes weisen darauf hin, dass es für eine nachhaltige Entwicklung wichtig ist, dass sich alle großen gesellschaftlichen Gruppen dafür einsetzen. Nur wenn die gesamte Gesellschaft die ökologischen Probleme erkenne und bereit sei, sie einvernehmlich zu lösen, gelinge eine ökologisch nachhaltige Entwicklung. Sollten ökologische Fortschritte zu sozialen oder ökonomischen Verwerfungen führen, seien sie jedoch nicht realisierbar. Inzwischen hat sich darum auch ein anderes Verständnis von Retinität entwickelt, nämlich die Vernetzung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten der Nachhaltigkeitsidee (Vernetzung von Öko-, Zivilisations- und Gesellschaftssystem), die ethische Entscheidungsmaßstäbe beinhaltet.

Die ökologisch verstandene Pyramide hat jedoch nichts mit dem CSR-Pyramidenmodell von Archie B. Carroll (1979, 1991) zu tun. Dieses sieht die ökonomische Verantwortung eines Unternehmens als grundlegend an, um die anderen Verantwortungsebenen zu erfüllen. Sie stellt deshalb die unterste Ebene und Basis der CSR-Pyramide dar. Darüber liegen die juristische und die ethische Verantwortung und an der Spitze die philanthropische Verantwortung.

Die Sichtweise, dass Unternehmen nur dann verantwortlich handeln können, wenn sie ökonomischen Erfolg haben, wurde lange von Wirtschaftsvertretern verfochten, aber von Wissenschaftlern, anderen gesellschaftlichen Gruppen und auch von Unternehmen kritisiert. Sie ist inzwischen überholt. Zumal Konsens darüber besteht, dass CSR nicht das bloße Erfüllen von Gesetzen (Compliance im engeren Sinne) ist, sondern weit über gesetzliche Anforderungen hinaus geht und gesellschaftliche Anforderungen an Unternehmen (Compliance im weiteren Sinne) erfüllen soll. Darum ist die Ansicht weit verbreitet, dass verantwortungsvolles Verhalten von Unternehmen erforderlich ist, damit sie ihre „Licence to operate“ (gesellschaftliche Betriebsgenehmigung / Akzeptanz) behalten. Carrolls Pyramide wurde darum von andern Wissenschaftlern (u.a. Kang und Wood) auf den Kopf gestellt – ethische Werte sind damit eine Basis für die Gewinnerzielung.

Interne Links
Weiterführende Links zur Retinität und zum Ein-Säulen-Modell / ökologischem Pyramidenmodell:
Artikel "Zukunftsfähiges Deutschland"
SRU: "Information zum Umweltgutachten 1994"
ITAS: "Nachhaltigkeit und Wissenschaft"
ITAS: Einleitungsartikel zur Nachhaltigkeit

Weiterführende Links zur Diskussion über Carolas Pyramidenmodell:
Artikel: "The pyramid of corporate social responsibility"
Dokument: "Revisiting Carroll`s CSR Pyramid

Schlagworte

Caroll, Definitionen, Ein-Säulen-Modell, Modell, Nachhaltigkeitsmodell, Pyramiden-Modell, Säulen, Zauberscheibe

Letzte Aktualisierung

03.11.2015 11:09

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