Aktives Aktionärstum: Engagement

a. Begriffserklärung
b. Engagement international stark verbreitet
c. Erste Engagement-Ansätze in Deutschland

a. Begriffserklärung

Der internationale Begriff „Shareholder Engagement“ oder kurz (englisch ausgesprochen) „Engagement“ umfasst Aktivitäten von vermögenden und institutionellen Anlegern, mit denen sie allein oder gemeinsam auf Unternehmen mit kritischen Geschäftsaktivitäten zugehen. Sie versuchen, ihren Einfluss geltend zu machen, damit sie eine bessere Unternehmensführung (Corporate Governance) haben, wirtschaftlicher arbeiten und/oder ökosozial risikobewusster und verantwortlicher mit dem Kapital ihrer Aktionäre umgehen.

Engagement kann man auf vielerlei Art betreiben:
  • Abstimmungen auf Hauptversammlungen durch eigene Anwesenheit oder die Beauftragung spezieller Dienstleister (Proxy Voting). Zur Abstimmungen kommen jedoch meist nur Fragen der Corporate Governance und keine Fragen ökologisch und sozial verantwortlichen Wirtschaftens. Das ergaben empirische Befunden aus den USA und Europa der letzten Jahre sowie Ende 2011 eine Studie der Universität Stuttgart zu Hauptversammlungen der Dax-30-Konzerne ergab.
  • Nutzung des Rederechts auf Hauptversammlungen: Hier können Anleger selbst oder durch entsprechende Interessenvertreter gezielt öko-soziale Probleme ansprechen, die das Unternehmen verursacht, sowie Verbesserungsmöglichkeiten einfordern.
  • Anträge/Gegenanträge: Investoren(gruppen) versuchen eigene Anträge bzw. Gegenanträge auf die Agenda der HV zu bekommen oder eine außerordentliche HV zu bewirken
  • Direkter Dialog mit Unternehmen: Großinvestoren versuchen jenseits von öffentlichen Veranstaltungen allein oder in Bündnissen Unternehmen mit kritischen Geschäftsaktivitäten in direktem, persönlichen Dialog zu verantwortlicherem Geschäftsgebaren und nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu drängen.
  • Berichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit: Berichte, über die mit dem Engagement verbundenen Aktivitäten und Erfolge im Rahmen eines Engagement-Reports; Öffentlichkeitsarbeit bezüglich konkreter Fälle.
  • Verkauf von Anteilen: Die Androhung des potenziellen Verkaufs von Anteilen, soll Unternehmen bewirken, auf Forderungen von Investoren einzugehen.
  • Investorengespräche mit Regulierungsbehörden: Ansprechpartner können Aufsichts- und Finanzaufsichtsbehörden sein, aber auch Parlamente
  • Gerichtliche Prozesse: Juristisches Instrument, öfters genutzt zur Durchsetzung von Forderungen im Bereich Corporate Governance (Unternehmensführung).
Interessant ist Engagement vor allem für solche Investoren, die ihr Portfolio nicht ändern möchten und trotzdem etwas bewirken wollen. Das in angelsächsischen und skandinavischen Ländern sowie in Frankreich und den Niederlanden weit verbreitete „Engagement“, das die Investoren selbst betreiben oder in Auftrag geben, ist eine gute Alternative und nicht bloß zweite oder dritte Wahl.

Einige Verfechter strikter nachhaltiger Anlagen kritisieren, dass es lediglich der Gewissensberuhigung diene, wenn ein Anleger jemanden mit „Engagement“ beauftrage, denn sein Geld fließe weiter in unethische Geschäftspraktiken.

Doch die Wirkung des Engagements kann wesentlich größer sein, als wenn Investoren ihre Aktien an zweifelhaften Unternehmen verkaufen, denn für Aktienpakete finden sich neue Aktionäre und die Firmen wirtschaften weiter wie bisher. Aktive Aktionäre hingegen können zur Bewusstseinswandel in Unternehmen beitragen. Das belegte im Juni 2013 eine Recherche des Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments.

Welche Wirkungen nachhaltige Anleger und Engagement auf Unternehmen haben, schilderte eine Studie der Münchener Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research vom Juni 2013. Demnach sind Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten und nachhaltigen Investoren bei 61 respektive 59 Prozent der Konzerne aus aller Welt ausschlaggebende Faktoren, sich mit Nachhaltigkeit zu befassen. Dies ergab eine Umfrage von Oekom Research in Kooperation mit den UN Prinzipien für verantwortliches Investieren und dem Deutschen Global Compact Netzwerk unter rund 750 Großunternehmen. Engagement im Sinne aktiver Dialoge hat mit 37 Prozent der Nennungen nach Best-in-Class-Konzepten den zweitgrößten Einfluss auf das Nachhaltigkeitsmanagement der Weltkonzerne.


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Schlagworte

Aktien, Aktionäre, Engagement, Spekulation

Letzte Aktualisierung

30.09.2015 09:38

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