Best-in-Class-Konzept

a) Erklärung, Ziel & Bedeutung
Das Best-in-Class-Prinzip besagt, dass von einem großen Anlageuniversum – etwa den 2500 weltgrößten Konzernen – aus allen Branchen diejenigen Unternehmen ausgewählt werden, die die besten Nachhaltigkeitsleistungen ihrer Branche erbringen. Diese Unternehmen, meist Konzerne, sind keine „nachhaltigen“ Unternehmen, sondern solche, die in vielen Bereichen der Unternehmensführung und des Kerngeschäfts überzeugende Aktivitäten hinsichtlich umwelt- und sozialverträglicheren Wirtschaftens unternehmen.

Verfechter des Best-in-Class-Konzepts wollen hiermit einen Wettbewerb um die besten Lösungen anstoßen. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, dass dies vielfach gelingt. So gilt es bei international arbeitenden Unternehmen und multinationalen Konzernen als Gütesiegel, in tonangebenden Nachhaltigkeitsindizes und/oder renommierten Nachhaltigkeitsfonds notiert zu sein. Sie strengen sich an, ihre ESG-Leistungen zu verbessern, um aufgenommen zu werden und zu bleiben. Den Effekt belegte im Frühjahr 2013 auch eine Umfrage der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research in Kooperation mit den UN Prinzipien für verantwortliches Investieren und dem Deutschen Global Compact Netzwerk unter rund 750 Großunternehmen. Demnach sind Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten und nachhaltigen Investoren bei 61 respektive 59 Prozent der Konzerne aus aller Welt ausschlaggebende Faktoren, sich mit Nachhaltigkeit zu befassen. Und Best-in-Class-Konzepte haben den größten Einfluss auf das Nachhaltigkeitsmanagement der Weltkonzerne.

Das Best-in-Class-Konzept gehört zu nachhaltigen Geldanlagen im engeren Sinne. Es ist das zweitwichtigste Anlagekonzept, allerdings vom Volumen her mit sehr großem Abstand zu Konzepten mit Positivkriterien.

b) Verschiedene Ansätze
Beim Best-in-Class-Prinzip gibt es unterschiedliche Ansätze und jeweils verschiedene Gewichtungen und Kriterienkataloge. Hierbei unterscheidet man solche Konzepte, die sowohl ökologische und soziale als auch wirtschaftliche Leistungen beurteilen, wie dies insbesondere für den weltweit führenden Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability Index (DJSI) geschieht. Dieser Index hat anders als der FTSE4Good keine Ausschlusskriterien.

Dagegen beruhen die meisten Best-in-Class-Konzepte auf der Bewertung der Leistungen für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (engl. Kürzel ESG), weil ökonomische Leistungen von Finanzanalysten beurteilt werden. Manche Konzepte verwenden auch Ausschlusskriterien oder so strenge Kriterien, so dass manche Branchen gar nicht ins nachhaltige Universum gelangen. Die jeweilige Gewichtung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistungen hängt häufig von der Branche und ihren spezifischen Problemen und Herausforderungen ab.

Bei manchen strengen Best-in-Class-Konzepten, wie etwa dem der Ratingagentur Oekom Research aus München, gelangen Unternehmen entweder in das nachhaltige Universum oder nicht. Andere Research-Anbieter nehmen eine Dreiteilung vor. Das strenge Nachhaltigkeitsrating der Schweizer Bank Sarasin, die zu den Vorreitern nachhaltigen Investments gehört, ermittelt hingegen das nachhaltige Universum, indem sie zuerst die Branche bewertet und dann die Leistungen einzelner Unternehmen.

c) Best-of-Class
Als Gegenentwurf zum Best-in-Class-Konzept, bei dem konventionelle Unternehmen vorherrschen, wurde von Vermögensverwaltern das Best-of-Class-Konzept entwickelt. Eine Investmentstrategie nach dem „Best-of-Class“-Ansatz investiert nur in nachhaltige Branchen und dort jeweils in den Branchenbesten. Hinter dem neuen Branding verbergen sich jedoch kaum andere Konzepte als diejenigen, die schon lange existierende Umwelt- oder Ökofonds verfolgen.

Genau wie bei Umweltfonds ist auch bei Best-of-Class-Konzepten zu beachten, dass vielfach – anders als bei Nachhaltigkeitsthemenfonds - keine sozialen oder umfassenden öko-sozialen Nachhaltigkeitskriterien angewendet werden und infolge dessen durchaus auch in heikle Unternehmen investiert werden kann. Die pure Zugehörigkeit etwa zu Branchen wie den Erneuerbaren Energien oder Wasserversorgung bedeutet noch nicht, dass es sich um konsequent in jeder Hinsicht nachhaltige Unternehmen handelt. Nachhaltigkeitsthemenfonds prüfen auch soziale, ökologische und ethische Kriterien, manche verfolgen ebenfalls ein Best-of-Class-Konzept.

d) Grenzen und Risiken
Anleger sollten wissen, dass viele Best-in-Class-Produkte die Besten der Großkonzerne wählen. Höhere Nachhaltigkeitsleistungen mittlerer oder kleiner Unternehmen (KMU) sind nicht der Maßstab. Leistungsfähiger KMU haben oft keine Chance, in derartige Nachhaltigkeitsindizes oder -produkte zu gelangen.

Mit der Wahl von häufig auf mehreren Geschäftsfeldern tätigen Konzernen geht auch das Problem einher, dass sie sowohl öko-sozial gewünschte Produkte und Dienstleistungen anbieten als auch zugleich solche, die als eher fragwürdig betrachtet oder kritisiert werden. Hier sollten Anleger selbst prüfen, was sie zu akzeptieren bereit sind. Häufig arbeiten Anlageprodukte mit Schwellenwerten, d.h. die heiklen Themen wie etwa Atomkraft, grüne Gentechnik oder Alkohol dürfen nur einen bestimmten Bruchteil des Umsatzes ausmachen.

Als Problematisch können sich bei dem auf multinationale Konzerne stützende Konzept auch deren große Zuliefererketten erweisen: Deren Schwerpunkte liegen oft in Entwicklungsländern, in denen häufig inakzeptable Arbeitsbedingungen und die Umwelt schädigende Geschäftspraktiken herrschen. Verfechter strenger Nachhaltigkeitskonzepte kritisieren, dass folglich nur die am wenigsten schädlichen Unternehmen in ein nachhaltiges Universum gelangen, dass sie jedoch gleichwohl an Ausbeutung und Umweltzerstörungen beteiligt sind. Best-in-Class-Verfechter halten dagegen, dass sich diese Konzerne glaubwürdig darum bemühen, negative Auswirkungen ihrer Zuliefererketten zu verringern und zu minimieren und damit einen Verbesserungswettbewerb in der Wirtschaft insgesamt anstoßen.

Als äußerst heikel gilt, dass Best-in-Class-Konzepte oftmals keine Branchen ausschließen und damit – weil Analysten nicht alles wissen können - das Risiko von Großunfällen eingehen. Bestes Beispiel dafür ist die riesige Ölkatastrophe am Golf von Mexico 2010 infolge der explodierten BP-Ölplattform Deepwater Horizon. Der DJSI-Index und auch einige Nachhaltigkeitsfonds hatten BP notiert und wurden darum stark kritisiert. Nach dem Absturz der BP-Aktie zog der DJSI im Juli 2010 die Notbremse und entfernte BP aus dem Index - nach Ansicht von Finanzprofis viel zu spät.

Das Beispiel zeigt: Auch nachhaltige Produkte unterliegen Fehleinschätzungen. Aber: Gründliches ESG-Research kann Risiken senken, weswegen viele Nachhaltigkeitsindizes und die meisten Nachhaltigkeitsfonds, auch solche mit Best-in-Class-Ansätzen, – anders als viele konventionelle Indizes - BP nicht notiert hatten.


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Letzte Aktualisierung

30.09.2015 09:49

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