Anlagekonzepte: Hintergründe

a. Überblick über die Bandbreite der Konzepte
b. Kritische Würdigung: Warum gibt es so viele Methoden & Ratings? Ist die Vielfalt nötig?
c. Konsolidierungswelle im Nachhaltigkeitsresearch

a. Überblick über die Bandbreite der Konzepte

Bei nachhaltigen und verantwortlichen Kapitalanlagen oder „Socially Responsible Investments / SRI“ hat der europäische Branchenverband Eurosif lange grob unterschieden zwischen nachhaltigen Investments oder „Kern-SRI“, das überwiegend strenge Konzepte enthält, und „breitem SRI“, das weniger strenge Konzepte von großen, meist konventionellen Investoren umfasst.

Diese Unterscheidung war aber umstritten, da es Überlappungen gibt und in unterschiedlichen europäischen Staaten verschiedene Ansichten dazu, was streng und weniger streng ist. Der Verband reagierte auf die heftige Kritik und stellte im Eurosif-Marktbericht von 2012 die Marktentwicklung nur bezogen auf die einzelnen Investmentstrategien dar. Das Gesamtvolumen findet sich nur in einer Tabelle fast am Ende des Berichts: Demnach wurden Ende 2011 in Europa rund 6,8 Billionen Euro irgendwie nach nachhaltigen Kriterien verwaltet. Die Marktbereiche wachsen dynamisch.

Heute unterscheidet man zwischen nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichen Investments (siehe auch Socially Responsible Investment (SRI)). Nachhaltigen Geldanlagen wenden mehrere ethische, auf internationalen Normen basierende Ausschlusskriterien, mit umfassenden Positivkriterien (Best-in-Class-Konzept) sowie themenspezifische Anlagen. Sehr viele Anlageformen kombinieren die Konzepte und streuen somit das Risiko.

Zu verantwortlichen Investments gehören der Ausschluss einzelner Branchen, das „Shareholder Engagement“ , wozu der direkte Dialog der Aktionäre mit Unternehmen gehört, sowie das so genannte „Mainstreaming“, die Integration finanziell bedeutsamer Umwelt-, Sozial- oder Governance-Kriterien (ESG) in Aktienanalyse und Portfoliomanagement.

Einen Überblick über die Volumina der verschiedenen Anlagestrategien gibt der Eurosif-Marktbericht von 2012. Sämtliche verantwortlichen Investmentstrategien sind zwischen 2009 und 2011 mit zumeist plus 35 Prozent stärker gewachsen als der gesamte Markt. Das Volumen von drei Anlagestrategien hat sich gar mehr als verdoppelt: Ethische Ausschlüsse gelten nun für geschätzt 2,3 Billionen Euro, das ist ein Zuwachs von 137 Prozent. Der Ausschluss von Branchen, Unternehmen oder Geschäftspraktiken sowie die Anwendung von Best-in-Class-Strategien stiegen um 119 respektive 113 Prozent. Der Bericht informiert auch detailliert über Länderentwicklungen.

Da institutionelle Investoren mehrere Anlagestrategien mit demselben Kapital gleichzeitig verfolgen, ist die Summe der einzelnen Strategien höher als die Gesamtsumme von 5 Billionen Euro aller nachhaltigen Kapitalanlagen.

Die große Bandbreite nachhaltiger und verantwortlicher Anlagekonzepte erweitert die Anlagemöglichkeiten für Investoren. Aber die teils verwirrende Vielfalt an Konzepten wird auch kritisiert, von Anlegern, unabhängige Finanzberater und Experten, denen manches Konzept nicht streng genug ist. Zudem liefern Nachhaltigkeitsratings und –reseach verschiedene Ergebnisse. Darum geht das Lexikon der Frage nach, warum es so viele verschiedene Ansätze gibt und ob diese Vielfalt nötig ist.


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Schlagworte

Aktionäre, Anlagekonzepte

Letzte Aktualisierung

18.11.2015 10:33

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