Der deutschsprachige Markt

Im deutschsprachigen Raum waren Ende 2012 rund 120 Milliarden Euro nachhaltig investiert, gut 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ergab der im Frühjahr 2013 veröffentlichte Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Dem FNG sind 140 Unternehmen und 20 Privatpersonen aus dem deutschsprachigen Raum beigetreten, die entsprechende Investments voranbringen wollen. Seit 2005 erhebt das FNG Zahlen zum nachhaltigen Anlagemarkt im deutschsprachigen Raum.

Insgesamt beteiligten sich 74 Finanzakteure an der Umfrage des FNG. Das von ihnen verwaltete Volumen setzt sich zusammen aus den Kundeneinlagen und Eigenanlagen der Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus (41%), Mandaten (30%) und Investmentfonds (29%).

Im Jahr 2012 lagen Kunden- und Eigenanlagen von Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus bei 48,9 Milliarden Euro. Investmentfonds und Mandate verwalten insgesamt 71,4 Milliarden Euro. Unter Investmentfonds fallen Publikumsfonds, geschlossene Fonds und Zertifikate. Die jährliche Wachstumsrate dieses nachhaltigen Anlagebereichs betrug in Deutschland, Österreich und der Schweiz von 2005 bis 2011 durchschnittlich 30 Prozent. Das weist auf einen stabilen Wachstumstrend hin, der vor allem dem infolge der Finanzkrise starkem Wechsel von Anlegern ab 2009 zugeschrieben wird. Der Zuwachs von 17,8 Prozent im Jahr 2012 blieb hinter den starken Zuwächsen früherer Jahre etwas zurück.

Getrennt erhoben hat das FNG „verantwortliches Investieren“, basierend auf sogenannten Asset Overlays – dem Ausschluss von ein bis zwei Branchen: Es betrug 1,43 Billionen Euro. Das sei kein nachhaltiges Investment, so das FNG. Dagegen subsumiert es Stimmrechtsausübungen und aktive Firmendialoge unter nachhaltigen Investments. Andere Akteure ordnen diese Strategien anders ein, weil die Ausübung von Stimmrechten aus aktienrechtlichen Gründen meist nur zu Themen der Governance (Unternehmensführung) möglich ist oder praktiziert wird. Überdies ist vielfach gar nicht klar, wie hoch und nachdrücklich die öko-sozialen Anforderungen des Engagements sind und welche Wirkung Dialog entfalten.

In Deutschland wuchs der nachhaltige Anlagemarkt 2012 um 16,3 auf insgesamt gut 73 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt liegt bei Investmentfonds und Mandaten. Doch trotz der mit 20 Prozent im Vergleich zum konventionellen Markt überdurchschnittlichen Zuwachse von 20 Prozent auf 26 Milliarden Euro beträgt der Anteil nachhaltiger Investmentfonds und Mandate am gesamten deutschen Kapitalmarkt lediglich 1,3 Prozent. Er steigt allerdings, wenn man die durch Nachhaltigkeits-, Entwicklungs- und Kirchenbanken verwalteten Kunden- und Eigenanlagen hinzurechnet. Sie summieren sich auf stolze 47 Milliarden Euro.

Dass der Anteil institutioneller Anleger am deutschen Nachhaltigkeitsmarkt binnen zwei Jahren von 55% auf 77 Prozent (Ende 2012) stieg, ist indes ein wichtiges Signal. Damit verschiebt sich allerdings auch der Anlageschwerpunkt im Markt. Großanleger investieren bevorzugt in Mandate und wesentlich seltener in Publikumsfonds oder geschlossene Fonds.

Die quantitativ wichtigste Anlagestrategie in Deutschland ist nach wie vor die Anwendung von Ausschlusskriterien. Platz zwei belegt nach wie vor der Best-in-Class-Ansatz, der
ebenfalls deutlich zulegen konnte. Rückgänge gab es bei den Themenfonds und der Integration von
Nachhaltigkeitskriterien in das Standardgeschäft (ESG-Integration). Das normbasierte Screening, Engagement und Stimmrechtsausübung konnten weiter zulegen.In einer der Pressemitteilungen des FNG werden Ausschlusskriterien als dominante Strategie im gesamten deutschsprachigen Raum bezeichnet, in der FNG-Mitteilung für Deutschland hingegen die Stimmrechtsausübung: Sie komme bei rund 70 Prozent der Anlagen zum Tragen. In beiden Fällen nimmt der Best-in-Class-Ansatz die zweiwichtigste Rolle ein. Auch für die Schweiz und Österreich gibt es gesonderte Erhebungen.

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Forum Nachhaltige Geldanlage e.V.
Darmstädter Definition nachhaltiger Geldanlagen

Schlagworte

Kapitalanlage, Markt

Letzte Aktualisierung

18.11.2015 10:37

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