Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Der „Deutsche Nachhaltigkeitskodex“ soll nachhaltiges Wirtschaften stärken, hierfür Orientierung geben und Anforderungen verdeutlichen. Er soll sich an alle Teilnehmer am Finanzmarkt richten sowie an alle Unternehmen, die ihre Tätigkeit an den Prinzipien der Nachhaltigkeit ausrichten wollen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) am 13. Oktober 2011 beschlossen. Er enthält 20 Anforderungen für nachhaltiges Wirtschaften an Unternehmen aller Größen und Rechtsformen, mit denen sie ihre Leistungen messen und darstellen können. Als ein Standard für mehr Transparenz über Nachhaltigkeitsleistungen soll er sie vergleichbarer machen und Analysten die Beurteilung extra-finanzieller Risiken erleichtern. Er fußt auf den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI) und den ESG-Indikatoren der Europäischen Finanzprofi-Organisation EFFAS.

Der Rat dokumentiert DNK-Entsprechungserklärungen von Unternehmen auf einer eigenen Plattform. Inzwischen haben sich bereits einige große Börsenkonzerne sowie nicht notierte Mittelständler dazu bekannt. Bis Ende 2013 haben sich über 60 große Börsenkonzerne sowie nicht notierte Mittelständler dazu bekannt.

Der RNE übergab den DNK an die Bundesregierung und empfahl ihn als freiwilliges Instrument. Das bleibt hinter den Erwartungen von Experten zurück, die eine rechtliche Verankerung ähnlich der des Deutschen Corporate Governance Kodex für sinnvoll erachteten. Wirkung soll der DNK zunächst über den Finanzmarkt erlangen. Ursprünglich waren hierfür unter anderem eine Änderung des Aktiengesetzes angepeilt oder andere Wege der Implementierung.

Hinter der Verabschiedung steht gleichwohl die Hoffnung, dass dieser bisher in Europa einmalige Kodex als Vorlage für europäische Regelungen genutzt wird, die die EU-Kommission mit ihrer neuen CSR-Strategie anpeilt.

Ein erster Entwurf des Deutschen Nachhaltigkeitskodex wurde im November 2010 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der deutschen Bundesregierung vorgelegt. Idee und Konzept hat der RNE mit Investoren, Analysten, Unternehmensvertretern, Wissenschaftlern und Experten für gute Unternehmensführung entwickelt und im Zuge eines mehrstufigen Dialogverfahrens mit Interessengruppen 2011 weiterentwickelt. Der Kodex wurde 2011 von Unternehmen mit einem Marktwert von rund 463 Milliarden Euro einem ersten Praxistest unterzogen. Dazu gehörten (börsennotierte und kapitalmarktorientierte) Unternehmen aus Produktion, Handel, Dienstleistung sowie Mittelständler. Es wurde erprobt, inwieweit der Kodex geeignet ist, die erhofften potenziellen Wirkungen auf eine Neu-Orientierung im Mainstream-Kapitalmarkt zu entfalten und ob er die dafür notwendigen Informationen bietet. Am Ende der Praxisphase wurden die Fragen nach dem Geltungsbereich des Kodex und die Art, wie er implementiert werden soll, mit Anspruchsgruppen öffentlich diskutiert. Mehr zum Prozess der Entstehung finden Sie hier im Lexikon.

Der Nachhaltigkeitskodex versteht sich nicht als zusätzliche Vorschrift, sondern knüpft an Vorgaben bestehender internationaler Standards an, darunter dem UN Global Compact, den Berichterstattungsstandards der Global Reporting Initiative sowie weiteren Standards, Managementsystemen und Werkzeugen. Der Rat plädiert für einen verbindlichen Rahmen zur Nachhaltigkeitsbewertung an den Finanzmärkten. Den Verhaltenkodex könnten grundsätzlich alle Unternehmen beachten, er solle aber im Kern zur Beurteilung von Unternehmen an den Finanzmärkten und börsennotierten Gesellschaften gelten, argumentiert der RNE. Wirkung solle der Kodex zunächst über den Finanzmarkt erlangen, zum Beispiel durch eine Änderung des Aktiengesetzes oder andere Wege der Implementierung.

Der RNE fordert alle Unternehmen darin auf, ihre Tätigkeit an den Prinzipien der Nachhaltigkeit auszurichten und sich hierfür anspruchsvolle Ziele zu setzen, etwa zur Nutzung von Ressourcen und Energie, zur Beteiligung von Arbeitnehmern und zur ethischen Unternehmensführung. Diese Ziele sollen sie im Management mithilfe von Schlüsselindikatoren umsetzen. Außerdem regt der Entwurf an, die Managervergütungen an den unternehmerischen Nachhaltigkeitszielen zu orientieren.

Ökologische, ökonomische und soziale Gesichtspunkte müssten ausgewogen vereint werden, was oft nicht einfach sei. Insbesondere gehe es um die Frage, wie diesbezügliche Unternehmensleistungen gemessen und verifiziert werden könnten. RNE-Generalsekretär Günter Bachmann sagte 2011 dazu: „Schwache Nachhaltigkeit ist, wenn man darüber redet; starke Nachhaltigkeit ist, wenn sie zuverlässig gemessen und bewertet werden kann. Die oft unsachgemäße, fast beliebig dehnbare Verwendung des Begriffes irritiert und führt zu unscharfen Bewertungen und ungerechtfertigtem Mehraufwand für Unternehmen.“

Von der Auswahl standardisierter Schlüsselindikatoren der Deutschen Vereinigung der Finanzanalysten (DVFA) und der Global Reporting Initiative (GRI) erwartet der Nachhaltigkeitsrat, dass die in den letzten Jahren stark gewachsene Vielfalt von teils unstimmigen Bewertungsmethoden vereinheitlicht und vereinfacht wird. Belastbare und vergleichbare Informationen und eine verbindliche Orientierung zu schaffen, erfordere auch der globale Wettbewerb um zukunftsorientierte Produkte und Dienstleistungen. Der Nachhaltigkeitskodex überlässt es Unternehmen, für den jeweiligen Indikator entweder die Übereinstimmung („comply“) zu erklären oder eine Abweichung („explain“) zu begründen.


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Schlagworte

Börsenindex, Deutscher Nachhaltigkeitskodex, Kodex, Nachhaltigkeitskodex, Verband/Verbände

Letzte Aktualisierung

11.01.2016 12:40

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