Ressourcen

Einleitung

Das Thema Ressourcen bekommt einen immer größeren Stellenwert: Sowohl große internationale Konzerne als auch innovative KMU (kleine und mittlere Unternehmen) sind bereits aktiv geworden, denn viele haben erkannt: Durch effizienteren Ressourceneinsatz können Wachstums- und Beschäftigungsimpulse ausgelöst werden, da sich durch die Erschließung von Kostensenkungspotenzialen die finanzielle Performance und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Inlands- und Auslandsmärkten verbessert.

Natürliche Ressourcen sind Grundlage aller wirtschaftlichen Aktivitäten. Die Wettbewerbsnachteile, die durch eine ineffiziente Ressourcennutzung entstehen, gefährden die Entwicklung von Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze.

Das Bruttoinlandsprodukt der deutschen Volkswirtschaft - von der Rohstoffentnahme bis zum Recycling oder der Entsorgung - kann hingegen durch eine gesteigerte Ressourcenproduktivität um mehr als 1% erhöht werden. Außerdem wären eine kontinuierliche Sanierung des Staatshaushaltes durch zusätzliche Einkommen von 80 Milliarden Euro jährlich (bis 2016) sowie Einsparungen von 160 Milliarden Euro für die Industrie zu erwarten. Mehr als eine Million neue Arbeitsplätze könnten entstehen - ein weiteres schlagkräftiges Argument, die Dematerialisierung voranzutreiben (Schmidt-Bleek 2007).

Ein Anstieg der Ressourceneffizienz führt zu einer Reduktion von Umweltbelastungen, da insgesamt lebenszyklusweit weniger Ressourcen entnommen, bewegt, umgewandelt und verwertet werden müssen. Übergeordnetes Ziel dabei ist es, die lebenswichtigen Leistungen der Ökosphäre zu erhalten.

Konsumenten können Nutznießer einer gesteigerten Ressourceneffizienz in der Wirtschaft sein, wenn beispielsweise Kostensenkungen, die in Unternehmen erzielt werden, direkt an den Verbraucher weitergegeben werden. Darüber hinaus beeinflusst es ihren eigenen Ressourcenverbrauch und entlastet ihren Geldbeutel, wenn das Design der Produkte beispielsweise auf Dauerhaftigkeit oder geringen Energieverbrauch ausgelegt ist.

Natürliche Ressourcen

Den Begriff "Ressourcen" kann man, je nach Zusammenhang, unterschiedlich definieren. Der in der Ökonomie verwendete Begriff "natürliche Ressourcen" impliziert die sogenannten "Umweltmedien"
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"Boden" (mit allen mineralischen Rohstoffen, fossilen Energieträgern etc.), "Wasser" und "Luft", einschließlich des Begriffs der Biodiversität.

Zu dem Begriff "natürliche Ressourcen" gehören die Unterbegriffe "erneuerbare" und "nicht erneuerbare" Ressourcen:
Erneuerbare Ressourcen beziehen ihre Nährstoffe "aus organischem Abfall, der über natürliche Prozesse im Kreislauf geführt wird, und zwar so, dass im gleichen Zeitraum so viel rezykliert wie geerntet wird." (Bringezu, 2004) Das bedeutet also, dass erneuerbare Ressourcen, wie z.B. Wald- und Fischbestände sich im für die menschliche Planung relevanten Zeitraum regenerieren können.
Doch es gibt auch Ressourcen, die grundsätzlich erneuerbar sind und auch nachwachsen können. Diese werden in der Praxis nicht erneuert und können demzufolge nicht in der gleichen Form nachwachsen, da zwar geerntet oder gerodet wird, es aber keine ausgleichende Stoffabgabe gibt. Als Beispiel kann man den Tropenwald nehmen: Wird dieser gerodet, dauert es sehr lange, bis sich diese Ressource regeneriert hat. Im schlimmsten Fall kann der Bewuchs völlig verarmen, wenn als Folge der Rodung Nährstoffe durch die Erosion entzogen werden und insofern das biologisch- geologische Umfeld der Rohstoffproduktion geschädigt wird. Das kann zur Folge haben, dass sich eine natürlich erneuerbare Ressource zu einer degradierten oder gar ausgestorbenen Ressource entwickelt. Die Art der Bewirtschaftung entscheidet folglich darüber, ob eine erneuerbare Ressource auch tatsächlich regeneriert wird.

Strömende Ressourcen wie geothermische oder Solarenergie sind ebenfalls erneuerbare Ressourcen, für deren Nutzung aber andere Ressourcen erforderlich sind. So sind beispielsweise Energie, Materialien und Raum nötig, um Windturbinen oder Solarzellen zu bauen.

Nicht erneuerbare Ressourcen, wie traditionelle Energieträger (z.B. Öl, Kohle oder Erdgas)und mineralische Rohstoffe (z.B. Eisen oder Nickel) charakterisieren sich dadurch, dass sie sich nicht in dem Zeitraum und der Geschwindigkeit regenerieren können, in dem wir sie der Erde entnehmen: "Eine in der Gegenwart abgebaute Einheit einer erschöpflichen Ressource mindert also den künftig verfügbaren Bestand um genau eine Einheit." (Endres/ Querner, 2000) Dadurch entsteht also eine Rivalität zwischen Gegenwart und Zukunft.

Während früher die gesellschaftspolitischen Diskussionen um die erschöpflichen Ressourcen gingen, so spielen heutzutage die regenerierbaren Ressourcen der Erde eine größere Rolle. Dabei bereiten vor allem die Abholzung der tropischen Regenwälder, die Überfischung der Meere und die befürchtete Verödung der Erde durch eine Reduktion der Artenvielfalt in der öffentlichen Diskussion Sorgen.Demzufolge wird die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung immer höher.

Verwertete und nicht verwertete Stoffe

Verwertete und nicht verwertete Stoffentnahme bezeichnet den Prozess, der entsteht, wenn Menschen der Natur Stoffe entnehmen, die entweder weiterverwertet oder nicht verwertet werden. In den meisten Fällen handelt es sich um direkt genutzte Stoffe, wenn z.B. der Bauer eine Tonne Weizen erntet, d.h. wenn eine bestimmte Menge an Rohstoff direkt in den Stoffwechsel der Gesellschaft eingebracht wird. Allerdings geht ein Teil des Stoffes auch wiederum verloren, da z.B. der Bauer indirekt für Bodenerosionen in einem Umfang verantwortlich ist, die abhängig von der Region, ein Vielfaches des geernteten Weizens wiegen kann. Um diese Verbindung zwischen materiellem Wohlstand und den damit verbundenen Stoffströmen zu verdeutlichen, hat Friedrich Schmidt-Bleek den Begriff des "ökologischen Rucksacks" geprägt. Dieser "ökologische Rucksack" geht eng mit dem Begriff des "unsichtbaren Rucksacks" einher, der eben die Stoffströme beschreibt, die in keiner Statistik auftauchen.

Ressourcenproduktivität

Ein Mass für die Qualität des Umgans mit Ressourcen in der Wirtschaft ist die Ressourcenproduktivität. Beobachtet man eine steigende Ressourcenproduktivtität, so bedeutet das einerseits, dass mit gleicher Menge an Ressourcen eine höhere wirtschaftliche Leistung erbracht worden ist, die zu mehr Wohlstand führt. Andererseits kann es auch bedeuten, dass bei gleichbleibender Wirtschaftsleistung und gleichbleibendem Wohlstand weniger Ressourcen der Natur entnommen worden sind. Daher ist die Größe Ressourcenproduktivität wichtig bei der Umstrukturierung hin zu einer ökologisch zukunftstfähigeren Umstrukturierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Als Mass für die ökonomische Leistung wird das Bruttoinlandsprodukt herangenommen und als Mass für den stofflichen Ressourceneinsatz wird der Direkte Materialinput (DMI) und der Globale Materialaufwand (TMR) verwendet.

Ressourceneffizienz

Ressourceneffizienz tritt dann ein, wenn die Ressourcennutzung effizienter verlaufen soll, indem das gleiche Produktionsergebnis bzw. die gleiche Dienstleistung mit weniger Naturverbrauch (Ressourcen) produziert werden soll. Somit soll der Ressourcenverbrauch von der Wertschöpfung und dem Wohlstand einer Gesellschaft entkoppelt werden. Ressourceneffizienz fordert demnach den effizienten Einsatz von Materialien, Wasser und Energie sowie die sparsame Nutzung von Flächen.

Ressourcenkonflikte

Ressourcenkonflikte entstehen, wenn sich Vielverbraucher (als Verursacher der Ressourcenkonflikte) einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Ressourcen aneignen und dies (meist) die Ärmsten der Welt ausbaden müssen. Somit entsteht eine ungerecht verteilte Weltordnung, die zu Lasten der Leittragenden des Konflikts geht und somit deren Menschenrechte als auch Existenzrechte bedroht werden.
Insgesamt gibt es drei Typen an Ressourcenkonflikten: 1) Konflikte, um den verwehrten Zugang zu Ressourcen; 2) Konflikte um die ungerechte Verteilung von Ressourcen; 3) versteckte Konflikte.

Ressourcengerechtigkeit

Ein weiterer Begriff, der in dem Diskurs um Ressourcen auftaucht, ist der der Ressourcengerechtigkeit. Das Wuppertal Institut definiert Gerechtigkeit folgendermaßen: "Gerechtigkeit ist das Verständnis, das aus der andauernden Anstrengung entsteht, Ungerechtigkeit zu überwinden." (Wuppertal Institut, 2005) Ressourcengerechtigkeit definiert das Wuppertal Institut also mithilfe von vier Leitbildern: "Existenzrechte garantieren, "Ressourcenansprüche zurückbauen", "Austausch fair gestalten" und "Nachteile kompensieren".


Literatur

  • Baer, Paul/Athanasiou, Tom/ Kartha, Sivan (2007): The right to development in a climate constrained world. The Greenhouse Development Rights framework.
  • Bendell, Jem (2004): Barricades and Boardrooms. A Contemporary History of the Corporate Accountability Movement. Technology, Business and Society Programme. No. 13. Genf.
  • Bringezu, Stefan (2004): Erdlandung. Navigation zu den Ressourcen der Zukunft.Stuttgart.
  • BUND/Misereor (Hrsg.) (1996): Zukunftsfähiges Deutschland. Eine Studie des Wuppertal Instituts. Basel.
  • Klare, Michael T. (2002): Resource Wars: The New Landscape of Global Conflict. New York.
  • Hoekstra, Arjen Y. (2003): Virtual Water Trade between Nations: A Global Mechanism affecting Regional Water Systems. IGBP Global Change News Letter, No.54.
  • Martinez-Alier, Juan (2002): The Environmentalism of the Poor. A Study of Ecological Conflicts and Valuation. Cheltenham.
  • Shue, Henry (1980): Basic Rights. Subsistence, Affluence and U.S. Foreign Policy. Princeton.
  • Santarius, Tilman: Was ist Ressourcengerechtigkeit? In: Widerspruch, Nr. 54, 2008, S. 127-137.
  • Windfuhr, Michael (Hrsg.) (2005): Beyond the Nation State: Human Rights in Times of Globalization. Uppsala.
  • Wuppertal Institut (Hrsg.) (2005): Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit. München.
Interne Links
Externe Links
Ressourcen
Faktor-X: Netzwerk zum Thema Ressourceneffizienz
Definition "Ressource"-Duden
International Resource Panel
Faktor X: Ressourcen
Informationen des Netzwerks Ressourceneffizienz
Netzwerk Ressourceneffizienz -> Quelle: Quppertal Institut
ecoequity.org
Ressourcengerechtigkeit



Helga Weisz: Zwischen Hoffen und Bangen


Helga Weisz arbeitet am Potsdam Institute for Climate Impact Research und forscht an der Schnittstelle von Klimawandel und Stoffströmen.
Das Interview wurde von der Aachener Stiftung Kathy Beys auf dem World Resources Forum (2009) geführt.

Schlagworte

Ressourcen, Ressourceneffizienz, Ressourcenproduktivität

Letzte Aktualisierung

09.12.2015 11:32

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