Nachhaltige Katastrophenvorsorge

Einleitung

Großereignisse wie Erdbeben, Dürren, Vulkanausbrüche, Tsunamis oder Lawinen sind unvermeidbare Naturereignisse, welche für den Menschen schnell zu einer Katastrophe werden. Häufig fehlt ein entsprechendes Bewusstsein und Wissen über vorhandene Risiken. Die Gefahr von Naturkatastrophen heimgesucht zu werden steigt zudem mit der mangelnden Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten. Gemeint ist die extreme Verstädterung und Industrieansiedlung in gefährdeten Gebieten, die Begradigung von Flussläufen und Zerstörung von Überflutungsgebieten sowie die Abholzung der Wälder. Hinzu kommt, dass der Klimawandel und die steigenden Ansprüche der Gesellschaft das Gefahrenpotenzial von Naturkatastrophen weiter erhöhen. In Folge dessen nehmen Stürme und Fluten zu, die Bodenerosion steigt und die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme verringert sich. Aus diesen Gründen ist eine nachhaltige Katastrophenvorsorge von großer Bedeutung. Aber welche Möglichkeiten gibt es den Mächten der Natur gegenüberzutreten?

Maßnahme zur Katastrophenvorsorge

Damit das Risiko von Katastrophen vermindert werden kann, ist eine Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen notwendig. Dabei ist es wichtig, dass Risiko zu kennen bzw. über entsprechende Daten des Risikos zu verfügen. In Risikoanalysen wird deshalb zum einen die Wahrscheinlichkeit des Risikos ermittelt und zum anderen die Anfälligkeit der betroffenen Bevölkerung erfasst. Auf Basis dieser Datenerhebung werden entsprechende Maßnahmen identifiziert, um das Risiko zu senken. Diese Maßnahmen können der Katastrophenvorbeugung und der Vorbereitung auf den Katastrophenfall zugerechnet werden. Als konkretes Beispiel lassen sich die Frühwarnsysteme nennen, die den Zeitpunkt einer möglichen Katastrophe und dessen Auswirkung "voraussagen" sollen.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass alle Or­ga­ni­sa­ti­on­en, In­sti­tu­tionen und die Zivil­gesell­schaft auf lokaler und nationaler Ebene ein­ge­bunden sind. Je stärker und je flächen­deckender die ver­schie­denen Elemente zu einem System verknüpft werden, umso besser kann dieses Netz sich auf eine un­mit­tel­bare Be­drohung vor­be­reiten und im Unglücks­fall reagieren. Um dies zu ermöglichen, stimmt Deutsch­land seine Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit im Bereich der Kata­stro­phen­vor­sorge deshalb eng mit anderen Ländern ab. Dabei kommen folgende Maßnahmen zum Einsatz:

  • Risikoanalyse
  • Katastrophenvorbeugung
  • Vorbereitung auf den Katastrophenfall (inklusive Frühwarnung)
  • Katastrophenpräventiver Wiederaufbau

Die Bedeutung der Vorsorge

Obwohl Naturereignisse nicht verhindert werden können, kann der Grad ihrer Auswirkungen durch entsprechende Maßnahmen drastisch verringert werden. Dabei ist das Siedlungsverhalten bzw. die Gestaltung der Lebensumwelt von großer Bedeutung. Entscheidend für eine nachhaltige Katastrophenvorsorge ist die Verbreitung des Wissens über Naturereignisse. Dies ist die Aufgabe der öffentlichen Stellen eines jeden Staates. Die UNESCO unterstützt dabei insbesondere Staaten mit weniger Erfahrungen und geringen finanziellen Mitteln. Wie die Vergangenheit zeigt, ist die Katastrophenvorsorge vor allem in den Regionen der Welt nötig, die am wenigsten Möglichkeiten haben, sich selbst zu helfen.

Erfahrungen, die aus vergangenen Naturkatastrophen hervorgehen, haben gezeigt, dass Information und Bildung wesentliche Voraussetzungen sind, um den Folgen von Katastrophen zu begegnen und so Verluste an Menschenleben drastisch zu mindern.
Neben Information und Bildung sind es aber vor allem die finanziellen Mittel, die grundlegend für eine nachhaltige Katastrophenvorsorge sind.

Neben der Aufgabe der Bildung hat die UNESCO folgende Aufgaben zum Auftrag:

  • Die Forschung über Naturkatastrophen voranzutreiben, um deren zeitliche und räumliche Verteilung besser zu verstehen (z.B. durch Förderung des grenzüberschreitenden Datenaustauschs)
  • Verlässliche Frühwarnsysteme einzurichten (zum Beispiel die Tsunami-Frühwarnsysteme in vier besonders gefährdeten Weltmeeren)
  • Vernünftige Landnutzungspläne für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern (zum Beispiel durch die UNESCO-Biosphärenreservate und das Internationale Hydrologische Programm)
  • Für Baupläne zu werben, die an Naturgefahren angepasst sind
  • Bildungseinrichtungen und kulturelle Denkmäler zu schützen
  • Den Zusammenhang zwischen Naturschutz und Katastrophenvorsorge aufzuzeigen
  • Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Risiken anzuregen

Aufnahme der Katastrophenbegrenzung zur Zielsetzung der globalen Nachhaltigkeit

Im Weltrisikobericht aus dem Jahre 2012 wird eine Aufnahme der Katastrophenvorsorge zur Zielsetzung der globalen Nachhaltigkeit gefordert:
"Um die Katastrophenvorsorge und -bewältigung zum integralen Bestandteil einer Post- 2015-Entwicklungsagenda zu machen, wäre es sinnvoll, diese auch in einem künftigen Katalog globaler Nachhaltigkeitsziele zu berücksichtigen. Eine Vielzahl potenzieller Ziele, etwa im Bereich der Armutsbeseitigung, der Reduzierung von Einkommensdisparitäten oder der Begrenzung der CO2-Emissionen pro Kopf, dienen zwar implizit auch der Reduzierung von Vulnerabilität und Gefährdung. Jedoch sollten diese durch spezifische Ziele der Katastrophenvorsorge und -bewältigung ergänzt werden.
Sie können sich zum Beispiel beziehen auf die Einrichtung nationaler Frühwarnsysteme und die Durchführung von Risikoabschätzungen, die Finanzierung von Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe sowie die systematische Einführung von „katastrophenfesten“ Bau- vorschriften. Während der Rahmen globaler Nachhaltigkeitsziele universelle Gültigkeit haben sollte, sollten die spezifischen Unterziele an die örtlichen Gegebenheiten des jeweiligen Landes angepasst sein und von der dortigen Bevölkerung definiert werden.
Der Folgeprozess nach dem „Rio+20“-Gipfel, die internationalen Klimaverhandlungen sowie die zunehmend intensiveren Auseinandersetzungen über die Zukunft der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) und die Post-2015-Entwicklungsagenda bieten die Chance, in diesen Zusammenhängen auch das Thema „Katastrophenrisiken“ systematisch zu berücksichtigen.
Dabei wird es in den kommenden drei Jahren darauf ankommen, dem immer wieder postulierten Anspruch gerecht zu werden, die sektorbezogene „Silo-Mentalität“ zu überwinden und die unterschiedlichen Verhandlungs- und Diskussionsprozesse systematisch miteinander zu vernetzen. Ziel muss es sein, die Reduzierung der Katastrophenrisiken tatsächlich zum integralen Baustein der neuen Entwicklungsagenda zu machen."

(Quelle: Weltrisikobericht, 2012)

Akteure der Nachhaltigen Katastrophenvorsorge in Deutschland

Das Auswärtige Amt setzt jährlich 10 % seiner verfügbaren finanziellen Mittel für die nachhaltige Katastrophenvorsorge ein. Im Rahmen unterstützender Projekte arbeitet das Auswärtige Amt mit Nichtregierungsorganisationen, den Vereinten Nationen und den Organisationen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zusammen. Die Vergabe von Mitteln orientiert sich an Leitlinien. Zu diesen gehören etwa folgende Punkte: Orientierung am humanitären Bedarf, Anpassung an veränderte globale Verhältnisse, Katastrophenfrühwarnung, Vulnerabilität. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzt sich sehr für eine nachhaltige Katastrophenvorsorge ein. Operationsgebiete sind vor allem Länder in Afrika, Lateinamerika und Asien. Ziel der GIZ ist die eigenständige Förderung der Katastrophenvorsorge aber auch die Integration von Programmen und Projekten in den betroffenen Gebieten. Zum letzteren Gehören vor allem Maßnahmen zur Ernährungssicherung, Dezentralisierung und Umweltschutz. Die Ergebnisse der einzelnen Maßnahmen finden Sie hier zusammengefasst. Der Ansatz und die Aktionsfelder die von der GIZ angeboten werden können an dieser Stelle nachgelesen werden.

Ein weiterer Akteur auf deutscher Ebene ist das deutsche Komitee Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV). Dieses unterstützt und fördert fachübergreifende Forschungsansätze zur Katastrophenvorsorge in anderen Fachsektoren sowie in Politik und Wirtschaft,
die Verbreitung der Erkenntnisse der Katastrophenvorsorge auf allen Ebenen des Bildungsbereichs, die Umsetzung der vorhandenen Erkenntnisse zur Katastrophenvorsorge in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die Weiterentwicklung einer fach- und länderübergreifenden Kooperation in der operativen Katastrophenvorsorge und die Entwicklung medialer Strategien zur Förderung und Stärkung des Vorsorgebewusstseins in der Gesellschaft. Hier geht es zur Homepage des DKKV.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere nationale und internationale Akteure, die sich an der Katastrophenvorsorge beteiligen.

Dokumente

Katastrophenvorsorge für alle
Weltrisikobericht, 2012
Katastrophenvorsorge - Beiträge der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Internationale Katastrophenvorsorge und Klimaanpassung im Deutschen Roten Kreuz
Leitlinien zur Förderung von Maßnahmen der Katastrophenvorsorge im Ausland durch das Auswärtige Amt

Interne Links

Externe Links

Keine nachhaltige Entwicklung ohne Katastrophenvorsorge
Naturkatastrophen: Die Bedeutung der Vorsorge
GIZ
Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern

Schlagworte

Gefahr, Natur, Naturkatastrophen, Prävention, Schutz, Vulnerabilität

Letzte Aktualisierung

09.12.2015 12:06

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