UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030

Einleitung

Am 2. August 2015 legten Delegierte aus 193 Ländern in New York nach einwöchiger Beratungen die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 fest, die bei einem Gipfel im September in New York von den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt verabschiedet werden sollen. Die UN-Agenda (Sustainable Development Goals) enthält einen rund 30-seitigen Aktionsplan mit dem Titel "Unsere Welt verändern – Programm für nachhaltige Entwicklung bis 2030", das an die UN-Milleniumsentwicklungsziele aus dem Jahr 2000 anknüpft.

In diesem Programm verpflichten sich die Länder innerhalb der nächsten 15 Jahre die Armut und den Hunger auf der ganzen Welt beseitigen zu wollen. Dies betrifft insbesondere noch eine Milliarde Menschen weltweit, die mit weniger als 1,14 Euro pro Tag auskommen müssen. Davon leben die meisten Menschen in Afrika und Asien. Außerdem wollen sie allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser und einer vernünftigen Toilette garantieren. Auch die Bildung soll weltweit reformiert werden, damit Jungen und Mädchen eine kostenlose Grundschulausbildung erhalten. Die Benachteiligung von Frauen und Mädchen soll es ebenso nicht mehr geben und jeder Mensch soll Zugang zu verlässlicher, umweltschonender Energie bekommen. Das Programm ruft zudem zu "nachhaltigen Produktionsweisen und Konsum" auf und wirbt für "friedliche und für alle offene Gesellschaften".

Hintergrund

Bereits bei der als „Rio-Gipfel“ benannten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED), haben sich die Staaten der Welt im Jahr 1992 auf eine nachhaltige Entwicklung verständigt, die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen Rechnung trägt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Begriff "Nachhaltigkeit" in den Fokus gerückt und Entwicklung als etwas angesehen, was nicht auf Kosten künftiger Generationen stattfinden dürfe.
Insofern hat der Rio-Gipfel 1992 dazu beigetragen, dass in sogenannten Rio-Folgeprozessen die unterschiedlichsten Initiativen ins Leben gerufen wurden, um nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Dazu gehören unter anderem die Agenda 21, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt und die Klimarahmenkonvention.

Im Jahr 2000 wurde dann auf dem Millennium-Gipfel der Vereinten Nationen mithilfe der Millenniumserklärung ein Katalog grundsätzlicher, verpflichtender Zielsetzungen, der sogenannten Millenniums-Entwicklungszielen (MDGs)für alle Mitgliedstaaten verabschiedet. Auch diese hatten das Ziel Hunger und Armut auf der Welt zu halbieren und somit konkrete Zielvorgaben festzulegen. Außerdem sollte jedes Kind eine Grundschulbildung bekommen, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel gesenkt und Frauen und Mädchen gleichberechtigt werden. Auch der Kampf gegen Krankheiten und Klimawandel waren Teil der acht Ziele, für die zum Teil das Jahr 1990 als Vergleichsbasis gewählt wurde. Diese Millenniums- Entwicklungsziele halfen vielen Regierungen, der Zivilgesellschaft und der internationalen Gemeinschaft ihre Anstrengungen zu fokussieren und Mittel zu mobilisieren. Hinzukommt, dass sich die Zahl der Menschen, die am Tag mit 1,25 Dollar (1,14 Euro) auskommen müssen, den UN zufolge tatsächlich in den letzten 25 Jahren von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen mehr als halbiert hat.Auch die Kindersterblichkeit ging zurück um etwas mehr als die Hälfte von 90 auf 43 Tote je 1.000 Kindern unter fünf Jahren. Die Müttersterblichkeit sank um 45 Prozent. Bessere Prävention und Betreuung hätten den Tod von 6,2 Millionen Menschen durch Malaria und 37 Millionen durch Tuberkulose verhindert. Bei der Beteiligung von Mädchen und Frauen seien ebenfalls "dramatische Fortschritte" gemacht worden.

Neuerungen bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals (SDGs))

Doch mit dem Jahr 2015 läuft der Zeithorizont zur Zielerreichung 2015 aus, sodass es nun einen neuen Zielkatalog gibt, der im September verabschiedet werden soll.
Der Unterschied zwischen den Millenniums-Entwicklungszielen (MDGs) und den neuen Zielen (SDGs) liegt in den folgenden Punkten: Während die Millenniumsentwicklungsziele vor allem auf die Verringerung der Armut in den Entwicklungsländern ausgerichtet waren, sollen die neuen Ziele auf der breiteren Grundlage nachhaltiger Entwicklung weltweit, das heißt für alle Länder verfügbar, basieren. Den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Dimensionen von Nachhaltigkeit soll in ausgewogener Weise Rechnung getragen werden. Die neuen "Ziele für nachhaltige Entwicklung" (Sustainable Development Goals – SDGs) sollen sowohl umfassend als auch praktikabel sein.

Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bis 2030

"1. Armut in jeder Form und überall beenden
2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern
3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
5. Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen
6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten
7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
8. Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
9. Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
10. Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern
11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen
12.Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen
13.Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen* (*in Anerkennung der Tatsache, dass die UNFCCC das zentrale internationale, zwischen-staatliche Forum zur Verhandlung der globalen Reaktion auf den Klimawandel ist)
14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
15.Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen
16.Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
17. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben"

Die 17 Ziele sollen ab dem 1. Januar 2016 gelten, jedoch ist ihre Umsetzung freiwillig und jeder Staat entscheidet selbst über die Maßnahmen zur Erreichung der Ziele. Die Umsetzung soll anhand fester Indikatoren regelmäßig überprüft werden.
Ein weiterer Faktor ist die Finanzierung der Maßnahmen, da bei einer internationalen Konferenz in Addis Abeba die Teilnehmer Mitte Juli festgestellt hatten, dass für die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in den kommenden 15 Jahren 2,5 Billionen Dollar nötig seien. Davon soll die Privatwirtschaft einen Großteil der notwendigen Gelder bereitstellen.


Dokumente

"Transforming our World:The 20130 Agenda for Sustainable Development", (PDF)
"Bericht der Bundesregierung zur deutschen Position für die Verhandlungen über die Post 2015-Agenda für nachhaltige Entwicklung" - bmz.de

Interne Links

Externe Links

"Sustainable Development Goals"- un.org
"Der Post-2015-Prozess und die Ziele für nachhaltige Entwicklung"- dgvn.de
zeit.de
derstandard.at
bmz.de

Schlagworte

Agenda , Nachhaltige Entwicklung, UN

Letzte Aktualisierung

07.09.2015 08:47

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