Nachhaltige Stoffe

Einleitung
Im Rahmen der Modebewegung Slow-Fashion, die im Gegensatz zum Modetrend Fast Fashion steht, werden nachhaltige Stoffe immer angesagter. Unter nachhaltigen Stoffen verstehen Barbara Irma Denk und Lisa Niedermayr (Gründerin von Slow Fashion.agency for sustainable design) ausgesuchte, umweltverträgliche und fair produzierte Textilien- sogenannte "grüne Textilien".

Nachhaltige Stoffe

  • Bio-Baumwolle
Die Begriffe “Bio”, “Öko” oder “aus kontrolliert biologischem Anbau” (kbA) sind, ebenso wie im Lebensmittelbereich, geschützte Begriffe, die auch für den landwirtschaftlichen Rohstoff Baumwolle geschützt sind. Begriffe und Siegel wie diese dürfen nur verwendet werden, wenn die Richtlinien des ökologischen Landbaus eingehalten werden. Jedoch garantiert das Bio-Zertifikat für Baumwolle ausschließlich den ökologischen Anbau der Faser. Über die Weiterverarbeitung bis hin zum fertigen Kleidungsstück sagt das erst einmal nichts aus. Es heißt allerdings, dass man mit dem Kauf eines einzigen T-Shirts aus biologischer Baumwolle man rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger bewahrt.

  • Bio-Wolle
Die Bio-Wolle stammt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) von Tieren, die artgerecht und im Einklang mit der Natur gehalten werden. Hier stammt die Bio-Wolle ebenso vom Schaf wie Nicht-Bio-Wolle. Ihr Vorteil: sie hält dank Luftpolstern zwischen den Fasern besonders gut warm.

  • Hanf
Hanf ist eine pflanzliche Naturfaser, die aus den Stängeln der Hanfpflanze (Cannabis Sativa) gewonnen wird. Sie zählt zu den umweltschonendsten Fasern überhaupt.Denn beim Anbau benötigt er weder Pflanzenschutz- noch Insektenschutzmittel und kommt mit sehr wenig Wasser aus. Beim Tragen schützt Hanf vor UV-Strahlen und beweist sich als sehr stark und langlebig. Auf der Haut fühlt sich Hanf edel und oft ein wenig schwerer an als Baumwolle.
Hanf ist sehr schnell wachsend und von Natur aus sehr widerstandsfähig. Die Fasern der Hanfpflanze weisen eine hohe Reißfestigkeit auf. Neben vielen anderen Hanf-Erzeugnissen überzeugt auch Kleidung aus Hanffaser durch ihre hohe Qualität bei gleichzeitig hervorragender Ökobilanz.

  • Bio Leinen
Leinen ist eine pflanzliche Naturfaser und wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen. Leinen hat einen charakteristischen, natürlichen Glanz und wirkt feuchtigkeitsregulierend. Der kontrollierte biologische Flachsanbau (kbA) verzichtet auf chemische Düngemittel und Pestizide.

  • Bio-Seide
Bio-Seide wird nach kbT (kontrolliert Biologische Tierhaltung) Standards produziert, was bedeutet, dass die Raupen Maulbeerblätter (oder andere Pflanzen)essen, die frei von Pestiziden sind und es wird auch auf die sonst übliche, umfangreiche Hormonbehandlung der Tiere verzichtet. Bei der Stoffverarbeitung, dem Abkochen, Zwirnen, Weben und Färben der Bioseide werden ausschliesslich gesundheits- und umweltschonende Chemikalien und Farbstoffe verwendet. Zudem ist die Kette der Zulieferer leicht nachvollziebar, weil Bio-Seide so selten ist.
Mehr...

  • Wildseide
Im Gegensatz zur Bio-Seide, stammt die Wildseide oder “Tussahseide” von wildlebenden Eichenspinnern oder Tussahspinnern. Beim Verlassen des Seidenkokons hinterlässt der Falter ein Loch im Kokon, welcher dann eingesammelt wird. Die Seidenraupen dürfen ihr Leben als Schmetterlinge fortsetzen und werden zur Gewinnung der Faser nicht getötet, weshalb sich auch der Begriff “vegetarische Seide” etabliert hat. Gewebte Wildseide ist gegenüber Zuchtseide gröber, mit kleinen Erhebungen und Knötchen.

  • Peace Silk
Peace Silk aus kontrolliert biologischem Anbau wird derzeit (Stand: 1.3.2013) lediglich von zwei Produzenten weltweit hergestellt und ist ein begehrter Rohstoff für immer mehr Designer, da es sich bei Peace Silk ebenfalls um “vegetarische Seide” handelt. Allerdings wird diese nicht wild gesammelt. Die Raupen werden (idealerweise nach kbT) aufgezogen, bis sie sich verpuppen. Dann, wenn es so weit ist, schneiden Arbeiter ein kleines Loch in den Kokon und lassen die Tiere über eine Woche im Dunkeln ruhen, bis sie geschlüpft sind. Peace Silk ist ebenfalls nicht ganz so fein und fest wie die industrielle Zuchtseide. Leichte Unregelmäßigkeiten sind Teil der Ästhetik und in der Produktion wird viel geforscht, um immer feinere Seidenstoffe aus Peace Silk herstellen zu können.

  • Soja
Die Faser besteht aus dem Pflanzeneiweiß der Sojabohne oder aus dem Eiweiß der Produktionsabfälle von Tofu und Soja-Nuggets. Ob die Sojapflanze dabei aus kontrolliert biologischem Anbau stammt variiert von Fall zu Fall. Manchmal stammt es auch von nicht zertifizierten Kleinbauern-Betrieben, die dennoch biologischen Anbau betreiben. In dem Fall sollte man bei dem Label nachfragen.

  • Lyocell/ Tencel
Tencel wird aus Zellulose hergestellt und ist ebenfalls ein Viskose-Produkt. Während bei der Herstellung von normaler Viskose einige Chemikalien beigemischt werden, geschieht der Herstellungsprozes von Tencel mit einem ungiftigen, organischen Lösungsmittel. Dieses Lösungsmittel ist nach der Herstellung wieder verwendbar dadurch besonders nachhaltig und umweltfreundlich.

  • Lenpur Viskose
Ganz anders produziert wird die Lenpur Viskose. Als Grundlage dient ausschließlich Zellulose aus dem Rückschnitt von Bäumen in der Forstwirtschaft. Sie wird auch oft “Peace Viskose” genannt, da zur Herstellung kein einziger Baum oder Bambus gefällt werden muss. Die Zellulosegewinnung findet wie auch bei Tencel mikroorganisch und ohne chemische Zusätze statt. Die Lenpur-Faser hat mit 99,8% eine höhere Naturreinheit als handgepflückte Baumwolle, bei gleichbleibend hervorragenden Funktionseigenschaften.

  • Seacell
Seacell wird aus Algen gewonnen, die die Mineralien des Meerwassers verstoffwechseln. Demnach enthalten Algen einen hohen Anteil an verschiedensten Spurenelementen, Kohlenhydraten, Fetten und Vitaminen. Beim Tragen dieser Kleidung, die aus Algen hergestellt wird, sondert diese die Nährstoffe an den Körper ab. Zusätzlich soll durch die Algenextrakte die Produktion von Glucoseaminoglucanen im Körper angeregt werden, die einerseits die Heilung von Entzündungen der Haut beschleunigen und die andererseits die Haut vor freien Radikalen schützen. Deswegen wird Seacell Kleidung, gern als Kleidung mit Anti-Aging-Effekt bezeichnet.

  • Tyvek
Tyvek wurde von dem Modellabel Luuxa entwickelt und ist bis zu 90°C waschbar, verfügt über Anti-Pilling- und Anti-Verfilzen-Eigenschaften, ist zu 100% recyclebar und antiallergen. Die Struktur der Tyvek-Membran ist glatt, weich, atmungsaktiv und besitzt eine papierartige Haptik.Tyvek kann bis zu fünf mal zu neuem Tyvek recycelt werden, das bei der Herstellung eingesetzte Wasser wird dabei viele Male wiederverwendet. Nach seinem Tyvek-Leben wird das Material zu Produkten der allgemeinen Nutzung, wie z.B. zu Schutzhelmen verarbeitet. Luxaa bietet sogar ein Rücknahmesystem für seine Tyvek-Produkte an und führt das Material an den Hersteller zurück, der für ein entsprechendes Recycling sorgt.

  • Milkfibers
Polylactid ist bekannt als eine Milchproteinfaser. Für die Gewinnung der Faser wird Milch (meist von Kühen)entwässert und abgeschöpft. Die so gewonnenen Milchproteine werden dann wie andere Kunst- oder Funktionsfasern weiterverarbeitet, wobei es sich im Falle von Polylactid um einen natürlichen Stoff handelt.


Textilgewinnungs- und verwertungsmethoden

  • Recycling
Die Methode des Recycling wird verwendet, um bestimmte Materialien eines Produktes wieder verwenden zu können. Doch da der Großteil der verwendeten Textilien aus einem Materialmix besteht, ist das Recyceln oft nicht einfach. Für die Wiederverwertung des Stoffe ist die Reinheit besonders wichtig.
“Downcycling” heißt es also, wenn aus recycelten alten Mischfaser-Kleidern ein völlig anderes Produkt entsteht, das nicht unbedingt zu neuer Fashion wird.
Hingegen ein beliebter und dankbarer Recycling-Rohstoff ist die PET-Flasche, die aus reinem Polyester besteht. Sie wird zermahlen und geschmolzen, um daraus textile Fasern herzustellen. Diese Technik wird auch in den USA schon lange für die Herstellung von Teppichen genutzt, aber auch Textilfasern für Kleidung aus recycelten PET-Flaschen sind im Kommen.

  • Cradle to Cradle
Der Begriff “Cradle-to-Cradle” wurde 1998 vom Deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough in ihrem Buch “Cradle to Cradle” (Von Der Wiege bis zur Wiege) geprägt. Für diesen Prozess geeignete Produkte, sind Produkte, die entweder als biologische Stoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als technische Stoffe kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden. Das bedeutet, zum Beispiel, dass ein Schuh so hergestellt worden ist, das er im Ganzen, ohne ihn weiter aufspalten zu müssen, recycelt und neu produziert werden kann. Von den bisher wenigen Kollektionen, die nach dem Cradle to Cradle-Prinzip produziert werden, ist die Trigema Change Kollektion, bestehend aus basics für Damen und Herren wohl die bekannteste.

  • Upcycling
Upcycling bedeutet, dass entweder Abfälle oder Reste, Verschnitt- oder Ausschussware, sowie Stoffenden oder getragene Kleidung als Rohstoff für die Erschaffung neuer Produkte verwendet wird. Dabei wird meist durch handwerkliche Kunst ein höherwertiges Endprodukt geschaffen, das oftmals ein Unikat darstellt.

Nähere Informationen zu den Symbolen für Öko-Zertifizierungen, Fairtrade und zu nachhaltigen Modedesignern finden Sie in diesen Artikeln:
Interne Links
Externe Links
Bezugsquellen für nachhaltige Stoffe
Slow Fashion. agency for sustainable design
Kleines Materiallexikon für nachhaltige Stoffe
Luuxa.de

Schlagworte

Armut, Ausbeutung, Mode, Nachhaltigkeit, Ökologie, Produktion

Letzte Aktualisierung

26.08.2015 13:21

Diesen Artikel: