Klimawandel und Klimaschutz

Menschliche Aktivitäten haben zu einer deutlichen Erhöhung der Konzentration an Treibhausgasen und Aerosolen, insbesondere Schwefeldioxid, in der Erdatmosphäre seit der vorindustriellen Zeit geführt.
So haben die atmosphärischen Konzentrationen der Schlüsselsubstanzen unter den Treibhausgasen (CO2, Methan, Lachgas, Ozon) in den 90er Jahren Höchstwerte erreicht. Hauptursachen: die Verbrennung fossiler Energieträger, die landwirtschaftliche Nutzung (Nutztierhaltung, Reisanbau) und Veränderungen in der Flächennutzung wie insbesondere die Abholzung der Tropenwälder. Die Veränderungen der Erdatmosphäre, des Klimas und biologischer und physikalischer Indikatoren im 20. Jahrhundert sind zahlreich und sehr beunruhigend.
Wenn keine Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgas-Freisetzung ergriffen werden, wird - so das IPCC in seinem Klimaänderung 2001: Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger - Synthesereport - die mittlere Temperatur bis zum Jahr 2100 weltweit um 1,4 bis 5,8°C ansteigen. Das wird fatale Konsequenzen haben. Aufgrund der steigenden Temperaturen wird das Packeis an den Polen und werden die Gletscher auf den Gebirgen schmelzen mit der Folge, dass der Wasserspiegel der Weltmeere ansteigt. Damit ist die Existenz insbesondere der kleinen Inselstaaten - dazu zählen rund 40 Staaten und Territorien in Afrika, der Karibik und Ozeanien - mit einer Gesamtbevölkerung von ca. 43 Millionen Menschen bedroht. Dramatisch ist auch die Situation vieler Entwicklungsländer. Zukünftig noch häufiger auftretende und auch länger andauernde Dürreperioden werden das Problem der Versorgung der armen Bevölkerungsschichten mit Lebensmitteln weiter verschärfen.

Wie wichtig schnelle und umfassende Maßnahmen zum Klimaschutz sind, belegt eine aktuelle Studie, die der britische Schatzkanzler Gordon Brown bei Sir Nicholas Stern, einem der renommiertesten britischen Ökonomen und ehemaligen Chef-Volkswirt der Weltbank (2000-2003), in Auftrag gegeben hat und die Ende Oktober 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Eine zentrale Aussage lautet: Wenn die Regierungen den Ausstoß des Klimagases CO2 nicht stoppten, drohe die Weltwirtschaft wegen des "größten Marktversagens, das die Erde je gesehen hat", in eine Rezession wie zuletzt Ende der 20er Jahre abzugleiten. Stern kommt zum Schluss, dass 1 % des jährlichen Bruttosozialproduktes reichen könnten, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf einem verträglichen Level (500 bis 550 ppm (parts per million, ml/m³) zu stabilisieren und damit katastrophale Entwicklungen des globalen Klimawandels abzuwenden, während die durch Nichtstun entstehenden Klimaschäden 5 bis 20 mal teurer kämen. Doch der Bericht macht auch Mut: "It is still possible to avoid the worst impacts of climate change; but it requires strong and urgent collective action. Delay would be costly and dangerous."

Der lange Weg bis Kyoto

Das Kyoto-Protokoll von 1997 ist sicherlich ein Meilenstein in der Geschichte des Klimaschutzes. Dabei hat sich die internationale Staatengemeinschaft - von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen- schon seit Ende der 70er Jahre mit dem Klimawandel, seinen Ursachen, Konsequenzen und erforderlichen Gegenmaßnahmen befasst.

1979: Klimaschutzkonferenz, Genf
Auf der ersten internationalen Klimaschutzkonferenz 1979 (12.-23.2.1979) in Genf diskutierten zahlreiche Experten verschiedener UN-Unterorganisationen über den möglichen Zusammenhang von Klima-Anomalien seit 1972 und der Klimabeeinflussung durch die menschliche Gesellschaft. In der Abschluss-Deklaration wurde darauf hingewiesen, dass die Zunahme des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre die höchste Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft verdiene, weil eventuell auch gravierende langfristige Veränderungen des globalen Klimas verursacht werden könnten. Als eine Konsequenz der Genfer Klimakonferenz wurde das Weltklimaprogramm (WCP, World Climate Programme) bei der World Meteorologic Organization (WMO) ins Leben gerufen. Dieses war für viele Länder Anlass, ein eigenes Klimaschutzprogramm ins Leben zu rufen. So wurde 1979 die Einrichtung eines (west)deutschen Klimaprogramms vom Bundeskabinett beschlossen, dieses wurde jedoch erst 1984 Realität. Mehr dazu im Lexikon unter Weltklimakonferenz in Genf, 1979
  • Quelle: Proceedings of the World Conference on the Changing Atmosphere: Implications for Global Security. WMO, Nr. 710, 1989
1985: Wiener Konferenz zum Schutz der stratosphärischen Ozonschicht
Auf der Konferenz zum Schutz der stratosphärischen Ozonschicht in Wien (18.-22.3.1985) unterzeichnen 21 Teilnehmerstaaten die Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht. Beschlossen wurden allgemeine Verpflichtungen der Unterzeichnerstaaten (u.a. geeignete Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen), Verpflichtungen zur Forschung und systematischen Beobachtung, zur Informationsübermittlung, zur Einrichtung eines Sekretariats, zur Einsetzung einer Konferenz der Vertragsparteien. Mehr dazu im Lexikon auf unserer Seite Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht/.

1987: Internationale Konferenz zum Schutz der Ozonschicht, Montreal
Die erste Konferenz der Vertragsparteien zur Wiener Konvention war die Internationale Konferenz zum Schutz der Ozonschicht am 14.-16.9.1987 in Montreal. Hier unterzeichneten 48 Staaten das Montrealer Protokoll über Stoffe, die zu einem Abbau der Ozonschicht führen, und verpflichteten sich, ihre Produktion von FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) bis 1999 schrittweise auf 50 % zu reduzieren. Das Montrealer Protokoll trat 1989 in Kraft. Mehr dazu im Lexikon auf der Seite Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht/.

1988: 1. Weltklimakonferenz, Toronto
Neun Jahre nach der Genfer Klimakonferenz folgte die 1. Weltklimakonferenz über Veränderungen der Atmosphäre in Toronto (27.-30.6.1988). Rund 300 Natur- und Wirtschaftswissenschaftler, Sozialpolitiker und Umweltschützer aus 48 Staaten diskutierten über die Ursache und Bekämpfung der rapiden Erwärmung der Erde. Im Schlusskommuniqué wurde eindringlich darauf hingewiesen, dass die Gefahren für die Erdatmosphäre bereits so gravierend seien, dass sofortiges Handeln unerlässlich sei. Quelle: Proceedings of the World Conference on the Changing Atmosphere: Implications for Global Security. WMO, Nr. 710, 1989

1988: Gründung IPCC
Um alle Informationen über Klimaveränderungen zu erfassen und zu bündeln, insbesondere eine globale Erwärmung des Weltklimas durch menschliches Handeln zu erfassen, riefen die Welt-Meteorologie-Organisation WMO und das UN-Umweltprogramm UNEP 1988 ein zwischenstaatliches Arbeitsgremium über Klimaveränderungen IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change ins Leben.

1990: 2. Weltklimakonferenz in Genf
Das IPCC legte 1990 auf der 2. Weltklimakonferenz in Genf (29.10.-7.11.1990) seinen ersten „Assessment Report“ vor, in dem ein sicherer Anstieg der Treibhausgase als Folge menschlicher Aktivitäten vorausgesagt wurde. Als Reaktion auf den auf dieser Konferenz sichtbaren weltweiten Konsens in Bezug auf die Wirkungen der globalen CO2-Emissionen beschloss die UN-Vollversammlung im Dezember 1990, einen zwischenstaatlichen Verhandlungsprozess zur Vorbereitung eines Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen einzurichten (Resolution 45/212). Das eigens dafür eingerichtete „Intergovernmental Negotiating Committee on Climate Change“ (INC) sollte dazu den Text „angemessener Vereinbarungen“ zum Problemfeld „Klimaänderungen“ auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (Erdgipfel, Rio 1992) vorbereiten.

1992: Klima-Rahmenkonvention (KRK)
Die Klima-Rahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change / UNFCCC) wurde auf dem Erdgipfel 1992 in Rio verabschiedet und trat am 21.3.1994 - 90 Tage nach Ratifizierung durch den 50. Vertragspartner - in Kraft und ist mittlerweile von mehr als 180 Staaten ratifiziert worden, darunter auch von den Hauptverursachern der Treibhausgasemissionen: den USA, Russland, der Europäischen Union, China und Indien. Mehr dazu auf unserer Seite Klimaschutzkonvention

1995: 1. Vertragsstaatenkonferenz zur Klima-Rahmenkonvention (COP1), Bonn
Die erste Konferenz der Vertragsstaaten (Conference of Parties, COP1), vielfach auch als Nachfolgekonferenz zu Rio angesprochen, fand vom 28.3.-7.4.1995 in Berlin statt. Auf dieser Konferenz ging es darum, die Verpflichtungen der Konvention fortzuentwickeln und zu verschärfen. Im Mittelpunkt des Interesses der Konferenz stand insbesondere die Frage, ob die Verpflichtungen, die die Industrieländer eingegangen waren, noch angemessen waren. Mehr dazu auf der Seite 1. Klimaschutzkonferenz 1995, Berlin

1997: 3. Vertragsstaatenkonferenz zur Klima-Rahmenkonvention (COP3), Kyoto
Einen Meilenstein in der Umsetzung der Klimaschutz-Konvention stellt die 3. Vertragsstaaten-Konferenz in Kyoto dar. Das am 11.12.1997 unterzeichnete enthält erstmals rechtsverbindliche Begrenzungs- und Verringerungsverpflichtungen für die Industrieländer.
Dokumente
Klimarahmenkonvention, Kyoto Protokoll und Forschung zu globalen Umweltveränderungen
Stern Review: The Economics of Climate Change. Langfassung
Stern Reviw: The Economics of Climate Change. Kurzfassung

Interne Links
Externe Links
UN-Klima-Rahmenkonvention, Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen (deutscher Text)
Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen und sein Sekretariat (englischer Text)
Stern Review: The Economics of Climate Change
Klimafakten.de

Schlagworte

AOSIS, Emissionshandel, Gefahr, Klima, Klimaschutz, Klimawandel, Kyoto-Protokoll, Prävention, Probleme, Sonne, Umweltschutz, Zivilisation

Letzte Aktualisierung

11.02.2015 11:43

Diesen Artikel: