Wohlbefinden (Well-being)

Wohlbefinden stellt das Individuum, seine Wahrnehmungen, Situationsdefinitionen, kognitive Bewertung und Gefühlszustände in den Vordergrund. Grob ausgedrückt, bedeutet Wohlbefinden die dauerhafte und generelle Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Die psychologische Literatur unterscheidet zwischen hedonischem und eudaimonischem Wohlbefinden. Hedonisches Wohlbefinden ist ein mehrdimensionales Konzept, das sich sowohl auf die kognitiven Bewertungen des eigenen Lebens im Allgemeinen (z.B. Lebenszufriedenheit), als auch auf dessen positive und negative Gefühle (Diener et al. 1999) bezieht. Die meisten ökonomischen Theorien beziehen sich bei der Messung von Wohlbefinden auf das hedonische Wohlbefinden.

Das zweite Konzept geht auf Aristoteles zurück, für welchen die Verwirklichung von Tugenden essentiell für ein gutes und sinnstiftendes Leben war. Gegenwärtige Literatur unterteilt eudaimonisches Wohlbefinden in psychologisches und soziales Well-Being. Die Psychologin Ryff definierte sechs Elemente positiver Funktionen, aus denen sich psychologisches Well-Being zusammensetzt: Selbstakzeptanz, persönliche Entwicklung, Lebensinhalt, ökologische Sensitivität, Autonomie und positive Beziehungen zu anderen (Ryff 1989). Die fünf Dimensionen sozialen Well-Beings nach Keyes (1998) lauten: soziale Akzeptanz, soziale Verwirklichung, sozialer Beitrag, soziale Kohärenz und soziale Integration.

In der Forschung wurden die Verbindungen zwischen hedonischem und eudaimonischen Wohlbefinden bis jetzt nicht ausreichend untersucht, um genaue Erklärungen der Beziehung zu liefern.
Der Begriff des Wohlbefindens („well-being“) fand 2006 Verwendung als Leitbegriff der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie, in der explizit nicht Wirtschaftswachstum als Ziel einer nachhaltigen Entwicklung formuliert wurde, sondern eben Wohlbefinden.


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Literaturhinweise
  • Diener, E., Suh, E.M., Lucas, R., Smith, H.L. (1999): Subjective well-being: Three decades of progress. Psychological Bulletin 125, 276-302, cited in Westerhof and Keyes 2008.
  • Keyes, C.L.M. (1998): Social well–being. Social Psychology Quarterly 61, 121-140, cited in Westerhof and Keyes 2008.
  • Keyes, C.L.M. (2005): Mental illness and/or mental health? Investigating axioms of the complete state model of health. Journal of Consulting and Clinical Psychology 73, 539-548, cited in Westerhof and Keyes 2008.
  • Noll, H. (1989): Indikatoren des subjektiven Wohlbefindens: Instrumente für die gesellschaftliche Dauerbeobachtung. In: ZUMA-Nachrichten, No. 24, 1989, 26-41.
  • Rauschmayer, F., Omann, I., Frühmann, J. (2010). Needs, capabilities, and quality of life. Re-conceptualizing Sustainable Development. In: Rauschmayer, F., Omann, I., Frühmann, J. (eds.) (2010): Sustainable Development: Capabilities, needs, and well-being. Routledge.
  • Ryff, C.D. (1989): Happiness is everything, or is it? Explorations on the meaning of psychological well-being. Journal of Personality and Social Psychology 57, 1069-1081, cited in Westerhof & Keyes 2008.
  • Samman, E. (2007): Psychological and Subjective Well-being: A Proposal for Internationally Comparable Indicators. Oxford Development Studies 35, 4, 459-486
  • Westerhoff, G.J., Keyes, C.L.M. (2008): Positive mental health: From happiness to fulfillment of potentials. Presentation given at ‘Happiness and Capability: Measurement, Theory and Policy’ in Radboud University Nijmegen / Ravenstein, 22.-23.08.08.

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Wohlbefinden

Letzte Aktualisierung

30.09.2015 09:48

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