Regenwälder als CO2-Senken

Die gesamte belebte Erdoberfläche ("Biosphäre") hat einen wesentlichen Einfluss auf das globale Klima. Eine der wichtigsten Funktionen ist die Aufnahme resp. Freisetzung von Kohlenstoff durch Land- und Wasserökosysteme.

CO2 und Biomasse
Das Kohlenstoffdioxid (Kohlendioxid, CO2) in der Atmosphäre (plus Wasser) wird durch die pflanzliche Photosynthese in Biomasse umgewandelt, und zugleich wird molekularer Sauerstoff (und Wasser) freigesetzt, den die übrigen Lebewesen für die Atmung brauchen. In Gewässern wie den Ozeanen geschieht dies vor allem durch das Pflanzenplankton (Phytoplankton), an Land überwiegend durch Grünpflanzen, insbesondere die tropischen Regenwälder. Pflanzliche Biomasse kann so CO2 aus der Atmosphäre in Form von organischen Kohlenstoffverbindungen binden. Dadurch wird die CO2-Konzentration in der Atmosphäre verringert. Allerdings geben die Pflanzen einen großen Teil des Kohlenstoffs wieder frei - sie atmen ihn wieder aus. Im Endeffekt verbleiben weniger als 5 % des ursprünglich aufgenommenen Kohlenstoffs in der globalen Biomasse. Regelmäßig auftretende Störungen wie Feuer oder Ernte verringern den Kohlenstoffgewinn zusätzlich. Letztlich beträgt die resultierende Langzeitspeicherung von Kohlenstoff in der globalen Biomasse weniger als 0,5 % des ursprünglich aufgenommenen Kohlenstoffs.

Aktuell haben die Land-Ökosysteme ca. 2.000 Mrd. (= 2 Billionen) Tonnen Kohlenstoff gespeichert, ein Viertel davon (ca. 500 Mrd. t C) in der Vegetation und drei Viertel (ca. 1.500 Mrd. t C) in Böden. Die Kohlenstoffaufnahme kann durch forstwirtschaftliche Maßnahmen z.B. Aufforstung) oder Änderung bei der Landnutzung (z.B. Anbau von Zwischenfrüchten zur Förderung des Humusaufbaus) gesteigert werden. Wenn die Vegetation in der Bilanz mehr Kohlenstoff aufnimmt (und diesen als Biomasse speichert), als sie wieder abgibt, sinkt der CO2-Gehalt der Atmosphäre. Dies ist dann eine Senke für CO2 im Sinne der Klimarahmenkonvention, Art. 1 Abs. 8. Umgekehrt können menschliche Eingriffe wie etwa die Rodung von Waldflächen, die Zerstörung von Feuchtgebieten oder die Umwandlung von Weide in Ackerland zu einer vermehrten Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre führen. Diese Arten der Landnutzung werden dann als biologische Kohlenstoffquellen bezeichnet.

1 Tonne Kohlenstoff entspricht rund 3,7 Tonnen Kohlendioxid.1 t C = 3,7 t CO2


Im Zeitraum von 1990 bis 2000 hat die Oberfläche der Erde (Land- und Wasserflächen) im Mittel 2 bis 4 Mrd. t C pro Jahr aufgenommen. Etwa 0,7 bis 2,1 Mrd. t C werden durch Wälder und andere terrestrische Ökosysteme dauerhaft gespeichert (siehe Tabelle). Allerdings werden weltweit jährlich etwa 5,9 bis 6,7 Mrd. t Kohlenstoff allein durch die Nutzung fossiler Brennstoffe freigesetzt (das sind 21,6 bis 24,6 Mrd. t CO2). Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Flüsse von atmosphärischem Kohlenstoff, angegeben in Mrd. t pro Jahr.

C in der Atmosphäre1980 bis 19891990 bis 1999
Anstieg in der Atmosphäre3,2 bis 3,4 Mrd. t C/a3,1 bis 3,3 Mrd. t C/a
Anthropogene Emissionen (fossile Brennstoffe, Zement)5,1 bis 5,7 Mrd. t C/a5,9 bis 6,7 Mrd. t C/a
Austausch Ozean - Atmosphäre-1,3 bis -2,6 Mrd. t C/a-1,2 bis -2,2 Mrd. t C/a
Austausch Land - Atmosphäre-0,9 bis +0,5 Mrd. t C/a-2,1 bis -0,7 Mrd. t C/a


Der Schutz der Wälder, insbesondere der tropischen Regenwälder, trägt damit wesentlich dazu bei, dass die Klimaänderungen nicht noch dramatischer ausfallen. Daher sind nach Klimarahmenkonvention Art. 4 alle Vertragsparteien dazu angehalten, "die Erhaltung und gegebenenfalls Verbesserung von Senken und Speichern aller [...] Treibhausgase, darunter [...] Wälder [...] zu fördern und dabei zusammenarbeiten".

Regenwälder als CO2-Senken
Die tropischen Regenwälder stellen jedoch nicht nur gewaltige Kohlenstoffsenken für aktuell freigesetztes CO2 (s.o.) dar, sondern sind ein gigantischer Kohlenstoffspeicher der letzten Jahrhundert (Jahrtausende). Durch Abholzung oder Brandrodung werden diese natürlichen Kohlenstoffspeicher aufgelöst und so immense Mengen an CO2 zusätzlich an die Atmosphäre abgegeben. So ist Entwaldung die zweitwichtigste Quelle anthropogener Treibhausgasemissionen, nach der Energieerzeugung. Insgesamt ist die Entwaldung für etwa ein Fünftel der gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich, und für über ein Drittel der Entwicklungsländeremissionen, so Dutschke. Derzeit gibt es weltweit noch ca. 1,3 Milliarden Hektar Primärwald. Dieser macht 36,4% der gesamten Waldfläche aller Länder aus, die Inventare für die FAO erstellen. Der Waldnettoverlust beträgt gegenwärtig etwa 7 Millionen Hektar pro Jahr, mit starken jährlichen und regionalen Schwankungen. Allerdings ist, so Dutschke, der Nettowaldverlust kein brauchbarer Indikator für Veränderungen terrestrischer Kohlenstoffpools. Aufgrund der Asymmetrie von Kohlenstoffflüssen (langsame Aufnahme, schnelle Freisetzung) können Aufforstungsmaßnahmen und Revegetation nicht einfach gegen die jährliche Entwaldung von ca. 13 Millionen Hektar in Entwicklungsländern angerechnet werden.

Aus diesem Grund nimmt der Schutz der tropischen Regenwälder einen bedeutenden Platz in den derzeitigen Verhandlungen für die Nach-Kyoto-Phase (nach 2012) ein, Stichwort "Reducing Emissions from Deforestation and Degradation - REDD", siehe unsere Seite Regenwälder - Abkommen.

Die größten Waldverluste treten derzeit in Indonesien und Brasilien auf. Nach Angaben der KfW wurde Indonesien aufgrund seiner hohen Entwaldungsrate als weltweit drittgrößter Emittent von Treibhausgasen eingestuft (nach Angaben der Weltbank stammen 85 Prozent der indonesischen Emissionen aus Entwaldung). Dort gehen jährlich etwa 2 Millionen Hektar Wald - etwa die Fläche Hessens - verloren, insbesondere aufgrund illegalen Holzeinschlags mit der Folge umfangreicher Waldzerstörung.
"Daher haben sich die Regierungen Deutschlands und Indonesiens im Jahr 2007 darauf geeinigt, Klimawandel als einen neuen Schwerpunkt in die Entwicklungszusammenarbeit aufzunehmen. Im Rahmen dieses Schwerpunktbereichs wird ein Programm Wald und Klimaschutz umgesetzt. Die Implementierung erfolgt durch das Indonesische Forstministerium in Zusammenarbeit mit der KfW Entwicklungsbank, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ, seit 2011: Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ) und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED)." Mehr dazu bei der KfW: Tropenwaldschutz als Klimaschutz - eine Positionsbestimmung. November 2008.


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CO2, Regenwald

Letzte Aktualisierung

09.12.2015 10:36

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